Agrarlandesrat Maximilian Hiegelsberger

© Land OÖ/Hermann Wakolbinger

Chronik Oberösterreich
10/04/2020

„Werden bei der Gülle den Co2-Ausstoß verringern“

Tierhaltung bedeutet Co2-Produktion. Durch Maßnahmen bei der Gülle soll der Ausstoß reduziert werden, kündigt Agrarlandesrat Maximilian Hiegelsberger an.

von Josef Ertl

Maximilian Hiegelsberger ist seit zehn Jahren in der Landesregierung für Landwirtschaft, Ernährung und Gemeinden zuständig. Der 55-Jährige ist Schweinebauer in Meggenhofen (Bezirk Grieskirchen) und Landesobmann des ÖVP-Bauernbundes. Von 2002 bis 2010 war er Bürgermeister.

KURIER: Fleisch müsste wegen der enormen Schäden an Klima und Gesundheit ein Vielfaches mehr kosten, titelte das Wochenmagazin Profil. Wie viel müsste es tatsächlich kosten?

Maximilian Hiegelsberger: Fleisch müsste deutlich mehr kosten. Die Edelteile wie Schnitzel, Lungenbraten und Karree müssten um 25 Prozent teurer sein. Damit könnte man das Verarbeitungsfleisch stützen. Wir essen nur 60 Prozent des Schweines, 40 Prozent müssen exportiert werden. Vor allem nach Asien. In Summe würde das eine Erhöhung des Schlachtpreises von zehn Prozent bedeuten.

Die Landwirtschaft ist seit Jahrzehnten in der Defensive, die Produktivität steigt, die Bauern werden weniger. Heute wird ihr unter anderem vorgeworfen, dass sie einen wesentlichen Beitrag zum -Ausstoß leistet und das Klima schädigt. Vor allem durch die Massentierhaltungen und die Zerstörung der Amazonas-Regenwälder für den monokulturellen Anbau von Soja.

Man nimmt beim -Ausstoß die Landwirtschaft sofort in den Mund, obwohl ihr Anteil nur zehn Prozent beträgt. Wir bekennen uns zur Verringerung. Aber was ist mit den anderen 90 Prozent?

Bei der Lagerung und Ausbringung der Gülle sehen wir Verbesserungsmöglichkeiten. Die Gülle soll bodennah ausgespritzt werden, die Güllegruben sollen abgedeckt werden. Aber solange es Tierhaltung gibt, wird es Gase geben. Es gibt aber auch Zielkonflikte. Wenn man aber etwas ernten will, muss man den Boden düngen. Die Nichtregierungsorganisationen (NGO) lehnen sowohl die Anwendung von Handelsdünger als auch von Gülle ab. Das bedeutet aber, dass es keine Ernten mehr gibt, das ist das Ende.

Der zweite Kritikpunkt betrifft die Tierhaltung. Die Tierschützer werfen der Landwirtschaft industrielle Produktion vor. Früher waren die Schweine in größeren Ställen, deren Böden mit Stroh bedeckt waren, im Sommer waren sie in der Saudraht im Freien. Heute sind die Schweine in Fertigställen, wo eine Kabine der anderen folgt und wo sie in drei Monaten für die Schlachtung hochgefüttert werden.

Wenn ich eine Sau wäre und könnte mir aussuchen, ob ich jetzt eine Sau bin oder eine vor 40 Jahren, dann wäre ich lieber eine Sau von heute. Denn die Haltung ist heute deutlich besser als vor 40 Jahren. Es ist richtig, dass die Muttersauen draußen waren, aber die Mastsauen waren es nie.

Schweine haben ganz andere Anforderungen als wir Menschen. Sie können sich zum Beispiel nur über die Bauchdecke kühlen, deshalb legen sie sich lieber auf den Vollspaltenboden als auf den Strohboden. Früher waren die Ställe trotz des Strohs permanent feucht, es gab keine entsprechenden Abflüsse. Heute sind die Ställe wegen der Vollspaltenböden trocken. Das Tier bleibt gesund. Dort, wo es Bewegung gibt, dort, wo die Lichtverhältnisse passen und die neuen Lüftungstechniken installiert sind, ist es vom Klima her eine deutliche Verbesserung gegenüber den Verhältnissen vor 40 Jahren.

Jeder Tierhalter ist permanent bemüht, dass es seinen Tieren gut geht. Denn sonst hat er keine Leistung und keine Qualität. Die Darstellung als Tierschänder stimmt in keiner Art und Weise.

Wir haben in Österreich sehr hohe gesetzliche Standards, die eingehalten werden. Wir haben Länder in Europa, die hier erst nachziehen müssen.

Es gibt nun den Trend zur Regionalität und zu regionaler Produktion, aber er kann den Gesamttrend der Verringerung der Bauern nur verzögern, aber nicht wirklich aufhalten.

Hier spielen viele Faktoren eine Rolle. Österreich hat im europäischen Vergleich den geringsten Strukturwandel. Wir haben zum Beispiel in Tirol und Salzburg im Vergleich zu den begünstigten Regionen wenige Betriebsaufgaben. Da spielt der Tourismus eine große Rolle. In Oberösterreich sind im Bezirk Freistadt die wenigsten Betriebsaufgaben. Die Frage ist, ob es in der Nähe einen Arbeitsmarkt gibt.

Die zweite Frage ist, ob ein hoher Investitionsaufwand notwendig ist. Am Ende entscheidet die Leidenschaft zum Produkt. Jene, die die Leidenschaft zur Landwirtschaft haben, verdienen hier auch ihr Geld. Das ist so wie in allen anderen Berufen. Junge, aufgeschlossene Betriebsleiter entwickeln Enormes in ihren Betrieben.

Sie sind nun zehn Jahre Landesrat. Was war Ihre wichtigste Entscheidung?

Ich war von Beginn an der Meinung, dass wir ein landwirtschaftliches Produktionsland bleiben müssen. Im Vergleich der Bundesländer wächst Oberösterreich kontinuierlich. Wir produzieren 40 Prozent des Schweinefleisches der ganzen Republik. Wir sind bei 32 Prozent der Milch, beim Rindfleisch bei 30 Prozent. Hinter dieser Leistung steht die Professionalität der Betriebe. Wir sind das Bundesland, in dem am meisten investiert wird. Das bedeutet, dass die Bauern an ihre Zukunft glauben.

Als Sie vor zehn Jahren als Landesrat angetreten sind, haben Sie mit dem Vorschlag Aufsehen erregt, den Kirchenbeitrag in einen Kulturbeitrag umzuwandeln, nach dem italienischen Modell.

Wahrscheinlich hätte ich den Vorschlag nicht gemacht, wenn man nicht im Vorfeld genau ausdiskutiert, wie er funktionieren könnte. Meine Motivation war, eine Finanzierung für die vielen wertvollen historischen Gebäude zu sichern, die zu einem Großteil im kirchlichen Besitz sind. Die ersten und aggressivsten Reaktionen kamen aus Wien. Vor einem Jahr hat der thüringische Ministerpräsident Bodo Ramelow von den Linken eine derartige Lösung für Deutschland gefordert.

Ich würde den Vorschlag heute so nicht mehr machen. Die staatlichen Institutionen sollen gemeinsam mit der Kirche überlegen, wie man die Gebäude erhält. Denn sie haben einen großen Wert für uns als Tourismusland.

In einem Jahr werden Landtag und Gemeinderäte neu gewählt. Aufgrund Ihrer 55 Jahre könnten Sie noch zehn Jahre als Landesrat bleiben. Wird das der Fall sein?

Das kann man in der Politik nicht sagen. 2002 habe ich nicht gewusst, dass ich Bürgermeister werde, 2010 nicht, dass ich Landesrat werde. Ich würde die Ressorts noch gerne weiterführen, denn es ist eine tolle Kombination, dass Agrar und Gemeinden wegen der starken Überschneidungen beieinander sind.

Obmann des Bauernbundes bleiben Sie auch?

Vor zwei Wochen wurde ich für weitere sechs Jahre gewählt.

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