© REUTERS/Kai Pfaffenbach

Chronik Österreich
04/04/2020

Alltag in der Risikozone: Wie geht das mit dem Verhüterli?

Die Menschen verhüllen sich jetzt Nase und Mund. Und das ist gut so. Doch die Maskerade ist eine echte Herausforderung.

von Christoph Geiler

Möglicherweise tun sich ausgewiesene Faschingsnarren und bekennende Karnevalisten gerade etwas leichter. Sie sind es gewohnt, sich freiwillig alle möglichen Dinge und Undinge vor die Nase zu setzen.

Menschen, die dem närrischen Treiben abgeschworen haben und alle Jahre wieder nichts sehnlicher herbeiwünschen als den Aschermittwoch haben mit dem neuen Accessoire zwangsläufig ihre liebe Not.

Das liegt jetzt keineswegs daran, dass man nicht mit gutem Beispiel voran gehen möchte. In Zeiten wie diesen sollte man nicht ohne Verhüterli für Mund und Nase aus dem Haus gehen. Sicher ist sicher. Nur stellt man recht schnell fest, dass sich diese Maskerade schwieriger gestaltet als man im ersten Moment geglaubt hätte.

Das fängt schon beim Anziehen an. Die Frau hat in den vergangenen Tagen für die halbe Verwandtschaft Stoffmasken genäht, die zweifelsohne modisch sind, zugleich aber auch nicht leicht zu bändigen – im wahrsten Sinne des Wortes.

Diese Masken Made in Innsbruck werden nämlich nicht mit einem Gummi hinter dem Ohr fixiert, wie wir es zum Beispiel beim Bundeskanzler gesehen haben. Nein, es kommen vier Stoffbänder zum Einsatz, die idealerweise zu einem kräftigen Knoten vereint werden sollten.

Klingt dodeleinfach, aber das ist es ganz und gar nicht. Und so findet man sich bei der Anprobe vor dem Spiegel wieder, fluchend, hadernd und das Coronavirus verdammend, und hat alle Hände voll zu tun, um einen vorbildlichen Maskenmann abzugeben. Im Vergleich dazu ist das Krawattenbinden ein Kinderspiel.

Der echte Praxistest gestaltet sich dann noch einmal schwieriger. Weil man in dieser Aufmachung natürlich nicht Autofahren will, kommt die Maske erst einmal wieder runter. Erst auf dem Super-Markt-Parkplatz wird das Teil wieder mühsam richtig in Position gebracht. Ein Mann, der sich vor dem Aussteigen aus dem Auto hektisch das Gesicht vermummt -  eine Szene, wie aus einem billigen Bankräuberfilm.

Man muss ehrlicherweise sagen: Bequem ist etwas anderes. Wer dann dummerweise noch ein Brillenträger ist, der wird unweigerlich zum Blindgänger. Kaum ist die Maske vor dem Gesicht, laufen die Brillengläser an. Es bleibt also nichts anderes übrig, als an dem ungewohnten Fetzen Stoff und diesen vier Bändern herumzufingern und den viel zu engen Knoten zu lockern.

Das lässt einen zwar wieder klarer sehen, zugleich beschleicht einen das Gefühl, dass jeden Moment etwas herausrutschen könnte, was eigentlich verborgen bleiben sollte. Vielleicht wäre ein doppelseitiges Klebeband eine Lösung.

Das einzig Beruhigende: Es geht offenbar gerade den meisten gleich. Man sieht kaum jemanden, der sich beim Maskentragen keine Blöße gibt. Und jedem ist die Erleichterung anzumerken, wenn er vor dem Supermarkt die Maske endlich wieder fallen lassen darf.

Ob man sich jemals daran gewöhnen könnte? Schwer vorstellbar. Ob die Gesichts-Verkleidung Lust auf den kommenden Fasching macht? Ganz bestimmt nicht.

Wobei man inzwischen schon so weit wäre, sich freiwillig den nächsten Villacher Fasching im TV anzusehen, wenn diese Corona-Krise nur schnell und schadlos an uns vorbei geht.

Versprochen.

Sieht ja eh keiner, ob man unter der Maske gerade flunkert.

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