Waffenkauf leicht gemacht

Ein Ausweis reicht, um ein Gewehr zu kaufen. Den Schützen wird aber bald genauer auf den Abzugfinger geschaut.

Wie einfach ist es in Österreich, an eine Waffe zu kommen? Sehr einfach, wie sich beim KURIER-Lokalaugenschein in einem Linzer Fachgeschäft herausstellt. Man braucht nur einen Personalausweis und eine weiße Weste, sprich: Es darf kein Waffenverbot vorliegen. Sobald die zuständige Behörde Grünes Licht gibt, kann man die Silberbüchse der Wahl unbehelligt mit nach Hause nehmen. Schon ab 350 Euro (ein Sonderangebot) bekommt man ein Kleinkalibergewehr. Einer jungen Frau rät der Verkäufer für die Selbstverteidigung zu Hause aber zu einer Schrotflinte für knapp 1100 Euro: „Durch die Streuung braucht man nicht so genau zielen.“


Anders als bei Faustfeuerwaffen ist für Langwaffen wie Flinten und Büchsen keine waffenrechtliche Bewilligung nötig. Wie viele solcher Schießeisen in den heimischen Schränken lehnen, kann nicht beziffert werden. Es dürfte sich um eine Zahl im sechsstelligen Bereich handeln, meint Thomas Georg Ortner, Sprecher des oö. Waffenfachhandels.
Dieser einfachen Weichenstellung des Gesetzgebers wird es zugeschoben, dass vor zwei Wochen ein Mann aus Steyr mit einer legal erworbenen, umgebauten Kalaschnikow vom Balkon schoss. „Solche Einzelfälle schüren Angst und bringen verantwortungsbewusste Schützen in Verruf“, ärgert sich Martin Buchegger, Besitzer der Waffenstube beim Landesschützenverein in Linz. „Kriegsspielenden Wahnsinnigen, die sich im Tarngewand bis auf die Zähne bewaffnet auf den Weltuntergang vorbereiten“, zeige er nur die Tür.

Schießen beruhigt

Ein Gewehr zu kaufen ist einfach, es zu benutzen nicht: „Backe an den Schaft pressen, Arm eng anwinkeln, anvisieren, schießen“, erklärt Profi Martin Buchegger.
© Bild: PICTURENEWS.AT PETSCHENIG

Hochkonzentriert, mit einem zugedrückten Auge und einer drei Kilo schweren Sportflinte an der Schulter zuckt das Vereinsmitglied Eva B. kaum noch mit der Wimper, wenn es knallt. Schießen beruhigt, meint die 31-jährige Studentin, die am Schießstand eine Männerdomäne aufmischt: „Wenn man aufgeregt oder gestresst ist, trifft man ja nicht. Das hat mich schon als Mädchen fasziniert.“ Aus Angst, als Waffennärrin beschimpft zu werden, spricht sie nur ungern über ihr ungewöhnliches Hobby.


Das zentrale Waffenregister, das den privaten Besitz aller Schusswaffen künftig strenger regeln soll, sehen sie und Buchegger nur als weiteren Schritt zur Stigmatisierung von privaten Waffenbesitzern. Das Argument Sicherheit gelte nicht: „Davon profitieren in Wahrheit nur Verbrecher. Ihre illegalen Waffen werden ja nicht registriert. Ehrlichen Schützen schaut man aber genau auf die Finger.“

Zentrales Waffenregister

Mit einer Gesetzesnovelle soll ab 2014 eine Lücke im Bereich des privaten Waffenbesitzes gestopft werden. Neben Faustfeuerwaffen, die bereits einer strengen Überprüfung unterliegen, sollen auch Langwaffen in einem bundesweiten Register erfasst werden. Zudem muss beim Kauf eine zulässige Begründung angegeben werden. Bisher wurden Gewehre nur beim Händler gemeldet, der die Daten an die Behörde am Wohnort weitergab – wenn überhaupt, denn wie viele Waffen derzeit tatsächlich im Umlauf sind, ist unklar.
Die Novelle folgt einer EU-Richtlinie und ist seit 2010 beschlossene Sache. „In Kanada hat man das System schon wieder eingestellt, weil nur die Kosten explodiert sind“, kritisiert Andreas Rippel, Präsident der Interessensgemeinschaft liberales Waffenrecht in Österreich (IWÖ).

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( Kurier ) Erstellt am 06.04.2012