Chronik | Österreich
06.05.2015

Lokführer starb bei Frontalkollision zweier Züge

Der Unfall passierte auf eingleisiger Strecke, das Opfer dürfte Warte-Regel missachtet haben.

Er war so ein lieber Bub, immer freundlich, immer aktiv.“ Bürgermeister Michael Viertler kannte Michael R. nahezu von Kindesbeinen an: Die Großeltern betrieben die örtliche Bäckerei, die Vater engagiert sich in Vereinen. Und Michael war nebenbei Skilehrer und bei den Naturfreunden aktiv.

Im August wäre Michael R. 22 Jahre alt geworden. Doch der Steirer kam gestern bei einem Zugunglück ums Leben: In Übelbach (Bezirk Graz-Umgebung) stießen zwei Regionalzüge der steirischen Landesbahnen frontal ineinander. In einem von ihnen saß R. als Lokführer im Triebwagen.

An dieser Stelle fahren die Züge auf einer eingleisigen Strecke mit Kreuzungspunkt, beschreibt Landesbahn-Geschäftsführer Helmut Wittmann. Dort müssen die Lokführer anhalten und warten, bis die Fahrdienstleitung die Strecke frei gibt. Doch diesmal fuhr einer der beiden Männer offenbar zu früh los – nach ersten Erhebungen war es Michael R. selbst.

Der Unfall passierte rund 100 Meter nach der Haltestelle Waldstein. Dort hätte der Zug in Fahrtrichtung Peggau den entgegenkommenden Zug passieren lassen müssen. „Aber es sieht leider so aus, dass einer der Lokführer das missachtet hat“, bedauert Wittmann. Gewerkschaftsvertreter Roman Hebenstreit weist das als „pietätlose Vorverurteilung“ zurück. „Die Untersuchungsergebnisse sind abzuwarten.“

Bilder des Zugunglücks:

Bilder vom Zugunglück in der Steiermark

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STEIERMARK: FRONTALZUSAMMENSTOSS VON ZWEI PERSONEN

STEIERMARK: FRONTALZUSAMMENSTOSS VON ZWEI PERSONEN

STEIERMARK: FRONTALZUSAMMENSTOSS VON ZWEI PERSONEN

STEIERMARK: FRONTALZUSAMMENSTOSS VON ZWEI PERSONEN

STEIERMARK: FRONTALZUSAMMENSTOSS VON ZWEI PERSONEN

STEIERMARK: FRONTALZUSAMMENSTOSS VON ZWEI PERSONEN

STEIERMARK: FRONTALZUSAMMENSTOSS VON ZWEI PERSONEN

STEIERMARK: FRONTALZUSAMMENSTOSS VON ZWEI PERSONEN

AUSTRIA TRANSPORT ACCIDENT

STEIERMARK: FRONTALZUSAMMENSTOSS VON ZWEI PERSONEN

STEIERMARK: FRONTALZUSAMMENSTOSS VON ZWEI PERSONEN

R. wurde in seinem Triebwagen eingeklemmt und so schwer verletzt, dass er noch an der Unglücksstelle starb. Sein Kollege überlebte mit „mittelschweren“ Verletzungen, wie es heißt. Schwer verletzt wurde auch eine 60-jährige Frau, die Passagier in R.s Zug war. Unter den insgesamt acht Verletzten sind zwei Kinder.

Fahrlässige Tötung

Eine Kommission der Landesbahnen und das Landeskriminalamt Steiermark erforschen nun die Unglücksursache. Die Polizei ermittelt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung.

Laut Bahn-Chef Wittmann sei das Prozedere rund um die Freigabe der Strecke zunächst „planmäßig verlaufen“: Vorgeschrieben sei, dass sich die Lokführer telefonisch beim Fahrdienstleiter in Weiz melden. Er gibt die Strecke für einen Zug frei. Eine zusätzliche Sicherung durch Funk oder optische Signale gebe es nicht, schildert Wittmann. „Diese Art der Sicherung ist so genehmigt. Im Zweifelsfall heißt es für den Lokführer aber immer: warten.“

Auf der Strecke sei es bisher noch nie zu einem Zwischenfall gekommen: Ein bis zwei Mal täglich komme es dort zu solchen Warte-Situationen. Die Höchstgeschwindigkeit an dieser Stelle beträgt 50 Stundenkilometer.

Schwere Zugunglücke in Österreich

26. Februar 2002: Auf der Pottendorfer Linie in unmittelbarer Nähe des Bahnhofes Wampersdorf kracht ein Güterzug gegen eine Rollende Landstraße. Sechs Tote sind die Folge, 16 Personen werden verletzt. Ursache ist ein Bremsdefekt.

7. Oktober 2002: Ein Güterzug und eine Draisine kollidieren auf der Donauufer-Bahn im Ortsgebiet von Ebersdorf im Bezirk Melk. Vier Menschen kommen ums Leben.

2. Juli 2005: In Bramberg im Salzburger Oberpinzgau sterben zwei Menschen, als zwei Garnituren der Pinzgaubahn aufeinanderprallen.

29. Dezember 2006: Auf der Gleisanlage zwischen Lochau und Bregenz werden drei Menschen getötet. Ein Intercity erfasst eine junge Polizistin, einen Kriminalisten sowie einen Bestatter, als sie einen Unfall oder Selbstmord untersuchen.

12. Oktober 2007: Im Bahnhofsbereich Götzendorf auf der Ostbahn werden drei ÖBB-Bedienstete getötet. Ein Personenzug erfasst sie, während sie auf den Gleisen arbeiten.

27. März 2013: In Obereggendorf (Bezirk Wiener Neustadt) kommen zwei Menschen ums Leben, als ein Güter- in einen Bauzug prallt. Drei weitere Personen werden verletzt.