Chronik | Oberösterreich
10.09.2017

Vom Hörndlbauer zum Großbäcker

Biohofbäckerei Mauracher mit 78 Angestellten betreibt auch eigene Biolandwirtschaft.

Was andere als Mist oder Abfall bezeichnen, wird bald die gesamte Fahrzeugflotte der Bio-Hofbäckerei Mauracher betreiben.

Josef Eder (57) aus Sarleinsbach (Bez. Rohrbach) ist für seinen Mauracherhof immer auf der Suche nach neuen Entwicklungen im Bereich Bio und Energieeffizienz. "In der Biogasanlage vergären wir unseren Rindermist, sowie Abfälle von der Getreideaufbereitung und der Backstube. Damit könnten wir genug Energie für unsere gesamten Pkw und Lkw gewinnen." Derzeit fahren bereits vier Transporter und zwei Caddys mit Biogas. Nun ist Eder noch auf der Suche nach der besten Technologie, um die gesamte Umrüstung zu schaffen. Neue Ideen sind dem Bio-Pionier nicht fremd. Ein Jahrzehnt nach seiner Übernahme des konventionell geführten elterlichen Bauernhofes im Jahr 1980 krempelte er den Familienbetrieb völlig um und installierte eine Bäckerei als Hauptstandbein.

Bio-Hofbäckerei

Heute beschäftigt die Familie Eder 78 Mitarbeiter. Darunter befinden sich Teilzeitkräfte, Wiedereinsteiger und eine Reihe von Lehrlingen. "Wir bilden Müller, Bäcker, Konditoren, Bürokaufleute und Lebensmitteltechniker aus. Aber auch für die Landwirtschaft werden Mitarbeiter geschult", sagt Josef Eder.

"Der Jahresumsatz liegt bei fünf Millionen Euro. Die Landwirtschaft macht dabei nur mehr 2,5 Prozent aus."

Bis heute ist Oma Eders Sauerteigrezept die Basis der Produkte. In der hofeigenen Getreideaufbereitungsanlage wird darauf geachtet, die Körner schonend zu verarbeiten, damit der natürliche Geschmack des Getreidekorns im Brot erhalten bleibt. "Uns war klar, dass wir vom Feld weg das Getreide übernehmen und verarbeiten müssen, um unseren Qualitätsstandard halten zu können", erklärt Andreas Eder. Pro Jahr mahlt die Bäckerei 1.100 Tonnen hochwertiges Getreide, darunter auch viele ursprüngliche Getreidesorten. Mittlerweile werden 300 Vertriebspartner täglich mit Biobrot- und Gebäckspezialitäten sowie Kuchen beliefert. Hauptabnehmer sind der Bio-Fachhandel und die gehobene Gastronomie in Österreich und Bayern.

"Wir wollen nicht im Bereich Produktion wachsen, sondern ständig die Qualität unserer Produkte verbessern. Unsere Idee, im Einklang mit der Natur qualitativ hochwertige Produkte herzustellen, hat uns zu einem regionalen Leitbetrieb gemacht."

Gemeinsam mit seiner Gattin Sissy Eder hat er nach der Übernahme des Mauracherhofs auf biologische Anbauweise umgestellt. Auf 25 Hektar Ackerfläche betreiben die Eders ihre biologische Landwirtschaft. "Wir haben eine Fleckviehherde mit 60 Kühen und filtern jene Tiere heraus, die eine sehr flache Leistungskurve haben. Sie sollten nicht am Anfang zu viel Milch geben und dann sofort nachlassen."

Da ab Mitte der 1980er-Jahre die Preise für Landwirtschaftliche Produkte immer mehr fielen, wurde es ständig schwieriger, von der Landwirtschaft zu leben, erklärt Eder. Deshalb kam im Jahr 1990 die Bio-Hofbäckerei als Hauptstandbein dazu.

Damit in den Betriebszweigen Bäckerei und Landwirtschaft konfliktfrei nebeneinander produziert werden kann, musste am Hof umgebaut werden. "Ursprünglich stand der Kuhstall noch direkt neben der Backstube. 2000 begannen wir mit dem Umbau. Wir haben fünf Millionen Euro investiert. Die Bäckerei wurde vergrößert, der Stall abgerissen und an einer anderen Stelle des Hofs wieder errichtet."

Als nächste Herausforderung steht der Generationswechsel in der Betriebsführung ins Haus. Das soll bis Jahr 2020 erledigt sein.

Hofübergabe

"Da wir Kinder von klein auf in den Betrieb hineingewachsen sind, ist die Hofübergabe für uns kein Problem", erzählt Sohn Andreas. "In unserem Betrieb muss man vielseitig sein. Ich habe Konditor gelernt, kann auch ein Kalb auf die Welt bringen oder im Stall arbeiten. Schon als Kind musste ich am Feld helfen und bevor die Schule begann, mit der Oma Schaumrollen füllen. Das kommt mir nun sehr zugute."

Autor: Peter Pohn