Auch im Bereich der Kunsteisbahn dürfte Geld abgezweigt worden sein.

© honorarfrei/Stadt Wels

Wels
01/23/2015

Veruntreuung im Magistrat: "Dienstverfehlung"

Schaden in Freitzeiteinrichtungen sollte verschwiegen werden.

von Jürgen Pachner

In der Affäre um die massive Veruntreuung von Eintrittsgeldern in den städtischen Welser Freizeiteinrichtungen Welldorado und Kunsteisbahn werden immer mehr Details bekannt, die darauf deuten, dass der angerichtete Schaden deutlich über den bisher kolportierten rund 300.000 Euro liegen dürfte.Wohin allerdings die enorme Summe im Detail versickert ist, scheint noch aufklärungswürdig.

Dass Hunderttausende Euro nur für Lebenshaltungskosten des arbeitslosen Lebensgefährten und des Sohnes der Hauptverdächtigen aufgebraucht worden sein sollen, lässt doch etwas zweifeln. Laut Bürgermeister Peter Koits (SPÖ) behauptet die 53-Jährige, von dem Geld nichts für sich selbst verbraucht zu haben. "Sie hat davon auch kein Auto gekauft." Die polizeilichen Ermittlungen zu der Causa sind aber noch nicht abgeschlossen.

Disziplinarverfahren

Wie berichtet, soll die Kassierin acht Jahre lang Geld abgezweigt haben. Erst 2014 fiel einem Kollegen auf, dass Belege fehlen. Er alarmierte einen hochrangigen Magistratsbeamten. Die Frau gab ihnen gegenüber die Malversationen zu und versprach, den Schaden – man ging von 45.000 Euro aus – gutzumachen. Am 21. August wurde auch der Leiter des Welldorado informiert. Die 53-Jährige zahlte 22.000 Euro zurück und bot an, für die Schuldentilgung ihre Wohnung zu verkaufen. Die Verdächtige wurde aus dem Kassabereich abgezogen.

Bürgermeister und Magistratsdirektorin erfuhren allerdings erst am 24. November durch ein anonymes Schreiben von den Veruntreuungen. Die Frau wurde angezeigt, ihre Vorgesetzten erwartet nun ein Disziplinarverfahren. "Den Fall nicht zu melden, bedeutet eine schwere Dienstverfehlung, die Konsequenzen haben muss", erklärt Magistrats-Chefin Renate Kamleithner. Auch ihrer Kontrollpflicht dürften die beiden Beamten jahrelang nicht oder nur extrem schlampig nachgekommen sein. "Das ist Aufgabe des unmittelbar Vorgesetzten."

Die Frau hatte nicht nur kassiert und abgerechnet, sondern brachte die Tageslosung auch selbst zur Bank. Dass beispielsweise sämtliche Belege des Jahres 2009 fehlen, wurde erst jetzt festgestellt. Der geschätzte Schaden allein aus dem Jahr ist noch ebenso wenig berechnet wie Fehlbeträge aus der Kunsteisbahn. Für Montag kündigt Koits personelle Konsequenzen an. Am Dienstag tagt der Kontrollausschuss.

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