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Problem
07/29/2013

Akuter Mangel an Turnusärzten

Jungmediziner fühlen sich als moderne Arbeitssklaven und Systemerhalter.

von Matthias Hofer, Georg Gesellmann

Dass Turnusärzte fehlen, beweist alleine der Vorfall im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt, bei dem ein 28-jähriger Niederösterreicher ohne weitere Überprüfung mit einem gefälschten Promotionszeugnis eine Stelle als Turnusarzt bekam.

Doch wie so oft schauen die verantwortlichen Spitalserhalter den Tatsachen nicht ins Auge. So verkündete erst vergangenen Woche die burgenländische Krages, dass alle 75 Planstellen für Turnusärzte besetzt seien.

Brigitte Steininger, Vizepräsidentin der burgenländischen Ärztekammer, schlägt aber Alarm: „Wenn nicht bald etwas geschieht, dann schaut es schlecht aus um Turnusärzte im Burgenland.“ Alleine im Krankenhaus der Barmherzigen Brüder in Eisenstadt fehlen 13, im Oberpullendorfer Krankenhaus zwei bis drei Turnusärzte, sagt Steininger. Die Spitäler in Kittsee, Güssing und Oberwart seien derzeit voll. Wobei ab November in Oberwart acht fehlen werden.

Der Grazer Arzt Karlheinz Kornhäusl ist in Österreich Standesvertreter für rund 40.000 Turnusärzte und fühlt sich wie ein „Rufer in der Wüste“. Denn die Probleme rund um seine jungen Kollegen werden massiver. Immer öfter würden sich verzweifelte Kollegen bei ihm melden, „weil sie das Gefühl haben, als moderne Arbeitssklaven – ich würde dazu eher Systemerhalter sagen – gehalten zu werden“, sagt Kornhäusl.

Uninteressante Regionen

Bei einer Wochenarbeitszeit von 70 Stunden und mehr sei das nicht verwunderlich. Oder wenn die Hälfte des Arbeitstages vor dem Computer verbracht wird, „müssen wir diesem Trend massiv entgegensteuern“, sagt der Standesvertreter.

In Niederösterreich ist das Problem aufgrund der Größe des Bundeslandes noch brennender. Einige Regionen, etwa im Waldviertel, sind für die wenigen Turnusärzte, die es noch gibt, uninteressant. Stephan Halper von der Kurie der angestellten Ärzte in der nö. Ärztekammer, kennt die Ursachen für die Problematik. „Früher war der Allgemeinmedizin-Turnus so etwas wie eine Eintrittskarte für die Arbeit als Arzt in Spezialfächern. Heute gibt es durch die strenge Reglementierung so wenige Medizinstudenten, dass sich die Absolventen aussuchen können, wo sie arbeiten wollen.“ Die Allgemeinmedizin sei da – ähnlich wie etwa die Pathologie – eben nicht die erste Wahl. „Fächer wie Orthopädie, Augenheilkunde oder Dermatologie sind dagegen echte Renner.“

Über kurz oder lang werde das aber nicht nur im Spitalsbereich, sondern vor allem bei den Hausärzten zum Crash führen. „Da geht gerade eine grausliche Zeitschere auf. In Niederösterreich gehen in den nächsten zehn Jahren mehr als die Hälfte aller Landärzte in Pension. Und es gibt zu wenige Allgemeinmediziner, die die Ordinationen übernehmen könnten.“

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