Chronik | Österreich
26.02.2018

Aiderbichl-Schicksal entscheidet sich

Ermittlungen abgeschlossen, Anklage wird geprüft. Weiteres Verfahren wegen illegaler Waffen.

Beschlagnahmte Unterlagen nach Hausdurchsuchungen, abgehörte Telefonate, geöffnete Bankkonten, Einvernahmen von Beschuldigten und Zeugen: Knapp drei Jahre lang hat die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ( WKStA) im Umfeld des Tiergnadenhof-Betreibers Gut Aiderbichl ermittelt.

Kürzlich wurden die Erhebungen beendet. "Die Ermittlungen sind abgeschlossen. Wir prüfen die Ergebnisse", bestätigt WKStA-Sprecherin Ingrid Maschl-Clausen. Prüfen heißt in diesem Fall: Bald entscheidet sich, ob die Beweislage für eine Anklage reicht. In den kommenden Wochen bzw. Monaten wird die WKStA einen entsprechenden Vorhabensbericht an die Oberstaatsanwaltschaft Wien übermitteln.

6,6 Millionen Euro

Vier Beschuldigte stehen im Verdacht, Erbschaften und Schenkungen durch Täuschung zugunsten der Aiderbichl-Stiftung erschlichen und Spendengelder zweckwidrig verwendet zu haben. Die WKStA geht unverändert von einem Gesamtschaden in Höhe von 6,6 Millionen Euro aus.

Für das selbst ernannte "Tierparadies" mit seinem Stammsitz in Henndorf im Salzburger Flachgau steht viel auf dem Spiel. Aiderbichl-Geschäftsführer Dieter Ehrengruber, der neben dem erkrankten Gründer Michael Aufhauser im Fokus der WKStA-Erhebungen gestanden ist, hat am Freitag über den KURIER vom Abschluss der Ermittlungen erfahren. Er blickt demonstrativ gelassen auf die bevorstehende Entscheidung der Staatsanwaltschaft. Er sei "ganz zuversichtlich", dass das Verfahren letztlich eingestellt werde. Wie er immer betont habe, sei an den erhobenen Vorwürfen nichts dran, betont der Geschäftsführer. Negative Auswirkungen hätte man durch die schweren Anschuldigungen bisher keine gespürt – die "Aiderbichler" seien der Einrichtung treu geblieben.

Sollte das Verfahren tatsächlich eingestellt werden, muss Ehrengruber trotzdem davon ausgehen, weiterhin keine Ruhe von der Justiz zu haben. Die Staatsanwaltschaft Ried hat nämlich gegen ihn wegen eines Verstoßes gegen Paragraf 50 des Waffengesetzes (darin sind gerichtlich strafbare Handlungen im Zusammenhang mit Waffenbesitz geregelt) ein Ermittlungsverfahren geführt, bestätigt Behördensprecher Alois Ebner.

"Dieser Akt ist vorläufig unter Vorbehalt einer späteren Verfolgung eingestellt worden", sagt Ebner. Begründung: Würde das mutmaßliche Vergehen im Falle einer Betrugs- bzw. Untreue-Anklage der WKStA gleich mitverhandelt werden, geht die Staatsanwaltschaft von keiner höheren Bestrafung aus, sofern Ehrengruber verurteilt würde – der angebliche Verstoß gegen das Waffengesetz spiele daher für die Strafbemessung keine Rolle, heißt es von der Staatsanwaltschaft Ried. Das bedeutet umgekehrt: "Wenn die WKStA nicht anklagt, ist das Verfahren weiterzuführen", sagt Ebner. Selbiges gelte für den Fall, dass Ehrengruber in einem möglichen Prozess freigesprochen würde.

Waffen auf Gnadenhof

Konkret geht es um sieben Faustfeuerwaffen, einen Militärkarabiner und eine Maschinenpistole (bei den beiden letzteren Waffen würde es sich laut Staatsanwaltschaft Ried um verbotenes Kriegsmaterial handeln), die aus dem Nachlass des 2011 verstorbenen Tierfreunds Gerd Viebig stammen sollen. Viebig vermachte seinen Gnadenhof in Maria Schmolln Gut Aiderbichl (siehe auch Bericht unten). Der frühere Gutsverwalter soll die Waffen an Ehrengruber übergeben haben. Zumindest hatte das der Mann 2015 ausgesagt, nachdem die Ermittlungen in der Causa Aiderbichl ins Rollen gekommen waren. Das fragliche Material soll der damalige Gutsverwalter zwischen Dezember 2011 und Jänner 2012 Ehrengruber gegeben haben. Die Maschinenpistole soll der Geschäftsführer laut den Aussagen noch zu Lebzeiten Viebigs erhalten haben.

Dieter Ehrengruber bestreitet das vehement. "Ich habe diese Sachen nie gesehen", sagt er auf Anfrage. Lediglich eine Pistole habe er erhalten, die er aber einem Polizeibeamten zur Vernichtung ausgehändigt habe.

Ermittlungen und Prozess: Ein Gnadenhof im Visier der Justiz

Der Tiergnadenhof in Maria Schmolln (Bezirk Braunau) ging nach dem Tod des deutsch-kanadischen Tierfreundes Gerd Viebig im November 2011 samt seines Millionenvermögens in den Besitz von Gut Aiderbichl über. Seit 2014 interessiert sich nach einer Anzeige die Justiz für das "Gut Perneck".

Im November 2016 wurde ein Geschwisterpaar verurteilt. Den beiden wurde vorgeworfen, Geld aus dem Vermögen Viebigs veruntreut zu haben. Beide sind in dem Prozess verurteilt worden. Der frühere Gutsverwalter fasste wegen schweren Betrugs und Urkundenfälschung 24 Monate Haft aus, 16 Monate davon bedingt. Seine Schwester wurde wegen Veruntreuung zu sechs Monaten bedingter Haft verurteilt.

Damit nicht genug: Die Bundesländer Salzburg und Oberösterreich haben in Zusammenhang mit der Erbschaft eine Klage eingebracht – der KURIER berichtete. Den Gebietskörperschaften sei im Herbst 2016 bekannt geworden, dass das Testament des verstorbenen Millionärs zugunsten der Aiderbichl-Stiftung "verfälscht bzw. unterschoben" sei. Die Klage bezieht sich auf ein Testament aus dem Juni 2006, in dem Viebig die Länder je zur Hälfte als Erben eingesetzt habe. Das Testament wurde später widerrufen – angeblich unrechtmäßig. Der Zivilprozess ist bis zur Entscheidung im WKStA-Verfahren unterbrochen.