„Woanders wären sie stolz auf uns“

Seit sechs Jahren wartet Felbermayr darauf, am Welser Flughafen bauen zu dürfen.

Vor sechs Jahren, 2006, haben wir gesagt, dass wir spätestens in fünf Jahren am neuen Standort sein wollen. Heute haben wir noch gar nichts. Wir möchten so schnell wie möglich anfangen.“

Allen Schwierigkeiten zum Trotz kämpfen Horst Felbermayr senior (67) und junior (41)weiter für den neuen Standort ihrer Firma am Welser Flughafen. Auf rund 25 Hektar soll die neue Zentrale für 2500 Mitarbeiter entstehen. 25 Millionen Euro wollen sie investieren, eine Menge Geld in Zeiten schwächelnder Konjunktur. Doch der Landesumweltanwalt und der Naturschutzbund protestieren, weil sie eine Beeinträchtigung für die in der Nähe nistenden Brachvögel und eine Verletzung der EU-Vogelschutzrichtlinie sehen.

Kompromiss

Dabei haben die Felbermayrs aus Rücksicht auf die Natur ihr Projekt bereits um die Hälfte von ursprünglich 43 Hektar auf 25 Hektar reduziert. Außerdem, so ihr Argument, würden 100 Hektar an zusammenhängendem naturnahen Gebiet für die Brachvögel erhalten bleiben. Das Projekt wird deshalb auch von der Stadt Wels unterstützt (von SPÖ, ÖVP und FPÖ). Sie will die drohende Abwanderung des Paradeunternehmens verhindern.

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© Bild: Alfred Reiter
Als Alternativstandort ist die niederösterreichische Seite des Ennshafens im Gespräch. Denn für ein Logistikunternehmen, wie es Felbermayr ist, sind die Anschlüsse an Straße, Schiff und Schiene ganz wichtig. Eine neue Straße würde das Flughafengelände mit der daneben liegenden Welser Osttangente und damit mit der Autobahn verbinden. Der Bahnanschluss wäre auch ganz in der Nähe. Die Friedhofstraße durch die Eisenbahnersiedlung würde vom Lkw-Verkehr befreit. Eine Lärm- und Abgasentlastung für die dort wohnenden Menschen. „Nicht nur Vögel, auch Menschen sind schützenswert“, so Felbermayr.

Klimaschutz

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© Bild: Markus Lackner
Es erscheint paradox, dass Naturschützer gegen Felbermayr mobil machen. Denn mithilfe seiner Spezialkräne werden europaweit Windkraftanlagen aufgestellt. Auf Spezial-Lkw, Schiffen und Schienen transportiert die Firma modernste Technik für Kraftwerke, um Klimaschutz zu ermöglichen. Und sie baut auch selbst Wasserkraftwerke. Felbermayr sieht sich selbst als Naturschützer: „Immer, wenn Bäume weichen mussten, habe ich diese ausgraben lassen und woanders wieder angepflanzt.“

Wels weiß, was es an Felbermayr hat. Die jetzige, acht Hektar knappe Zentrale in der Machstraße im Industrieviertel platzt aus allen Nähten. Die umliegenden Firmen wie TGW, Kellner & Kunz, ÖAG oder VAM mit ihren 5000 Beschäftigten (davon 100 Lehrlinge) warten nur darauf, dass Felbermayr wegzieht und sie das Gelände für ihre Betriebserweiterungen erwerben können.

Manchmal versteht Horst Felbermayr, der sein Unternehmen in mehr als 50 Jahren von null auf 2500 Beschäftige aufgebaut hat, die Welt nicht mehr. „Woanders wären sie stolz, wenn 25 Millionen investiert werden. Wir hingegen müssen uns fast schämen, dass wir hier arbeiten.“

( Kurier ) Erstellt am 29.12.2012