Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Rettung unter Druck: Samariterbund kämpft mit Ärztemangel

Der Samariterbund pocht auf längere Zivildienstzeiten. Ohne junge Helfer wäre das Rettungssystem kaum finanzierbar. Das Heer ist mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert.
Selective focus of paramedic in uniform carrying stretcher with patient in ambulance ca outdoors

Die Zukunft der Gesundheitsversorgung in Niederösterreich wird derzeit intensiv diskutiert. Spitäler sollen geschlossen, neue errichtet werden. Zudem soll die Anzahl der Notarztstützpunkte reduziert werden. Eine wichtige Rolle spielen dabei auch die Rettungsorganisationen. 

Sie sind nicht nur für den Transport von Patientinnen und Patienten zuständig, sondern bilden auch künftige Retter aus und engagieren sich im sozialen Bereich. Die zweitgrößte Organisation im Bundesland ist der Arbeiter-Samariter-Bund Österreichs (ASBÖ), an dessen Spitze Präsident Hannes Sauer steht. In der Interview-Reihe „Sicher. Niederösterreich“ diskutierte er mit Militärkommandant Georg Härtinger und KURIER-Redakteur Johannes Weichhart über die zahlreichen Herausforderungen, die auf den ASBÖ zukommen.

Ärztemangel

Eine Entwicklung, die sowohl das Heer als auch den ASBÖ betrifft, ist der Ärztemangel. Um gegenzusteuern, setzt das Bundesheer auf mehrere Maßnahmen. So werden jährlich zehn Medizinstudierende finanziell unterstützt und langfristig an das Heer gebunden. Zudem werden Kooperationen mit Gesundheitseinrichtungen ausgebaut und Ärztinnen und Ärzte nach ihrer Pensionierung für eine weitere Tätigkeit gewonnen.

Auch der Samariterbund spürt die Auswirkungen des Ärztemangels. Besonders schwierig sei es, ausreichend Notärztinnen und Notärzte für den Rund-um-die-Uhr-Betrieb von Notarzteinsatzfahrzeugen zu finden, sagte Sauer. Die Zusammenarbeit mit der Landesgesundheitsagentur sei daher von großer Bedeutung.

Zivildienst wichtig

Für den Samariterbund spielt der Zivildienst eine entscheidende Rolle. Viele junge Menschen bleiben nach ihrem Dienst als Freiwillige oder hauptberufliche Mitarbeitende in der Organisation tätig.

Sauer sprach sich deshalb klar für eine Verlängerung des Zivildienstes aus. Das derzeit diskutierte Modell mit acht Monaten Grundwehrdienst beziehungsweise zwölf Monaten Zivildienst sei aus Sicht der Rettungsorganisationen sinnvoll. „Das eröffnet bessere Ausbildungs- und Einsatzmöglichkeiten und ist zugleich ein wichtiger Beitrag für die Gesellschaft“, sagte er.

46-226634306

Bei "Sicher.Niederösterreich" mit Militärkommandant Georg Härtinger war ASBÖ-Präsident Hannes Sauer zu Gast.

Wichtiges Ehrenamt

Rund 1.000 Freiwillige engagieren sich derzeit beim niederösterreichischen Samariterbund. Dem stehen etwa 200 hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gegenüber. Ohne dieses ehrenamtliche Engagement wäre das Rettungssystem in seiner heutigen Form kaum finanzierbar. „Unsere Freiwilligen sind die besten Botschafter“, betonte Sauer. Erfolgsgeschichten aus dem Einsatzalltag würden viele Menschen motivieren, sich selbst zu engagieren.

Auch rund um das Bundesheer spielt Freiwilligkeit eine bedeutende Rolle – etwa im Milizsystem sowie in zahlreichen Vereinen und Organisationen, die eng mit dem Heer zusammenarbeiten.

Internationale Kooperation

Wie wichtig die Zusammenarbeit von Rettungsorganisationen und Bundesheer ist, zeigte sich zuletzt beim Hochwasser 2024. Der Samariterbund verfügt über eigene Katastrophenhilfsdienste mit Feldbetten, Zelten, Heizgeräten und Feldküchen. Im Ernstfall arbeitet die Organisation eng mit Feuerwehr, Polizei, Bundesheer und weiteren Einsatzkräften zusammen.

„Im Katastrophenfall zählt vor allem rasche und unbürokratische Hilfe“, machte Sauer klar. Auch international kooperieren Samariterbund und Bundesheer. Gemeinsam sind sie Teil der österreichischen Katastrophenhilfeeinheit AFDRU („Austrian Disaster Relief Unit“), die unter anderem nach dem schweren Erdbeben in der Türkei im Jahr 2023 im Einsatz stand.

Kommentare