Der Verhaltensforscher Konrad Lorenz erhielt 1973 den Nobelpreis für Medizin

© APA/AFP/STF

Salzburg/Wien
04/26/2016

Aberkennung des Ehrendoktorats von Konrad Lorenz ist rechtens

Das Wissenschaftsministerium stellte sich hinter die Entscheidung der Universität Salzburg.

von Thomas Sendlhofer

Die Aberkennung des Ehrendoktorats von Konrad Lorenz seitens der Universität Salzburg wegen Verbreitung nationalsozialistischer Ideologie hatte Mitte Dezember nicht nur bei Wissenschaftlern für Diskussionen gesorgt. Der Wiener FPÖ-Nationalratsabgeordnete Andreas Karlsböck sah darin eine "dubiose" und "zutiefst ideologische Entscheidung" der Hochschule.

In einer Petition, die rund 150 Unterstützer fand, forderte Karlsböck das Wissenschaftsministerium zu mehr Transparenz bei Verleihung und Aberkennung von Ehrendoktoraten auf. "Man gewinnt in Österreich den Eindruck, dass sich hierzulande selbst ernannte Moralwächter immer öfter anmaßen, gleichsam als akademische Zwerge über Titanen ihres Fachs zu urteilen", beanstandete Karlsböck darin.

Das Ministerium steht mit Verweis auf die in der Verfassung verankerte Universitätsautonomie hinter der Entscheidung. Eine verliehene Ehrung könne laut der Satzung der Universität Salzburg widerrufen werden, "wenn sich nachträglich ergibt, dass die Ehrung erschlichen worden ist", begründet das Ministerium in einer Stellungnahme zur Petition.

FPÖ-Politiker Karlsböck, von Beruf Zahnarzt, hat laut eigenen Angaben Lorenz während seines Studiums persönlich kennengelernt. Er spricht von einem "Schnellschuss". Es sei eigenartig, dass bei der Überprüfung der Biografie von Lorenz durch das Nobelkomitee, das ihn 1973 auszeichnete, nichts aufgefallen sei. "Entweder hat die Universität bei der Verleihung des Ehrendoktorats schlampig gearbeitet oder bei der Aberkennung. Das ist eine Riesenblamage, nicht nur für die Universität, sondern für ganz Österreich", meinte Karlsböck.

Stefan Griller, der als Vorsitzender des Senats der Universität Salzburg die Entscheidung mitzuverantworten hat, wollte gegenüber dem KURIER die Reaktion des Wissenschaftsministeriums nicht näher kommentieren. "Die Anfrage war mir bekannt, die Antwort des Ministers noch nicht. Ich finde sie klar und nachvollziehbar und möchte nicht weiter dazu Stellung nehmen", meint Griller knapp.

Universität prüft NS-Zeit

Seit 2014 untersucht die Uni Salzburg als erste Hochschule in Österreich ihre Ehrungspraxis darauf, ob Gelehrte eine belastende nationalsozialistische Vergangenheit aufweisen. Im Fall Lorenz stieß das Gremium auf sein Aufnahmegesuch an die NSDAP 1938. Darin schrieb der Wissenschaftler etwa, er sei "als Deutschdenkender und Naturwissenschaftler selbstverständlich immer Nationalsozialist" gewesen.

"Seine Angaben im Aufnahmeantrag zur NSDAP mögen übertrieben sein. Im Kontext machen sie aber mindestens das Bemühen um eine wirksame Verbreitung nationalsozialistischen Gedankenguts deutlich", begründete die Uni den Entscheid des Senats. Zuvor war im Oktober 2014 dem früheren Leiter des Hauses der Natur, Eduard Paul Tratz, das Ehrendoktorat entzogen worden. Die Überprüfung soll heuer abgeschlossen werden.

Lorenz war vor allem für seine Forschung zum Verhalten der Graugänse bekannt geworden. 1983 verlieh ihm die Universität Salzburg das Ehrendoktorat. Zehn Jahre zuvor wurde er mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet. Er starb 1989 im Alter von 85 Jahren.

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