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Chronik Oberösterreich
05/24/2020

Zwei bis drei Kilo mehr: Der Corona-Speck muss weg

Expertinnen erklären, warum viele Menschen Gewicht zugelegt haben und wie die Quarantäne-Kilos wieder verschwinden

von Claudia Stelzel-Pröll

Es ist ein weltweites Phänomen: Corona macht nicht nur krank, sondern auch dick. Sei es in Wuhan, in Deutschland, in Österreich oder auch in Frankreich - erste Befragungen zeigen, dass die vergangenen Wochen vielen Menschen zwischen zwei und drei Kilos mehr an Gewicht beschert haben.

Schon zu Beginn der Corona-Krise im März warnte die renommierte Neurowissenschafterin und Buchautorin Manuela Macedonia im KURIER-Interview: „Die Menschen haben in der aktuellen Situation Angst. Sie bekommen depressive Verstimmungen oder sogar echte Depressionen. Und wir denken, dass wir uns etwas Gutes tun, wenn wir uns mit Essen belohnen. Dabei ist das Gegenteil der Fall.“

Energie für die Krise

Die Gründe für diesen Trend nach oben liegen auf der Hand: „In Stressphasen schüttet der Körper mehr Cortisol aus und wir haben einen größeren Schokoladenhunger“, erklärt die Ernährungsmedizinerin Martina Edinger. In ihrer Praxis VitalArt (www.vitalart.at) in Linz berät die 54-Jährige Menschen, die Gewicht verlieren oder sich allgemein über gesunde Ernährung informieren möchten. „Es ist ja prinzipiell so, dass der Körper in Krisenzeiten Energie speichern will. Die mangelnde Bewegung und bei vielen auch das Homeoffice, in dem der Weg zum Kühlschrank ein kurzer ist, hat für viele dazu geführt, dass sie zugenommen haben.“

Während der Krisen hätten viele ihrer Patienten pausiert, „die meisten hatten in den vergangenen Wochen nicht die Nerven, abzunehmen. Aber jetzt geht es für die meisten weiter“, sagt Edinger.

Wenn es ums Abnehmen geht, müssen laut Edinger zwei Komponenten zusammenspielen: Ernährung und Bewegung. Bei Ersterem gelte es, wieder zu den drei Mahlzeiten pro Tag zu finden und das, was man esse, ins Gleichgewicht zu bringen: „Jetzt ist zum Beispiel Spargelsaison. Mit diesem Gemüse auf dem Speiseplan kann man nur gewinnen“, versichert Ernährungsfachfrau Edinger. Und wie sieht es mit der Bewegung aus? „Das sollte man wirklich wieder forcieren. Gerade jetzt ist die richtige Zeit für Outdoor-Sport, sei es Radfahren, Joggen oder bald auch Schwimmen.“

In Balance

Das bestätigt auch Wissenschafterin Macedonia: „Gerade jetzt wäre Bewegung so wichtig, um Cortisol, das Stresshormon, abzubauen. Sonst entwickelt sich die aktuelle Situation gesundheitlich in eine negative Richtung“, warnt die Expertin. Vor allem der Rücken sei vom vielen Sitzen stark beansprucht worden, auf den gelte es jetzt besonders aufzupassen. „Ich würde den Menschen täglich eine Runde Walken oder Spazierengehen ans Herz legen: Durch das Sonnenlicht wird die Ausschüttung des Hormons Serotonin begünstigt. Dieser Stoff hält uns in Balance und ist quasi ein natürliches Antidepressivum.“

Martina Edinger rät Familien, jetzt wieder vermehrt auf die Ernährung ihrer Kinder zu achten: „Es mag sein, dass sich in den vergangenen Wochen mehr Süßes und Ungesundes eingeschlichen hat, als gut ist. Da wäre jetzt ebenfalls ein guter Zeitpunkt, wieder in die richtige Richtung zu finden.“

Ab 29. Mai geht es wieder ab ins Freibad

Derzeit wird noch an allen Ecken und Enden gewerkelt und geputzt in den heimischen Freibädern. Die letzten Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Kommenden Freitag, 29. Mai, ist Saisonstart – Corona-bedingt wird einiges anders sein als gewohnt. Auch im Freibad heißt es Abstand halten, in den Innenbereichen muss ein Mund-Nasenschutz getragen werden und es gelten strenge Hygienerichtlinien.
Ob und in welcher Form es Beschränkungen bei der Anzahl der Badegäste geben wird, ist noch ungewiss: Dazu fehle derzeit die Erfahrung, die Maßnahmen würden mit zunehmendem Wissen angepasst werden, so Gesundheitsminister Rudolf Anschober.