Vom Superstar zum Nobody

Sieben oberösterreichische Musiker wurden bisher in die Welt hinausgeschickt, um die Alpenrepublik musikalisch beim Eurovision Song Contest zu repräsentieren. So grell das Scheinwerferlicht ist, so düster kann es werden, wenn der Hype vorbei ist.

Heute beten sie dich an und morgen interessiert sich keine Sau mehr für dich. Das tut weh“, erinnert sich Manuel Ortega an die Glanz- und Tief-Phasen seiner Musikkarriere. Im Vorjahr hatte er einen Privatkonkurs, doch von einer Krise könne keine Rede sein, betont er. Was kaum jemand weiß: Ortega unterrichtet erfolgreich Popgesang am Vienna Konservatorium. Im April veröffentlicht er ein Schlager-Album.

„Der Song Contest hat meiner Karriere auf jeden Fall geholfen“ – darin sind sich Ortega aus Steyregg, Waterloo aus Altheim, Wilfried aus Bad Goisern, Global Kryner-Frontfrau Sabine Stieger aus Ernsthofen und Eric Papilaya aus Laakirchen einig. Wie es dem achten Botschafter, den Trackshittaz, in Baku ergehen wird, ließe sich nur erahnen.

Allesamt sprechen sie von einer wertvollen Erfahrung, sich auf internationalem Parkett beweisen zu müssen. „Die Musikbranche ist beinhart. Man muss viele Handstände und Überschläge machen, um eine Chance zu haben“, weiß Eric Papilaya nur zu gut. 2007 trat er in Helsinki mit „Get a live – get alive“ an und landete auf dem 27. Platz. Von 28.

„Am Tag davor wurden wir von der BBC noch als Favoriten gehandelt. Es war eine herbe Enttäuschung“, sagt der Musiker. Seine Karriere sei nach dem Song Contest in Schwung gekommen. Eine Top-Ten-Single und viele Konzerte folgten, doch kurz darauf geriet er ins Schlingern. Jahrelang hörte man nur wenig von dem sympathischen Sänger. Heute bereitet er sich auf ein neues Album vor: „Ich habe den Spaß an der Musik wieder gefunden.“

Sprungbrett

Die Trackshittaz polarisieren: Genau da liegt ihre große Chance.
© Bild: ORF/Ali Schafler

Den Song Contest nutzten viele mehr oder weniger erfolgreich als Sprungbrett, wenn auch als rutschiges. Wie rutschig, das bekam Wilfried zu spüren. Im Jahr 1988 setzten die Österreicher große Erwartungen in ihren Star. Erst trällerte er unter großem Jubel „Lisa, Mona Lisa“, um dann wegen seines unehrenvollen letzten Platzes beim Contest in Dublin ausgebuht zu werden. „Die Medien haben so auf mich draufgedroschen, dass es gedauert hat, bis ich wieder auf die Beine gekommen bin“, erinnert sich Wilfried, der in Pressbaum (NÖ) sesshaft geworden ist. Nach der herben Niederlage habe er sich in die Schauspielerei gestürzt und lebe bis heute von seinem vielseitigen Künstlerdasein.

In eine völlig andere Richtung ging Sabine Stieger von Global Kryner, die 2005 in Kiew schon im Semifinale ausgeschieden ist. Die Volksmusiksängerin tourt unter dem Decknamen „Samy Jones“ und einer Gitarre unter dem Arm durch die Lande. Global Kryner gibt es noch immer, gerade erst ist ein neues Album erschienen. Die aktive Musikerin kann sich über die Szene in Österreich nur wundern: „Es ist interessant: Als Song Contest Act sind alle Scheinwerfer auf einen gerichtet. Danach verschwindet man vom Radar.“ Den Trackshittaz rät sie übrigens, möglichst freizügig aufzutreten. „Es gibt eine große Homosexuellen-Fangemeinde. Denen gefällt so was sicher.“

( Kurier ) Erstellt am 10.03.2012