Weidegänse decken lediglich 25 Prozent des heimischen Bedarfs

© LWK OÖ

Chronik Oberösterreich
10/28/2020

Weidegänse contra Käfighaltung

20.000 der 50.000 österreichischen Weidegänse grasen in Oberösterreich. Sie werden rund um das Martinsfest am 11. November verspeist.

von Josef Ertl

„Das Weideganserl schmeckt ganz besonders.“ Karl Grabmair, Vizepräsident der Landwirtschaftskammer, ist von der Qualität der heimischen Gänse überzeugt. „Wir sind auch hier das Bundesland Nummer eins.“ Von den österreichweit 50.000 Gänsen grasen 20.000 auf Oberösterreichs Weiden, die von 170 bis 180 Bauern gehalten und regional vermarket werden. Sie werden rund um das Martinsfest am 11. November verspeist.

Genügend Gras

„Aufgrund des nassen Jahres haben die Gänse heuer genügend Gras vorgefunden“, so Grabmair. Jeder Gans stehen zwischen 80 bis 150 Quadratmetern Weidefläche zur Verfügung, sie wächst vom Frühjahr bis zum Herbst in einem Zeitraum von 18 bis 24 Wochen heran. Neben dem Gras fressen die Gänse pro Tag zwischen acht und zwölf Dekagramm hofeigenes Getreide. Dazu kommt noch etwas Mais, damit das Fleisch eine schöne Farbe bekommt. 35 bis 40 Prozent der oberösterreichischen Gänse entstammen einer Bio-Haltung.

75 Prozent wird importiert

Mit den 50.000 Gänsen deckt Österreich lediglich ein Viertel des Eigenbedarfs ab. Der Großteil wird aus Polen und Ungarn importiert, „die Tiere werden in Käfigen gehalten“ und in zwölf Wochen hochgezüchtet, wie der österreichische Tierschutzverein kritisiert. „Körperenge Käfige, kein Auslauf und kein Wasserzugang.“ Dort werden die Gänse zur Produktion der Delikatesse Gänsestopfleber auch noch gestopft und bis zu sechs Mal täglich zwangsgefüttert, was in Österreich verboten ist.

12 bis 15 Euro pro Kilo

Die industrielle Massenproduktion schlägt sich im Preis nieder. Während osteuropäische Gänse im Großhandel fünf Euro pro Kilogramm kosten, kommt eine österreichische Weidegans auf 12 bis 15 Euro. Grabmair und Heidi Hebesberger, Obfrau des Vereins der österreichischen Weidegans, appellieren an die Konsumenten und die Wirte, auf regionale Qualität zu setzen und den höheren Preis in Kauf zu nehmen, denn „ein Gansl isst man nur einmal im Jahr und da soll man zu etwas Gutem greifen“.

Daunen zu Decken

Während vor 20, 30 Jahren die bei der Schlachtung anfallenden Daunen in den Abfall wanderten, werden sie inzwischen zu Decken weiterverarbeitet. Der Ganslhof von Hedi Hebesberger in Nussbach (Bez. Kirchdorf) hat spezielle Maschinen zur Trocknung entwickelt, die Daunen werden zu hochwertigen Schlafdecken verarbeitet. Eine Ganzjahresdecke kostet bei ihr 324 Euro, sie kann mit 60 Grad gewaschen werden und ist Allergiker-geeignet. „Unsere Daunendecken sind so gut, dass bereits zwei Delegationen aus Japan da waren, um sich das anzusehen“, erzählt Hebesberger. „Dort zählt hohe Daunenqualität als Luxusgut.“

Durch Stromschlag betäubt

Wie werden die Tiere um ihr Leben gebracht? Sie werden durch Stromschlag betäubt, die Hauptschlagader wird angestochen, die Gänse entbluten, schließlich werden sie gerupft.

Und wie wird das Ganserl zubereitet? Die Homepage www.weidegans.at bietet verschiedene Rezepte. Der Interessierte findet dort auch die Adressen von regionalen Vermarktern. Eine Neuheit gibt es in den Billa-Märkten, die das Flinke Gansl anbieten. Die halbe Gans ist vorgebraten und im Vakuumschutzbeutel lange haltbar. Die Gänseteile müssen nur mehr heiß gemacht werden.

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