Chronik | Österreich
21.02.2018

Anwalt soll mit Scheinfirmen 1,2 Millionen Euro ergaunert haben

Im Wintermantel nahm am Mittwoch ein ehemaliger Wiener Rechtsanwalt auf der Anklagebank im Landesgericht Platz: "Ich bin grippig und mir ist kalt." In weiterer Folge wurde er von Richter Christian Böhm über Stunden hinweg "gegrillt". Der Jurist, dem Anlagebetrug mit einem Schaden von 1,2 Millionen Euro vorgeworfen wurde, wollte sich partout nicht schuldig bekennen.

Die Anklage legte dem Ex-Anwalt (mit Kanzlei in der Tuchlauben) zur Last, gemeinsam mit einem Kompagnon zahlreiche Personen, die ihr Vermögen gewinnbringend anlegen wollten, hinters Licht geführt zu haben. Der 48-Jährige und sein Partner – dieser muss sich wegen einer angeblichen Nervenkrankheit in einem Münchner Spital einer Cortison-Therapie unterziehen und blieb daher der Verhandlung fern – verabredeten sich laut Anklage 2007 dazu, "ihren Lebensunterhalt auf Dauer mit Betrügereien aufzubauen". Unter Einschaltung von Finanzvermittlern akquirierten sie Kunden, täuschten diesen Investment-Möglichkeiten vor, gründeten Scheinfirmen in Österreich und der Schweiz und nutzten die Leichtgläubigkeit ihrer Opfer aus. "Der berufsrechtliche Status des Anwalts" soll eine nicht unerhebliche Rolle gespielt haben, "um ein Vertrauensverhältnis aufzubauen."

In die Geldbörse

Das Vermögen wurde allerdings offenbar nicht veranlagt: "In Wirklichkeit hat es keine einzige Investition irgendwohin gegeben. Außer in die eigene Geldbörse", so die Staatsanwältin. Es wurde kein Beleg für ein Geschäft gefunden. Vielmehr überwies der Anwalt in einem einzigen Aufwaschen 980.000 Euro auf sein Konto in die Schweiz. Sein Partner hätte ihm stets versichert, "dass alles funktioniert", behauptete der Ex-Anwalt. Der Prozess wurde vertagt.