Chronik | Oberösterreich
25.02.2018

Zerrissen zwischen Reichtum und Langeweile

Posse.Der Zerrissene von Johann Nepomuk Nestroy ist ab Samstag, 3. März, um 19.30 Uhr im Linzer Schauspielhaus zu sehen.

"Die Hauptfigur, Herr von Lips, hat alles, was es an materiellem Reichtum gibt. Aber er hat keine Freude mehr am Leben, ihm fehlt etwas. Es geht ihm nicht gut", sagt Dramaturg Franz Huber dem KURIER. Die Langeweile werde zum Problem. An inneren Werten habe er auch nichts zu bieten.

Eine Parallele von der damaligen Zeit um 1844 zu heute sieht Huber in der "Möglichkeit, dass einem bei allem materiellen Reichtum der Sinn des Lebens abhanden kommt". Über die Hauptfigur komme man ins Nachdenken, ob materieller Wohlstand wirklich glücklich macht. "Der Zerrissene heißt bei Nestroy der Kapitalist. Es ist ein reicher Mensch, aber er ist innerlich zerrissen." Er sei die Basis des gleichnamigen Theaterstücks. Er sei manisch und depressiv. "Modern ausgedrückt, er hat eine Wohlstandsdepression." Nestroy schaffe es fantastisch, das Thema in Szenen und in die Sprache umzusetzen. In dieser Posse, einem Lustspiel mit glücklichem Ende, gehe es auch darum, dass Herr von Lips über Umwege die richtige Frau findet. "Es ist nicht die Frau, die er sich am Anfang wünscht, sondern seine Patentochter Kathi, eine Magd."

Ende mit Hochzeit

Zuvor fehle ihm aber der Lebensmut. Er habe nichts zu verlieren. Er wisse nicht, was er noch tun könne. "Da gibt ihm ein Freund, den man auch als falschen Freund bezeichnen kann, den Tipp, dass er doch heiraten soll. Das hat er noch nicht probiert und entscheidet sich dafür, die nächste Frau zu heiraten, die zur Türe herein kommt. Die wird es aber nicht", sagt Huber. Es gebe eine Reihe an Verwicklungen, ein Ringen zweier Männer um eine Frau. "Die beiden stürzen in einen Fluss und denken voneinander, der andere sei tot. Beide fühlen sich verantwortlich und finden Unterschlupf bei demselben Bauer am Grund von Herrn von Lips." Dann gebe es noch sein Testament zugunsten seiner drei Freunde. "Als er mitbekommt, wie sie über ihn als Toten reden, ändert er es zugunsten seiner Patentochter, die er heiratet." Eine Posse müsse gut enden, zum Beispiel mit einer Hochzeit.

Der Zerrissene spiele in einer Glitzerwelt, die den Reichtum zeige, und in einer Arbeitswelt am Bauernhof. "Bei der Inszenierung von Markus Völlenklee werden auch drei Lieder eingesetzt." Ausgegangen sei man von der Originalmusik von Adolf Müller. Nebojsa Krulanović habe sie für die Instrumente Akkordeon, Tuba und Trompete umgeschrieben. Aktuelle Zusatzstrophen habe David Wagner beigesteuert.