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Jubiläum
05/02/2016

40 Jahre Hells Angels: "Höllenengel" feiern Geburtstag

Hunderte Rocker werden erwartet. Der Club hat Nachwuchssorgen.

von Dominik Schreiber, Christian Willim

Im Jahre 1975 gründete eine Handvoll Motorradfans in Vorarlberg die "Hells Angels Austria". Der gefürchtete Rockerclub aus den USA eröffnete damit seine erst dritte Filiale (Charter) auf dem europäischen Festland. Jahrzehntelang lief der Ersatzteilhandel aller Höllenengel Europas über das Clubhaus in Wolfurt in Vorarlberg. Es wurde zu einer Institution.

Am kommenden Samstag feiern die Rocker, mit ein paar Monaten Verspätung, ihren 40. Geburtstag. Der Veranstalter, der sogenannte "Seargent at Arms" des Vorarlberger Charters, rechnet mit 1200 Bikern in der Messehalle Dornbirn. Darunter Hells Angels aus aller Welt.

Polizei ist vor Ort

"Wir werden präsent sein, weil es eine Großveranstaltung ist", erklärt Martin Konzett, der Bezirkspolizeikommandant von Dornbirn. Aus Erfahrung von früheren Veranstaltungen der Rocker sagt er: "Die Hells Angels wollen keine Probleme machen und halten sich an die Abmachungen. Sie haben selbst sehr viele Ordner, sind diszipliniert und gut organisiert." "Außerdem kommen Hinz und Kunz, vom Architekten bis zum Bäckerlehrling", sagt Peter Brugger von der Messehalle Dornbirn. Er erwartet keine Zwischenfälle.

Ab Donnerstag werden jedenfalls Dutzende Rocker auf Österreichs Straßen zu sehen sein. Von Graz aus veranstaltet der Supporterclub "Red Dogs" eine Fahrt durch mehrere Bundesländer zum Veranstaltungsort. Dabei werden zahlreiche Rocker teilnehmen, darunter natürlich viele Hells Angels.

Charter aufgelassen

Dem österreichischen Rockerclub geht es im 41. Jahr allerdings alles andere als gut. Die wilde 68er-Generation kommt langsam in die Jahre, von den Gründungsmitgliedern sind nur noch fünf am Leben. Das Durchschnittsalter der wilden Kerle mit den Tätowierungen und den Harley Davidsons dürfte bald die 60 überschreiten. Erstmals überhaupt musste (heuer) ein Charter dichtgemacht werden. Das Clubhaus der Höllenengel in Graz wurde aufgelassen, und die restlichen Mitglieder schlossen sich ihren Kärntner Kollegen an. Gegen das Älterwerden haben auch die wilden Kerle auf den Maschinen kein Rezept gefunden.

Wie gefährlich die "Rocker-Opas" tatsächlich sind, darüber gehen die Meinungen auseinander. Das Bundeskriminalamt in Wien sieht die Hells Angels als "kriminelle Vereinigung", befasst ist mit ihnen das Rockerreferat, das bei der "Organisierten Kriminalität" angesiedelt ist. Die Beamten werden auch das Treffen in Dornbirn beobachten, heißt es.

Die Rocker selbst betonen stets, dass sie "keine Chorknaben" seien, aber auch nicht so böse, wie sie dargestellt werden. Tatsächlich dürfte dies von Charter zu Charter sehr unterschiedlich sein. Jede dieser Filialen besteht aus rund 20 Mitgliedern, die kriminelle Energie ist von Ort zu Ort verschieden. Der Wiener und der Vorarlberger Ableger gelten als gemäßigt. Vor allem der Tiroler Club sorgte aber immer wieder für Aufsehen, bereits zwei Mal wurden ranghohe Mitglieder mit Kokain im Kilobereich erwischt. In der Szene und bei der Polizei heißt es, dass die Hells Angels vor allem in Westösterreich wichtige Player im Kokainhandel sind. Die Charter in OÖ und Kärnten sorgten bisher eher mit Gewaltdelikten für Aufsehen.

Die Geschäfte der Höllenengel sind vor allem Tätowierstudios und im Rotlicht, wo sie für die Sicherheit sorgen. Zuletzt tauchten sie etwa bei den blutigen Mixed-Martial-Arts-Kämpfen auf. Ein Insider formuliert es so: "Das alles ist eine Szene, in der es zumindest schwerfällt, nicht kriminell zu werden."

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