© Burgenländisches Landesarchiv, Fotosammlung

Chronik Österreich
08/14/2021

100 Jahre: Das Burgenland feiert sich auf einer Burg

Seit 1921 ist das Burgenland Teil der Republik Österreich (im Bild die Landnahme durchs Bundesheer); auf Burg Schlaining wird am Wochenende eine Jubiläumsausstellung eröffnet

von Thomas Orovits

Sich in Geduld zu üben, wurde dem Burgenland in die Wiege gelegt. Als die Habsburgermonarchie 1918 in selbstständige Nationalstaaten zerfiel, dauerte es weitere drei Jahre, bis das Gebiet Deutsch-Westungarn unter der neuen Bezeichnung Burgenland endgültig Teil der Republik Österreich wurde.

Zwar wurde der mehrheitlich von Deutschsprachigen bewohnte Landstrich im September 1919 im Friedensvertrag von St. Germain Österreich zugesprochen, aber Ungarn leistete erst diplomatischen und am Ende durch Freischärler bewaffneten Widerstand gegen den Verlust.

Vor diesem Hintergrund nimmt sich die – coronabedingte – Verschiebung der Jubiläumsausstellung „Wir sind 100 – Burgenland schreibt Geschichte“ fast schon wie ein gewitzter Teil des Ausstellungskonzepts aus. Die vom Zeithistoriker Oliver Rathkolb von der Uni Wien kuratierte Schau sollte ursprünglich am 12. Juni starten, wird nun aber heute eröffnet (Programm siehe Info-Box unten).

Ab Sonntag ist die Ausstellung auf der um rund 15 Millionen Euro eigens generalsanierten Burg Schlaining allgemein zugänglich.

Auf drei Stockwerken des mittelalterlichen Bollwerks, das 1271 erstmals urkundlich erwähnt wurde, soll die Geschichte des Landes anschaulich werden. Auf 1.300 Quadratmetern Ausstellungsfläche hat Bühnen- und Kostümbildner Christof Cremer 130 Vitrinen und 30 Medienstationen platziert.

Licht und Schatten

In zwölf Themenbereichen wird das, was das Burgenland landläufig ausmacht, nachgezeichnet, von Auswanderung und Fluchtbewegungen bis zur kulturellen, sprachlichen und religiösen Vielfalt. Versprochen werden auch „packende Lebensgeschichten und Erinnerungen burgenländischer Persönlichkeiten“ sowie Wissenswertes zu landestypischer Kulinarik.

Damit es nicht zu weinselig wird, hat Ausstellungsmacher Rathkolb auch einen „kritischen Blick auf die Geschichte“ angekündigt – etwa auf die Zeit des Nationalsozialismus und die „negative Vor- und Nachgeschichte“ unter anderem mit dem Attentat auf vier Oberwarter Roma im Jahr 1995.

Die Ausstellungskosten beziffert Norbert Darabos (siehe Interview unten) mit 1,6 Millionen Euro. Der frühere SPÖ-Minister baut seit seinem Abschied von der Politik das „Haus der Geschichte“ auf. Rund zwei Drittel der Exponate für 100 Jahre Burgenland bleiben nach Ende der zumindest bis Ende 2022 geöffneten Jubiläumsausstellung auf der Burg und bilden den Kern für das „Haus der Geschichte“, das 2023 eröffnet und vom gelernten Historiker Darabos geleitet wird. Ihn freut besonders, dass das burgenländische Haus der Geschichte 500 Quadratmeter mehr Fläche zur Verfügung hat als das Wiener Haus der Geschichte der Republik.

Zwei zentrale Exponate werden im späteren burgenländischen Haus der Geschichte fehlen, sie wurden von den Leihgebern nur für die Jubiläumsschau zur Verfügung gestellt.

Das Original des Friedensvertrags von St. Germain, das Frankreich bereitstellt. Und eines jener Gewehre, mit denen rechte Frontkämpfer 1927 in Schattendorf auf linke Schutzbündler schossen; ein Kriegsinvalide und ein Schüler starben. Der Brand des Justizpalastes war eine Folge davon, nachdem ein Gericht drei angeklagte Frontkämpfer freigesprochen hatte – der Anfang vom Ende der 1. Republik.

Das Burgenland schrieb Geschichte.

Krieg und Frieden im Museum

Interview. Norbert Darabos soll ab 2023 das „Haus der Geschichte“ leiten und ist  für die aktuelle Jubiläumsausstellung zuständig. Der Friedensvertrag und ein Gewehr der Schüsse von Schattendorf sind Teil der Schau.

KURIER: Sanierung der Burg und Aufbau der Ausstellung. Hatten Sie Angst, dass sich nicht alles rechtzeitig ausgeht?
Norbert Darabos: Wichtig ist, dass alles fristgerecht fertig wurde. Aber man kann sagen, die Besucher gehen vorne in die Burg hinein und die Bauarbeiter hinten hinaus. Bei einem historischen Bauwerk tauchen immer unvorhersehbare Probleme auf, etwa Stützmauern, die nicht mehr stützen, oder versteckte Räume.

Sie sind selbst Historiker, was ist in der Ausstellung auch für Sie neu?
Wir können das Original des Friedensvertrags von St. Germain aus dem Jahr 1919 zeigen, das waren harte Verhandlungen mit den Franzosen. Wir haben vom heeresgeschichtlichen Museum aber auch eines der Gewehre bekommen, mit denen 1927 in Schattendorf von Rechten auf Linke geschossen wurde und zwei Menschen starben.

Worauf sind Sie besonders stolz?
Wir haben für unser „Haus der Geschichte“,  dessen Grundlage die Jubiläumsausstellung bildet, in der Burg 1.300 Quadratmeter zur Verfügung.  Das „Haus der Geschichte Österreich“ am Wiener Heldenplatz muss mit 800 auskommen.

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