WM-Starter Julian Schöberl und Matthias Taborsky

© Klaus Ranger

Chronik Oberösterreich
08/25/2019

Zum Geburtstag ein Platz im großen Finale

Der Linzer Julian Schöberl peilt bei der WM in Ottensheim eine Medaille und die Qualifikation für die Olympiade im nächsten Jahr an.

Die Regattastrecke in Ottensheim ist zehn Tage lang Zentrum des internationalen Rudersports. Rund 2000 Athleten aus 80 Nationen werden in 521 Booten an den Start gehen – noch nie war eine Weltmeisterschaft derart üppig besetzt. Schließlich geht es nicht nur um Gold, Silber und Bronze, sondern auch um die Qualifikation für die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in Tokio.

Für Oberösterreich stellt die Veranstaltung eine besondere Premiere dar: Zum ersten Mal wird hier die Weltmeisterschaft in einer olympischen Sportart ausgetragen. Dementsprechend groß war die Freude, als gegen starke Konkurrenz der Zuschlag an die 4.800-Einwohner-Gemeinde an der Donau ging. Abgesehen vom rein Sportlichen erhofft sich die Region auch starke wirtschaftliche Impulse und nachhaltige Werbeeffekte. An die 400 Medienvertreter und 26 TV-Stationen werden aus und auch über Ottensheim samt Umland berichten.

Freitag und Samstag waren für Training und Eröffnungsfeier reserviert. Richtig los geht es heute mit den ersten Vorläufen. In den folgenden Tagen steigert sich das dichte, exakt durchgetaktete Programm bis hin zu den Finali am Wochenende. Fast im Minutentakt wird den Zuschauern Sport auf höchstem Niveau geboten.

Heimvorteil

Das Gastgeberland schickt 28 Athleten in zwölf Bootsklassen an den Start. Auch OÖ ist mit einem starken Team vertreten. Einen Heimvorteil rechnen sich auf ihrer Hausstrecke Anton Sigl und Markus Lemp im Leichtgewichts-Zweier-Ohne aus. Der Mühlviertler Rainer Kepplinger reist mit soeben bei der U23-WM gewonnener Bronzemedaille und somit mit viel Selbstvertrauen an. Nicht zuletzt möchte sich der Doppelvierer – Julian Brabec, Thomas Lehner, Jörg und Armin Auerbach – bei der Heim-WM bestens präsentieren.

Große Hoffnungen darf sich Lokalmatador Julian Schöberl mit seinem Wiener Partner Matthias Taborsky im Leichtgewichts-Doppelzweier machen. Die beiden werden sogar als Medaillenanwärter gehandelt. Die letzten Trainingstage absolvierte das Duo abseits des Vor-WM-Trubels in Frankreich nahe Lyon. Der Linzer Schöberl – „Urfahraner“, wie er betont – ist Heeressportler und studiert, sofern es Training und Wettkämpfe zulassen, in Wien Statistik. Im Rudern sieht er Parallelen zur Mathematik, da wie dort gehe es um Geradlinigkeit: „Die Zeit lügt dich nicht an.“ Und, so Schöberl: „Rudern ist sehr physikalisch. Es geht um Hebelwirkungen, Wasser- und Luftwiderstand.“ Zum Rudern stieß Schöberl, als Talentesucher des WSV Ottensheim an die Schule kamen. „Ich bin mit Freunden dorthin gegangen, und schon war ich im Teufelskreis.“ Mittlerweile bestreitet er seine zehnte Saison. „Du bist immer in der Natur und an schönen Orten im Wasser“, fasziniert ihn dieser Sport.

Bescheiden

„Ich glaube nicht, dass ich ein so großes Talent war“, stapelt Schöberl tief: „Ich überrasche mich immer wieder selbst. Stark gemacht hat mich, dass ich immer brav trainiert habe.“ Den größten Anteil an seiner Entwicklung hätten seine Trainer, gibt er sich bescheiden: „Sie sind stets hinter mir gestanden und haben mich motiviert.“ Momentan, in der Wettkampfzeit, wird zwischen zehn und 20 Stunden pro Woche trainiert, während der Aufbauphase etwa doppelt so viel. 1.500 bis 2.000 Kilometer legt Schöberl pro Jahr im Boot zurück. Anders: Er rudert in etwa einmal von Linz nach Belgrad und retour. Dazu kommt Ausdauertraining auf dem Rennrad und in der Langlaufloipe.

Harmonie

Die Ruderer werden in zwei Gewichtsklassen – Schwer und Leicht – eingeteilt. Schöberl und Taborsky zählen zu den Leichten, dürfen im Durchschnitt maximal 70 Kilo wiegen. Der Reiz ihrer Bootsklasse liegt für Schöberl darin, „dass alles perfekt zusammenpassen muss“. Um unzählige Stunden mitsammen auszukommen, müssten die Persönlichkeiten perfekt harmonieren: „Man muss mit dem Partner in eine absolute Symbiose gehen. Ich muss verstehen, was er vorhat und umgekehrt. Es ist stille Kommunikation.“

Der Doppelzweier in der Leichtgewichtsklasse ist olympisch und deshalb heiß umkämpft. 33 Teams werden am Start sein und um die sechs Finalplätze rittern. Heute stehen die Vorläufe auf dem Programm, am Mittwoch ist Viertel- und tags darauf Semifinale. Da hat Schöberl Geburtstag, wird 23. Darüber, was am Ende herauskommen könnte, wagt er keine Prognose: „Wir starten zum ersten Mal in einem so großen Feld und können schwer einschätzen, wo wir sind. Es gehört immer auch viel Glück dazu.“ Bereits Platz 7 – der Sieg im B-Finale – würde das Olympia-Ticket bedeuten. Doch das Ziel ist das große Finale am Samstag. Der Weg dorthin soll keinesfalls nur eine Qual sein, sagt Schöberl: „Wir wollen die ganze Stimmung aufsaugen und die WM genießen.“

Gerhard Marschall