Chronik | Österreich
03/16/2019

Amtsärzte jetzt auch „Wolfsermittler“

Veterinäre in NÖ für die DNA-Untersuchung geschult / Erster Schafriss in der Wachau

Zum Start der Weidesaison macht der Wolf wieder von sich reden. So haben Jäger in bisher wolfsfreien Gebieten Hinweise auf seine Anwesenheit gefunden: erstmals gibt es einen belegten Riss zweier Schafe durch den Wolf in der Wachau in Niederösterreich. Und auch im Vorarlberger Klostertal dürfte ein Wolf Rehe getötet haben. Bei einer angeblichen Sichtung im Stadtzentrum von Gföhl im Waldviertel, die auf Facebook für Aufregung sorgte, handelt es sich hingegen um einen Irrtum: Das Foto zeigt Hunde.

Dabei ist es schwer, den Tieren auf die Spur zu kommen. Eine Besenderung von Wölfen, die man seit Jahreswechsel auf dem Truppenübungsplatz Allentsteig im Waldviertel versucht, ist bisher nicht gelungen. Ziel dieses Monitoringprojektes ist, die gegenseitige Beeinflussung von Wolf und Rotwild zu erforschen. Wie Erfahrungen auf der ganzen Welt zeigen, ein äußerst schwieriges Unterfangen. Im besten Fall schaffen es auch erfahrene Fänger, ein bis zwei Wölfe pro Jahr zu erwischen.

Ausbildung

Zumindest eine kleine Erleichterung gibt es für Niederösterreichs Weidetierhalter: Das Land NÖ hat auf Initiative von Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf Bezirks-Amtstierärzte für die Entnahme von DNA-Proben ausbilden lassen. „Es geht darum, lange Verzögerungen zu vermeiden und Gewissheit zu geben, ob es sich um einen Wolfsriss handelt oder nicht, damit weiterführende Maßnahmen im Bedarfsfall angeordnet werden können“, erklärt die Gmünder Bezirkshauptmann-Stellvertreterin Barbara Stöger. Bisher habe man häufig längere Zeit auf die Untersuchung und damit auf eine Entschädigung warten müssen, weil Wolfsbeauftragter Georg Rauer alle Verdachtsfälle alleine bearbeiteten musste. Er hat nun auch die Ausbildung durchgeführt und findet es gut, dass man Tierärzte damit betraut.

Meldungen

Das Land NÖ hat außerdem bereits im Vorjahr eine Infostelle eingerichtet, bei der man Sichtungen und Risse melden kann. Seit es sie gibt hat sich die Zahl der Meldung verdoppelt. Darunter sind aber auch viele Beobachtungen, bei denen es sich heraus gestellt hat, dass es sich um Hunde handelt. So wie in Gföhl, wo ein Foto zweier Tiere gegenüber der Polizeiinspektion aufgenommen. Für Wolfsbeauftragten Rauer handelt es sich dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit um zwei Schäferhunde.

Ein Verein wird  Trägerorganisation des von Umwelt- und Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger angekündigte Fachzentrum für die Großraubtiere Wolf, Luchs und Bär.  Nun muss der neu gewählte Obmann,  Klaus Pogadl, die Weichen für die zukünftige Arbeit stellen.
 Pogadl ist in der steirischen Landesregierung hauptsächlich für den Bereich Agrarrecht, aber auch Jagd und Fischerei zuständig. Sitzadresse des neuen Vereins wird die Höhere Lehr- und Forschungsanstalt Gumpenstein in  der Steiermark. Die seit Jahren bestehende länderübergreifende Koordinierungsstelle für  Braunbär, Luchs und Wolf (KOST) – sie war allerdings nie mit ausreichenden Ressourcen ausgestattet – wird im neuen Verein aufgehen.
Gründungsmitglieder des neuen Vereins  sind Vertreter der neun Landesregierungen. Seine Aufgabe wird es sein, einen bundesweiten, aber auf die jeweilige Situation in den betroffenen Regionen abgestimmten Managementplan zu erstellen. „Wir sind aber bestrebt, weitere Partner, die bisher in der KOST vertreten waren, in beratender Funktion herein zu holen“, betont Pogadl. Etwa Vertreter von Land- und Forstwirtschaft oder WWF. Ein Mitspracherecht wie bisher in der KOST bekommen sie aber nicht mehr.