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Chronik Österreich
10/15/2021

20 Jahre Haft wegen Schüssen in Zell am See

Ein 32-jährigerr Niederländer wurde von den Geschworenen einstimmig wegen versuchten Mordes schuldig gesprochen.

Ein am Mittwoch in Salzburg gestarteter Prozess gegen einen Niederländer ist am Freitag mit einem Schuldspruch wegen versuchten Mordes zu Ende gegangen. Der 32-Jährige, der am 8. Juli 2020 in Zell am See im Streit acht Schüsse auf einen 40-jährigen Wiener abgefeuert haben soll, wurde zu 20 Jahren unbedingter Haft verurteilt. Zudem soll er in eine Anstalt für zurechnungsfähige, geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen werden. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die Geschworenen haben heute die Frage nach einem versuchten Mord einstimmig bejaht und damit im Sinne der Anklage entschieden. Das Gericht sprach dem Wiener, der trotz schwerster Verletzungen überlebt hatte, ein Teilschmerzensgeld in Höhe von 66.000 Euro zu. Opferanwalt Stefan Rieder hatte 70.000 Euro gefordert.

Sieben von acht Schüssen gestanden

Der Niederländer gestand zu Beginn der Verhandlung am Landesgericht Salzburg sieben Schüsse auf das Opfer ein. Er bekannte sich zu einer schweren Körperverletzung schuldig, nicht aber zum Vorwurf des versuchten Mordes.

Laut dem Beschuldigten kam es zu einem Streit mit dem Wiener, weil ihn dieser entgegen seiner Zusage doch nicht nach Bayern fahren wollte, um einen Freund abzuholen. Der 40-Jährige habe die Pistole, die er dem Wiener um 850 Euro zum Kauf angeboten habe, zuerst auf ihn gerichtet, sagte der Angeklagte. Er habe sie aber wegschlagen können und dann auf den Wiener geschossen - um ihn zu verletzen, nicht aber zu töten.

Der Gutachter hat eine für den Angeklagten ungünstige Gefährlichkeitsprognose erstellt und sein neuro-psychiatrisches Gutachten modifiziert. Demnach würden die Voraussetzungen für eine Einweisung in einer Anstalt für geistig abnorme, zurechnungsfähige Rechtsbrecher vorliegen, erklärte er am Donnerstag.

Streit im Auto

Der Vorfall ereignete sich in der Nacht auf den 8. Juli. Die beiden Männer waren gemeinsam im Auto des Wieners unterwegs, offenbar um einen Freund des Niederländers in Flintsbach am Inn in Bayern abzuholen. Nach etwa 200 Meter Fahrt sollen die beiden in Streit geraten sein. Laut Anklage stieg der Niederländer aus, ging bis zum Fahrbahnrand und feuerte von dort mindestens sieben Schüsse auf den Wiener ab, der weiterhin hinter dem Lenkrad saß. Nach wenigen Metern Fahrt fiel das Opfer aus dem Wagen und blieb am Gehsteig liegen.

Der Schütze ließ den Verletzten zurück und lud in seiner nur wenige 100 Meter entfernten Mietwohnung die Faustfeuerwaffe nach. Dann kam er zum Tatort zurück, hievte den 40-Jährigen in den Kofferraum des Wagens und gab mindestens einen weiteren Schuss auf ihn ab - was er aber im Prozess bestritt. Anschließend fuhr er rund acht Kilometer in einen Wald, stieß den Mann über eine steile Böschung hinunter und ließ ihn im unwegsamen Gelände liegen.

Der Angeklagte, ein Schlosser und Tätowierer, wurde in seiner Heimat bisher 18 mal verurteilt, davon fünfmal wegen Gewaltdelikte. Zuletzt wurde er im April 2020 aus der Haft entlassen. Ende Juni mietete er sich ein Appartement in Zell am See, um dort ein neues Leben zu beginnen und als Tätowierer zu arbeiten, wie er schilderte.

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