Chronik
12.12.2017

Österreich zapft Gasspeicher an, Italien spricht von einem Notfall

Nach der Gasexplosion in NÖ hat die E-Control einen Krisenstab eingerichtet. Die Versorgung in Österreich ist nicht gefährdet, der Transit nach Italien allerdings unterbrochen.

17Der Gasimport aus Russland wurde nach der Explosion in NÖ gestoppt. Der KURIER beantwortet die wichtigsten Fragen zu den Auswirkungen auf die Gaskunden:Die E-Control hat gestern eine Krisenstab eingerichtet. Warum?Mitarbeiter der E-Control und des Wirtschaftsministeriums beraten, ob Notfallsmaßnahmen getroffen werden müssen. Aus aktueller Sicht sei die Versorgung in Österreich nicht gefährdet, betont Bernhard Painz, Gasexperte der E-Control. Bei langfristiger Unterbrechung des Gasimports kann das Ministerium eine Not-Verordnung erlassen. Dann könnten Großabnehmer von der Gasversorgung abgeschnitten werden.

Was passiert üblicherweise in der Gasstation Baumgarten?

In Baumgarten kommt Gas aus den rund 7000 Kilometern entfernten sibirischen Erdgasfeldern durch sieben dicke Pipelines, die durch Russland, die Ukraine und die Slowakei gehen, in Österreich an. Dort wird es in Verdampfern entwässert, in Kompressoren verdichtet und auf weiterführende Pipelines verteilt: zum einen für die Inlandsversorgung, zum anderen über die Trans Austria Gasleitung (TAG) nach Italien und die West Austria Gasleitung (WAG) in den Westen. Insgesamt werden 40 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr in Baumgarten umgeschlagen. In Österreich bleiben bis zu fünf Milliarden Kubikmeter (50 bis 60 Prozent des Inlandsverbrauchs). Neben Russen-Gas hat Österreich Gas aus Norwegen und Inlandsgas.

Woher kommt jetzt das Gas?

Der Import aus Russland wurde zwar gestoppt, Gas aus Norwegen, das über Deutschland kommt, gibt es weiterhin. Zudem werden die Speicher angezapft. Die rund acht Milliarden Kubikmeter fassenden Lager sind laut Bernhard Painz, Gasexperte der E-Control, zu 78 Prozent gefüllt. Das sichert die Versorgung für Monate.

Sind alle Speicher ans österreichische Gasnetz angebunden?

Die Speicher der OMV, der RAG (siehe Grafik) und die "Seven Fields" der deutschen Uniper in Oberösterreich liefern direkt in das heimische Pipelinenetz. Jene der Gazprom, ebenfalls in Oberösterreich, liefern ins bayerische Gasnetz und stehen daher nicht unmittelbar für die österreichische Versorgung zur Verfügung.

Was bedeutet die Gasimport-Sperre für Österreichs Nachbarländer?

Problematisch ist die Lage in Italien. Die Gaslieferungen von Österreich über die TAG stellen eine wichtige Versorgungsquelle dar. Die Regierung hat daher den "Notfall" ausgerufen: Das heißt, dass die Versorger mehr Gas als normalerweise erlaubt aus den Speichern nehmen dürfen. Zudem hat Italien Gas aus Libyen und Algerien sowie Flüssiggas, das an drei Häfen übernommen werden kann. Slowenien wird kurzfristig mit Gas über eine Leitung durch Ungarn versorgt. Deutschland ist nicht betroffen, es bezieht seit längerem kein Gas mehr über die WAG.

Wird Erdgas jetzt teurer?

Die Großhandelpreise sind unmittelbar nach dem Unfall stark gestiegen. An der Handelsstation Baumgarten wurde die Megawattstunde Gas um ein Viertel teurer. Für Endkunden sollte das aber nichts bedeuten. Ihre Preise würden nur dann steigen, wenn der Gaspreis im Großhandel längerfristig auf dem höheren Niveau bleibt. Davon gehen Experten aktuell nicht aus.