Chronik | Oberösterreich
05.11.2017

Von Altenburg nach Windhaag bei Perg

Wehrkirche, Pfarrhof und Schule bilden in Altenburg ein besonders Ensemble.

Es ist schon ein besonderes Gebäudeensemble in Altenburg: Rund um einen kleinen Platz gruppieren sich eine 700 Jahre alte Wehrkirche sowie ein Pfarrhof und eine Schule – beide ebenfalls mehr als 500 Jahre alt. Unter kundiger Begleitung von Josef Honeder, meinem ehemaligen Professor für Geschichte am Linzer bischöflichen Gymnasium Petrinum, betreten wir das sogenannte "Schatzkistchen". So hat Erzherzog Johann bei seinem Besuch die kleine Kirche genannt.

Dabei konnte er damals noch nicht die Gruft mit den bedeutendsten Fresken von Oberösterreich aus dem frühen 16. Jahrhundert bewundern. Diese wurden nämlich erst 1907 wiederentdeckt. Ein besonderes Prunkstück ist das Fresko aus der Donauschule, das den heiligen An dreas darstellt, wie Martin Luger, ein Mitglied des Kulturvereins Windhaag-Altenburg, erzählt. Professor Honeder, selbst aus Altenburg stammend, hat sich mit einem namhaften Betrag an der Renovierung der Kirche beteiligt.

Hier ist der Ausgangspunkt für eine geschichtsträchtige Wanderung auf den Spuren des Grafen von Windhaag, Joachim Enzmilner. Er war bestens bekannt mit den Habsburger Kaisern Ferdinand und Leopold und verantwortlich für die Gegenreformation in Ober- und Niederösterreich. Der gut markierte Weg führt über den idyllischen Hausbergbach und entlang eines Bogenschießplatzes und eines weitläufigen Hirschgeheges. In der Nach-Brunftzeit betrachten die Tiere ganz entspannt die Passanten. Eine herbstliche Windhose wirbelt die Blätter durch die Luft. Mehrere aus dem Mittelalter stammende Bauernhöfe werden passiert, bis die "Vogeltenne" erreicht ist – ein mittelalterlicher Fangplatz für Vögel. Auf Bäumen wurde ein Klebstoff angebracht, an dem die Vögel kleben blieben – damals das einzige Jagdvergnügen für die einfache Bevölkerung.

Schließlich wird Windhaag erreicht. Kaum zu glauben, dass der Ortskern im 18. Jahrhundert aus den Resten eines Dominikanerklosters errichtet wurde. Die Tochter des Grafen Enzmilner, Eva Magdalena, hat das väterliche Prunkschloss niederreißen und mit dem Baumaterial ein Kloster errichten lassen, dessen Äbtissin sie noch einige Jahre lang war. Der Brunnen aus dem abgerissenen Schloss ziert noch heute als Leopoldibrunnen den Steyrer Stadtplatz.

Die Ruine Windhaag mit den Resten des gräflichen Prunkschlosses lässt die frühere Größe erahnen. Eine engagierte Arbeitsgemeinschaft hat durch die Errichtung einer kühnen Metallstiege den Bergfried wieder begehbar gemacht. Von diesem eröffnet sich der Blick bis ins Alpenvorland. Schließlich geht es vorbei an der alten Pferdeschwemme auf einem historischen Waldweg entlang des Hausbergbaches wieder zurück nach Altenburg.

Autor Josef Leitner ist Universitätslektor und besucht mit seinem Reisemobil interessante Plätze der Kultur und Natur in Oberösterreich