Auch die Orang-Utans in Schönbrunn suchen Abkühlung

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Chronik Österreich
06/25/2019

Affenhitze in Österreich: So heiß wie in Neu Delhi

Der Juni 2019 könnten in Österreich Rekorde bringen. Derzeit ist es hier sogar ähnlich heiß wie im Tschad oder in Mali.

von Johanna Kreid

Ventilator oder nicht? Fenster öffnen oder schließen? Fragen wie diese werden dank der aktuellen Hitzewelle auf sozialen Medien wie etwa Twitter - natürlich - hitzig diskutiert. Während Ventilator-Skeptiker Gefahr wittern (Aufgrund des Luftzuges drohe ein steifer Nacken!), plädieren Ventilator-Verfechter wie etwa der bekannte Wetterexperte Jörg Kachelmann unermüdlich, der Hitze mithilfe aufgestellter Ventilatoren zu trotzen.

Keine Glaubensfrage ist jedenfalls: Es ist heiß. Und es wird noch heißer. Der Juni 2019 könnte den bisher heißesten Juni aus dem Jahr 2003 überholen. Diese Woche könnte es neue Bundesland-Rekorde für Juni geben, meldete etwa die Austria Presse Agentur Dienstagvormittag.

Höchstwerte

Für Mittwoch werden 28 bis 38 Grad erwartet - besonders heiß soll es in Tirol werden. Selbst in 2.000 Metern Höhe kann es bis zu 25 Grad haben. Ähnlich am Donnerstag: Hier werden 28 bis 37 prognostiziert, besonders heiß soll es wieder in Westösterreich werden. In Südtirol könnten die Temperaturen gar 40 Grad erreichen. Freilich, da kann man schon ins Schwitzen kommen. In Innsbruck etwa werden die Fiaker dieser Tage erstmals hitzefrei bekommen. Und im Tiergarten Schönbrunn kühlen sich Orang-Utans mithilfe eines Schlauchs mit Löchern, aus dem Wasser in alle Richtungen spritzt.

Doch nicht nur in Österreich ist es brütend heiß. Eine kräftige Südströmung bringt Luft aus dem Nordwesten Afrikas nach Europa. In Spanien und Frankreich werden in den kommenden Tagen gar 40 Grad erwartet.

Weniger Tempo, mehr Stoff

Und auch in Deutschland ist das Erreichen der 40-Grad-Marke nicht ausgeschlossen. Hat der Mensch bei hohen Temperaturen naturgemäß einen Hang zur Entschleunigung, so wird man im süden von Sachsen-Anhalt gar dazu gezwungen: Das Tempolimit auf einigen Autobahnen auf 100 km/h gesetzt. Denn aufgrund der Hitze könnte die Betondecke aufbrechen und sich anheben. Auch die Domschweizer - die Ordnungshüter des Kölner Doms - beschäftigt die Hitze: In der Kathedrale herrschen verlockende 21 Grad. Aufgrund des warmen Wetters kämen zahlreiche Besucher bloß spärlich bekleidet - manche Männer kämen gar mit freiem Oberkörper. Die Lösung des Problems: an die Besucher werden Tücher ausgeteilt, mit der sie die nackte Haut bedecken können.

Wo auf der Welt herrschen derzeit ähnlich hohe Temperaturen wie in Mitteleuropa?

Mehr als 30 Grad

In Singapur wurden am Dienstag 32 Grad gemessen, in Seoul 33, in Bangkok 34 und in Peking 36. Durchaus vergleichbare Werte also. Ebenso in den USA und in der Karibik: In Washington D.C. hatte es 33 Grad, in Miami 35. Auch in Holguin auf Kuba wurden 35 Grad gemessen.

 

In Neu-Delhi hat es derzeit bis zu 36 Grad, in N'Djamena im Tschad 37 Grad, in Bamako in Mali 38 Grad und in Niamey im Niger 39 Grad.

Doch es geht noch heißer: Für Dubai werden derzeit 42 Grad prognostiziert, und für Bagdad gar 45 Grad.

Abkühlung gesucht?

Ob Ventilator oder geöffnete Fenster helfen, mag umstritten sein. Abkühlung bieten aber sicher noch einige heimische Seen: Die wärmsten Badegewässer Österreichs sind derzeit etwa Neusiedler See und Neue Donau mit 25 Grad sowie die Alte Donau mit 26 Grad. Wem das zu warm ist: Der Altausseer See hat erst 17 Grad, der Traunsee bietet noch kühle 18 Grad und der Lunzer See 21. Und wer sich danach wieder aufwärmen muss, kann dies beispielsweise bei einer hitzigen Twitter-Debatte über die besten Abkühl-Methoden tun.