© JOHANN JARITZ

Chronik Österreich
08/01/2021

"12.000 Impftote": Wirbel um Fake-News-Pfarrbrief in Kärnten

Fake News in offiziellem Schreiben der Pfarre Preitenegg. Die Reaktion der Diözese: "Pfarrer ist nicht das Gesundheitsamt."

Der Pfarrbrief vom August 2021 erging vor wenigen Tagen an die Haushalte der 1.000-Seelen-Gemeinde Preitenegg in Kärnten.

Das Besondere an dieser Ausgabe: Statt Aktuellem aus dem Pfarrleben widmet sich der Pfarrbrief auf drei von vier Seiten dem Thema Impfen - zu lesen sind darin aber keine seriösen Abhandlungen, sondern eine ganze Reihe nachweislich falscher Behauptungen und wilder Verschwörungstheorien. 

Wie die Kleine Zeitung berichtet, werden angebliche Aussagen eines Tamsweger Arztes bei einem Vortrag auf einem Ärztekongress Mitte Juli zitiert. Der Sukkus: Impfen ist ein Verbrechen.

"Ein Aufschrei müsste durch unser Volk gehen, das ganze Land erschüttern. Es reicht! Schluss jetzt! Das Maß ist voll!", lautet der Titel des Artikels. "Jetzt machen sich die Impfverbrecher schon über unsere Kinder her, die weder selbst Corona-gefährdet sind, noch eine Gefahr für andere darstellen", heißt es laut Kleine Zeitung.

Fake News: 800.000 Impfgeschädigte 

In der Folge wird die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) zitiert, wonach angeblich "in nur sechs Monaten alleine 12.000 Impfgetötete und 800.000 Impfgeschädigte" verzeichnet worden seien. Eine klare Falschmeldung, die bereits mehrfach klargestellt wurde. In sozialen Medien kursieren seit Beginn der Impfaktion ähnlich lautende Berichte, die sich auf angebliche EMA-Daten beziehen.

Laut einer Sprecherin der EMA kann sich die Behörde entsprechende Meldungen nur durch eine Falschinterpretation öffentlich zugänglicher Daten erklären.

Auch von angeblichen embryonalen Missbildungen, Fehlgeburten, Unfruchtbarmachung ist die Rede.

Und weiter: Im Herbst gehe es "richtig los. Man wird Euch vielleicht sogar das Erziehungsrecht über Eure Kinder entziehen, wenn ihr Euch weigert", wird behauptet.

Das Schreiben endet mit der Aufforderung: "Väter! Mütter! Tut Euch zusammen und tretet der impfwütigen Verbrecherbande und ihren Kollaborateuren geschlossen entgegen!"

Für den Inhalt des Pfarrbriefs ist laut Kleine Zeitung der Preitenegger Pfarrvorsteher Eugeniusz Subocz verantwortlich.

Passagen "nur abgeschrieben"

Er verteidigt sich gegenüber der Zeitung, dass er die Passagen aus dem "Neuen Groschenblatt" abgeschrieben hätte. "Ich zweifle Sinn und Zweck der Corona-Impfung an. Die Leute sollen wissen, dass es viele Meinungen gibt", wird Subocz zitiert.

Bleibt die Frage, weshalb er diese Meinung in einem Pfarrbrief kundtat. "Im nächsten Pfarrbrief wird auch eine andere Meinung erscheinen."

Die Diözese Gurk-Klagenfurt reagierte bereits auf den Brief. Generalvikar Johann Sedlmaier: Der Pfarrer ist nicht das Gesundheitsamt, für Corona sind Behörden und Ämter zuständig."

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