Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Nach Amputation: Ein Burgenländer kämpft ums Pflegegeld

Der Südburgenländer Thomas Unger sieht sich mit existenziellen Sorgen konfrontiert – die Pensionsversicherung stellt die Zahlung ein. Jetzt folgt Klage beim Arbeits- und Sozialgericht.
Thomas Unger

Von Gernot Heigl

Eine Beinamputation im Krankenhaus Güssing rettete der ehemaligen Tennisgröße Thomas Unger (58) aus Stegersbach das Leben. Eine offene Wunde und eine drohende Blutvergiftung machten – der KURIER berichtete – diesen lebensverändernden Eingriff im Sommer 2025 unausweichlich.

Trotz mehrerer Therapien ist beim sportbegeisterten Südburgenländer zwischenzeitlich die Hoffnung geplatzt, mit einer Beinprothese wieder auf dem Platz stehen und Bälle spielen zu können. Massive Phantomschmerzen und nach wie vor bestehende Unsicherheiten in der Fortbewegung führten zu diesem persönlichen Rückschlag.

Existenzieller Streit

„Ich habe die Einschränkungen durch mein Handicap unterschätzt und muss akzeptieren, dass meine Tennisaktivitäten endgültig der Vergangenheit angehören“, zeigt sich Thomas Unger tief geknickt.

Zu dieser seelischen Belastung kommt nun auch noch ein existenzieller Streit mit der Pensionsversicherung.

„Die streichen mir einfach mein Pflegegeld von monatlich dreihundertachtzig Komma dreißig Euro. Ich bin jetzt in Pflegestufe zwei, ab Ende August bekomme ich keinen Cent mehr“, ist der Stegersbacher geschockt.

„Ich habe drei Personen, die mir mehrmals wöchentlich über die Runden helfen. Dafür gebe ich ihnen auch Gutscheine und Bares. Wenn ich aber kein Pflegegeld mehr bekomme, wie soll ich meine Helfer bezahlen? Die Pension reicht dafür nicht aus.“

Die Untersuchung

„Am 23. Mai war eine Frau Doktor von der Pensionsversicherung bei mir und hat eine Kontrolluntersuchung gemacht. Ich habe ihr erklärt, dass zwei Nachbarn und mein Bruder mir im Haushalt, beim Kochen, beim Einkaufen und bei der Körperpflege helfen. Darauf bin ich angewiesen“, schildert Thomas Unger seine verzweifelte Lage. „Ich lebe alleine in einem Haus, wie soll ich das alles ohne Hilfe schaffen?“

In dem Bescheid „BLA1 / 3519 011068-1 01“, datiert mit 6. Juli 2026, der Pensionsversicherungsanstalt Landesstelle Burgenland, ist zu lesen: „Das Pflegegeld wird mit Ablauf des Monates August 2026 entzogen, da die Voraussetzungen für den Anspruch auf Pflegegeld nicht mehr vorliegen.“

In der Begründung heißt es: „Das Pflegegeld gebührt, wenn aufgrund einer körperlichen, geistigen oder psychischen Behinderung oder einer Sinnesbehinderung der ständige Betreuungs- und Hilfsbedarf (Pflegebedarf) voraussichtlich mindestens sechs Monate andauern wird oder würde.“

60 oder 65 Stunden?

Weiters ist zu lesen: „Ein durch das Pflegegeld abzugeltender Pflegebedarf ist gegeben, wenn dieser durchschnittlich mehr als fünfundsechzig Stunden monatlich beträgt. Die Begutachtung hat ergeben, dass die vorangeführten Voraussetzungen für den Anspruch auf Pflegegeld nicht mehr gegeben sind. Das Pflegegeld war daher zu entziehen.“ Die Ärztin kam nämlich zum Ergebnis, dass die nötige Hilfe im Monat insgesamt nur sechzig Stunden beträgt.

„Eine Gemeinheit“

„Diese Einschätzung ist eine Gemeinheit, absolut lebensfremd und geht völlig an der Realität vorbei. Ich habe mit meinen Helfern hochgerechnet und wir sind auf weit über hundert Stunden gekommen, in denen sie mich unterstützen“, so Thomas Unger.

„Das werden die drei Personen auch als Zeugen aussagen, denn das lasse ich mir nicht gefallen. Ich werde innerhalb der dreimonatigen Frist eine Klage beim Arbeits- und Sozialgericht in Eisenstadt einreichen.“

Auf Nachfrage des KURIER in der Pensionsversicherungsanstalt Eisenstadt erklärte ein Vertreter der Leistungsabteilung: „Bei Bekämpfung unseres Bescheides entscheidet dann ein Richter, vermutlich nach Einholung eines Sachverständigengutachtens, ob Pflegegeld zusteht. Bis zu diesem Urteil wird die Zahlung unsererseits ausgesetzt. Fällt die Entscheidung zugunsten des Klägers aus, werden einbehaltene Gelder nachträglich ausbezahlt und das Pflegegeld wird dann wieder monatlich überwiesen.“

Kommentare