Ernährungsmedizinerin Silke Kranz

© Pia Paulinec

Kolumne
07/28/2020

Was Germ alles zu bieten hat

In Oberösterreich gibt es auch Krapfen mit Rosinen. Von Silke Kranz.

Aufgrund meiner Tätigkeit als Ernährungsmedizinerin und nicht zuletzt wegen meiner wöchentlichen Kolumnen hat es sich in meinem Familien- und Freundeskreis inzwischen zu einem Running Gag entwickelt, dass alles, was mir vorgesetzt wird, nach gesundheitlichen Gesichtspunkten analysiert wird. So auch in der vergangenen Woche, als ich bei Freunden eingeladen war und das Gespräch auf Kuchen kam. Nicht nur, dass ich als gebürtige Steirerin Oberösterreichisch für Fortgeschrittene gelernt habe: ich weiß jetzt, dass „Wera Wacka“ (Wochentagsgericht, An.d..Red.) – verzeihen Sie meine sicherlich falsche Schreibweise – ein Gericht ist, das nur unter der Woche serviert wird. Ich habe auch erfahren, dass der Germschober eine dieser typischen Süßspeisen ist. Echt nur mit vielen Rosinen. So wie es anscheinend in Oberösterreich auch Krapfen mit Rosinen gibt.

Einzellige Pilze

Jedenfalls habe ich mich danach hingesetzt und recherchiert, was Germ nun tatsächlich zu bieten hat. Germ oder hochdeutsch Hefe gehört zu den einzelligen Pilzen. Die Untergruppe der Backhefen nennt sich korrekt botanisch Cerevisiae. Das bedeutet übersetzt nichts anderes als „des Bieres“ und weist auf die ursprüngliche Verwendung hin, nämlich das Brauen von obergärigem Bier. Dafür wird Hefe nach wie vor benutzt, ebenso wie für die Herstellung von Cider und Essig. Das Gären wird aber natürlich auch für die Zubereitung von Teig benutzt. Durch die Beimengung von Zucker, Milch und den Sauerstoff aus der Atemluft kann sich der Vorteig, das sogenannte Dampfl, bei warmen Temperaturen rasch verdoppeln.

Wirkt gegen Durchfall

So viel zur Chemie, was hat nun der Germ aus ernährungsmedizinischer Sicht zu bieten? Es gibt tatsächlich therapeutische Verwendungen, vor allem zur Behandlung von Durchfallerkrankungen. Verantwortlich dafür ist die probiotische Wirkung, die die Darmflora wieder ins Gleichgewicht bringt. Aber auch zur Stärkung des Immunsystem und gegen Haarausfall wird Hefe eingesetzt. Dies liegt am hohen Anteil an Zink, Vitamin B1, B2, B5 und B6 sowie Folsäure und Biotin, auch als Vitamin B7 oder Vitamin H bezeichnet. Sie alle sind in sämtlichen Haarwuchspräparaten enthalten.

Kuchen am Feichta

Falls Sie sich nun entschlossen haben, vermehrt auf Kuchen statt auf Nahrungsergänzungsmittel zu setzen: Durch die harte Zellwand kann unser Körper nicht auf diese Stoffe zugreifen, deshalb sollten Sie auf Produkte mit sogenannten aufgeschlossenen Hefen zurückgreifen, hier liegen diese quasi schon auf dem Präsentier- oder Kuchenteller. Und dann können Sie guten Gewissens an Wera und Feichta (Feiertag) zugreifen!

Silke Kranz ist Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell

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