Kommenden Freitag übersiedelt der halbwüchsige Pandabär nach China

© KURIER/Jeff Mangione

Chronik | Österreich
10/31/2015

Abschied: Fu Bao nascht bald chinesischen Bambus

Der zweijährige Panda wird flügge. Letzte Chance, ihn in Wien zu besuchen.

Freitagvormittag im Tiergarten Schönbrunn. Fu Bao geht seiner zweit liebsten Beschäftigung – neben essen – nach: schlafen. Die Besucher verrenken sich vor seinem Gehege die Köpfe, um einen Blick auf den Publikumsliebling zu erhaschen, während dieser unbeeindruckt auf einer Plattform in den Bäumen liegt. Dabei sind die sonnigen Herbsttage die letzte Chance, Fu Bao in Schönbrunn zu besuchen.

Kommenden Freitag übersiedelt der halbwüchsige Pandabär nach China. In der Zucht- und Forschungsstation Du Jiangyan soll er mit Altersgenossen leben.

Flug-Training

Noch ist er aber das "Baby" von Pflegerin Renate Haider. "Normalerweise kommt er schon, wenn er mich hört, weil er meine Nähe sucht. Aber manchmal braucht er zusätzliche Motivation", sagt sie und hat zur Sicherheit eine Schüssel mit Karotten- und Süßkartoffel-Stücken dabei.

Es ist Zeit für sein Training: Am 6. November muss Fu Bao den neunstündigen Flug nach China in einer Transportbox verbringen. Um ihn daran zu gewöhnen, steht diese Box schon seit zwei Wochen in seiner Anlage. "Er soll positive Erlebnisse damit verbinden und von selbst hineingehen. Das funktioniert schon gut. Er turnt darauf herum und legt sich manchmal sogar zum Schlafen hinein", erzählt Haider.

Kaum in der Kiste, rollt sich der 55 Kilo schwere Panda in eine gemütliche Rückenlage und greift sich ein Büschel Bambusblätter. Jetzt bringt ihn nichts mehr aus der Ruhe. Auch nicht, dass die Pflegerin und ein Kollege die Kiste seitlich anheben, um das Rütteln im Flugzeug zu simulieren.

Trennung fällt schwer

Für den Flug dürfte er fit sein. Aber ist der Zweijährige auch bereit, von seiner Mama und seiner Pflegerin getrennt zu werden? "In seinem Alter werden Panda-Junge auch in der freien Natur von der Mutter weggeschickt", erklärt Haider. Sie wird ihn nach China begleiten, um ihm in den ersten Wochen die Eingewöhnung zu erleichtern. Die Trennung werde ihr schwer fallen, gibt sie zu. "Aber es überwiegt der Stolz, dass er gesund ist und bald sein eigenes Leben beginnt. In China können sie ihm einen größeren Lebensraum bieten."

Die 36-Jährige hat bereits seine Eltern Yang Yang und Long Hui sowie seine älteren Brüder betreut. Fu Long wurde 2007 geboren, Fu Hu 2010 und Fu Bao 2013. Im Tiergarten Schönbrunn pflanzen sich die Pandas auf natürlichem Wege fort.

Keine Selbstverständlichkeit, denn Panda-Weibchen sind nur einen bis zwei Tage im Jahr fruchtbar, erklärt Pflegerin Haider. In den meisten Zoos befruchtet man daher künstlich. "Wir hoffen, dass Yang Yang und Long Hui im Frühjahr wieder in Paarungslaune kommen und uns ein Baby schenken."