Das Homeoffice bringt Änderungen für Arbeitsnehmer und Arbeitgeber mit sich

© EPA/SASCHA STEINBACH

Chronik Oberösterreich
02/15/2021

Von der Kontrolle zum Vertrauen

Das Homeoffice fordert von den Führungskräften ein neues Verhalten.

von Josef Ertl

„Ich bin ein großer Befürworter des Homeoffice“, bekennt der Linzer Wirtschaftspsychologe Franz Witzmann. Er sieht einige Vorteile in dieser Arbeitsform. Studien belegen, dass die Produktivität um durchschnittlich 15 Prozent steigt. Das bestätigen auch Ergebnisse des Teleworkings. „Die Menschen arbeiten konzentrierter, obwohl sie zu Hause und damit außerhalb der Kontrolle sind. Sie sind weniger gestört.“ Es werde eigenverantwortlicher gearbeitet, Entscheidungen würden nicht immer bei Vorgesetzten nachgefragt, sondern getroffen. Das spare Zeit.

Witzmann hält es für wichtig, auch im Homeoffice einen Tagesrhythmus einzuhalten. Regelmäßige Pausen und regelmäßiges Lüften, etwas Trinken und ein bisschen Bewegung machten vieles leichter. Die gewohnten Zeiten des Arbeitsbeginns und des Arbeitsendes sollten unverändert bleiben.

Rituale sind wichtig

Der Psychologe empfiehlt, nach Möglichkeit einen eigenen Raum für das Homeoffice einzurichten. „Viele haben sich einen Sessel oder einen Tisch zum Arbeiten gekauft. Einer hat mir erzählt, dass ihn der Kauf eines höhenverstellbaren Tisches und eines Sessels so viel gekostet hat wie das Benzin, das er normalerweise in einem Monat beim Pendeln in die Firma verfährt.“

Anderer Sitzplatz

Wenn der Kauf von Extra-Möbeln nicht möglich sei und man auf vorhandenes Mobiliar zurückgreifen müsse, sollten die Gewohnheiten verändert werden. Zum Essen sitze man an einer Ecke des Tisches, zum Arbeiten an der anderen. Der Arbeitsbeginn sollte auch symbolisch vollzogen werden, indem man dafür eigene Bekleidung anzieht und sie nach Arbeitsende wieder auszieht oder man sich zum Beispiel duscht. „Diese Rituale sind wichtig“, so Witzmann.

Gefahr des Schledrians

Hat das Homeoffice auch Nachteile? „Für jene Menschen, die wenig organisiert sind, besteht die Gefahr, dass sie in einen Schlendrian hineinkommen. “

Soziale Kontakte sind wichtig

Im Homeoffice reduzieren sich die sozialen Kontakte zu den Arbeitskollegen. „In einem normalen Homeofficebetrieb gibt es zumindest einmal in der Woche ein Treffen mit dem Team. Das ist wichtig für den Teamspirit. Ich rate vom Schichtbetrieb ab, denn da zerfällt das in zwei Subteams.“ Es liege in der Kompetenz der Führungskräfte, so Witzmann, Kontakte gemeinsam zu initiieren. „Zum Beispiel eine Kaffeepause als Videokonferenz. Oder einen Afterwork-Drink. Oder man macht am Freitag ein Teammeeting und bespricht, was der kniffligste Fall oder das größte Erfolgserlebnis der Woche war.“ Leider würden die Verschränkungen von den Führungskräften nicht genützt. „Denn die meisten Führungskräfte führen über Kontrolle. Wenn einer aber nur kontrolliert und nicht Kraft seiner Persönlichkeit führt, dann will er, dass alle wieder ins Büro kommen. Homeoffice braucht großes Vertrauen zu den Mitarbeitern.“

Konflikte

Die Führungskräfte müssten auch andere Wege finden, Konflikte zu lösen. Denn im Homeoffice bestehe die Gefahr, dass vieles unter den Teppich gekehrt werde. „Durch eine Mail mit einer Order ist ein Konflikt nicht gelöst. Er kann sich weiter aufbauen, denn die Mitarbeiter könnten die Reaktionen viel leichter verbergen. Es brodelt weiter.“ Es brauche von den Führungskräften ein viel kürzeres, differenziertes Feedback. „Da gibt es 10 bis 15 Punkte, die wichtig sind. Dasselbe gilt für die Motivation und Selbstorganisation der Mitarbeiter.“

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