Chronik | Oberösterreich
25.02.2018

"Wir müssen kämpfen"

SPÖ-Politiker und Journalisten auf winterlicher Fahrt im Nationalpark.

"Die haben in Reichraming mehr Brücken als Linz", bemerkte ein ranghoher SPÖ-Funktionär , als der Autobus von der Eisenstraße B 115 in die 1700-Einwohner-Gemeinde rechts einbog. Der Reichramingbach mündet dort in die Enns, tatsächlich führen insgesamt fünf Brücken über die beiden Gewässer. Die Landeshauptstadt Linz hat vergleichsweise zwei Brücken.

Am Parkplatz bei der Einfahrt zum Nationalpark Kalkalpen parkte der Bus ein. Da warteten zwei Pferdefuhrwerke, am Kutschbock sassen Vizebürgermeister Michael Schwarzlmüller und seine 31-jährige Tochter Brigitte. Der zehnköpfige Journalistentross aus Linz stieg auf, begleitet von Landesrätin Birgit Gerstorfer, Landesgeschäftsführerin Bettina Stadlbauer, Klubobmann Christian Makor und den Pressereferenten Michael Petermair, Andreas Ortner und Silvia Reisinger. Die Landes-SPÖ hatte die Medienvertreter zu einer winterlichen Fahrt in den Nationalpark geladen.

In Reichraming selbst hatte es so wenig Schnee wie in Linz, doch der Waldweg ging leicht bergauf, sodass sich die beiden Pferdefuhrwerke, jeweils gezogen von zwei Haflingern, schließlich auf einer Schneefahrbahn dahinbewegten. Zweieinhalb Kilometer lang war die Strecke entlang des Ramingerbaches, bis der Troß an einem ehemaligen Holzknechthaus ankam. Im Inneren hatte Brigitte Schwarzlmüller den Ofen mit angeschlossenem Kachelofen angeheizt, so dass die wohlige Wärme die kalten Glieder auf Termperatur brachte. Sie hatte bereits Glühmost vorgekocht, der allen Freude bereitete. Es war auch Bürgermeister Reinhold Haslinger da, der wegen einer Grippe das Auto gegenüber dem Fuhrwerk vorgezogen hatte.

Haslinger, der beruflich früher bei der Cobra für Spezialaufgaben wie Verhandlung mit Entführern im Einsatz war, gab einen Überblick über seine Kommune, die das Eingangstor für das Reichraminger Hintergebirge bildet. Der Name kommt aus dem Slawischen und bedeutet "reicher Fischbach". Der Waldanteil beträgt 83 Porzent. Die Gemeinde kämpft mit Abwanderung, viele finden in der nahen Industriestadt Steyr ihren Arbeitsplatz. Er erzählte , wie schwierig es gewesen sei, die Stelle des Gemeindearztes nachzubesetzen. Erst nachdem der Ärztin die Führung einer Hausapotheke zugestanden worden war, die bis zu 50 Prozent der Einnahmen ausmacht, habe die Ärztin zugesagt. Als wichtig sieht Haslinger auch das Vereinsleben an, das die Gemeinde unterstützt. Und dass die Gasthäuser erhalten bleiben. "Wir müssen kämpfen, kämpfen müssen wir." In den früheren Jahrhunderten fanden hunderte Holzknechte im Hintergebirge Arbeit, außerdem bestand von 1569 bis 1828 die Messingfabrik Reichraming..

Nach der Rede Haslingers gab es kalte Jause mit Wurst, Stelze und Geselchtem. Und als Nachspeise warme Holzknechtnocken aus Mehl und Topfen, in der Pfanne herausgebraten und gezuckert. Als es dunkel wurde, ging es zurück.