Sandra Reiter mit Mutter Hilde, Mord Auberg (Bezirk Rohrbach) 26 Jahre, Arbeiterin

© Privat

Mord im Mühlviertel
03/02/2013

Wende: Anwalt will Suizid beweisen

Der Strafverteidiger mischt die Karten neu. Profiler Thomas Müller steht auf seiner Wunschliste als Gutachter.

von Raffaela Lindorfer

Eine überraschende Wende gibt es im Mordfall der 27-jährigen Sandra R. aus Auberg im Mühlviertel: Der Tatverdächtige Josef G. hat den Anwalt gewechselt. Dieser möchte – salopp formuliert – aus dem anfänglich angenommenen Suizid, der sich als Mord entpuppte, wieder einen Suizid machen.

„So eindeutig ist der Fall nicht“, behauptet Andreas Mauhart, Experte für Strafsachen aus Linz und sagt weiter: „Das ist mit Sicherheit der spannendste Fall meiner Laufbahn.“ Er bringt den Kriminalpsychologen Thomas Müller als Wunschkandidaten für ein Gutachten ins Spiel. „Ich gehe damit ein hohes Risiko ein. Müller ist der beste seines Fachs. Wenn er sagt, es war Mord, dann wäre das ein gewaltiger Schuss ins eigene Knie.“

Die Entscheidung, ob Müller seine Expertise abgeben soll, liegt nun bei der Staatsanwaltschaft Linz. Sprecher Philip Christl bestätigt, dass der Beweisantrag derzeit geprüft wird und betont: „Es besteht weiterhin dringender Tatverdacht.“

Mauhart scheint sich seiner Sache sehr sicher zu sein: „An diesem Gutachten geht kein Weg vorbei. Es gibt nichts – weder Zeugen, noch ein Motiv – das objektiv auf einen Mord hinweist.“ Die DNA-Spur des 29-Jährigen aus der Wohnung des Opfers „beweist gar nichts. Außer, dass mein Mandant einmal bei ihr war. Das hat er auch nie bestritten“. Sandra R. und Josef G. waren vor vier Jahren ein Paar. Laut engen Freunden sei der Arbeiter aus Walding bei Linz damals „sehr besitzergreifend“ gewesen und habe die Trennung nie überwunden.

Kurz vor ihrem Tod hat er wieder Kontakt mit ihr aufgenommen – das gehe aus diversen SMS hervor, bestätigt Mauhart. „Sie hatten eine freundschaftliche Beziehung, die auch von ihrer Seite gepflegt worden ist.“

Stranguliert

Am 22. Oktober 2012 wurde die junge Frau an ihrer Badezimmertüre erhängt gefunden. Die Ermittler vor Ort legten den Fall als Suizid ad acta. Auf eine Intervention der Familie hin nahm die Kriminalpolizei die Ermittlungen auf und stellte später fest, dass die 27-Jährige mit einem Elektrokabel stranguliert worden war. Josef G. ist der einzige Tatverdächtige und sitzt seit November in U-Haft. Er bestreitet den Mord vehement. Der Abschlussbericht des Landeskriminalamts belastete ihn zuletzt aber schwer.

Über den Umschwenk der Verteidigung sagt die Mutter der Toten, Hilde R.: „So etwas kann man nicht ernst nehmen. Sandra hätte sich niemals umgebracht – das weiß jeder, der sie kannte.“

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