Chronik | Oberösterreich
05.12.2011

"Wir machen uns zur Lachnummer"

Vernichtende Kritik an der Umstellung der Mühlkreisbahn auf eine Straßenbahn übt Ex-ÖBB-Manager Struger.

Diese Woche hat die Landesregierung eine Vorstudie in Auftrag gegeben, die den Umbau der Mühlkreisbahn in eine Straßenbahnlinie vorsieht. Sie soll bis zum Frühjahr 2012 vorliegen. Bis 2015/'16 soll das Teilstück von Linz bis Kleinzell fertiggestellt sein, 2017/'18 der zweite Teil bis zur Endstation Rohrbach. Veranschlagte Kosten: 165 Millionen Euro. Vorteile: Verkürzung der Fahrzeit von eineinhalb Stunden auf eine Stunde, Einbindung in das Linzer Straßenbahnnetz, die Züge verkehren im 15- und 30-Minuten-Takt.

Schmalspur

Der ehemalige ÖBB-Regionaldirektor Robert Struger hält das von Verkehrs-Landesrat Hermann Kepplinger (SPÖ) vorgelegte und von der ÖVP mitgetragene Konzept für völlig verfehlt. "Mit der Umstellung von einer europäischen Normalspurbahn auf eine Schmalspurbahn machen wir uns vor aller Welt lächerlich." Die 900-mm-Spurweite der Linzer Straßenbahn gebe es nur ganz, ganz selten. Während in der Linzer Straßenbahn nur zwei Personen in einer Reihe sitzen könnten, seien dies bei der Normalspur von 1435 mm vier Personen. "Die Linzer Straßenbahn fasst 70 Sitzplätze, die Mühlkreisbahn 120." Struger plädiert für eine Sanierung der Mühlkreisbahn, die 80 bis 100 Millionen Euro kosten würde. Die Fahrzeit würde ebenfalls auf 60 Minuten verkürzt. Weitere Vorteile: Die touristisch wichtige Böhmerwaldregion wäre eingebunden, da der Zug bis Aigen statt bis Rohrbach fährt, es gäbe Toiletten im Zug, Fahrräder und Frachtgüter könnten transportiert werden.
Während Kepplinger für sich in Anspruch nimmt, dass man sich mit einer Straßenbahn im Mühlviertel den Bau einer City-S-Bahn durch Linz um 285 Millionen Euro ersparen würde, meint Struger, dass die Straßenbahnlösung deshalb kommen soll, weil Linz eine zweite Straßenbahnachse benötigt, deren Kosten er auf 450 bis 500 Millionen schätzt.

Zusammengerechnet kommt er auf Investitionskosten von rund 700 Millionen Euro, denen er seine Lösung von 350 Millionen gegenüberstellt. Das wäre rund die Hälfte. Hier wären die Sanierung der Mühlkreisbahn, der Bau der City-S-Bahn in Linz und die notwendige Sanierung der Eisenbahnbrücke inkludiert. Die City-S-Bahn würde über diese Brücke führen.
Die große Verkehrsdrehscheibe sollte der Linzer Hauptbahnhof sein, von dem sechs Bahnlinien sternförmig weggängen.