Im Welldorado werden jährlich rund 680.000 Euro Einnahmen erzielt. Der Kassierin gelang es, Hundertausende in die eigene Tasche zu stecken.

© honorarfrei/Stadt Wels

Wels
01/22/2015

Kassierin zweigte 300.000 Euro ab, Vorgesetzte deckten sie

Affäre im Magistrat. Mitarbeiterin soll acht Jahre lang Eintrittsgelder veruntreut haben.

von Jürgen Pachner

Der 74-jährige Peter Koits (SPÖ) war am Donnerstag nicht zu beneiden, als er vor oö. Journalisten zu einer pikanten Veruntreuungsaffäre einer Magistratsmitarbeiterin Rede und Antwort stehen musste. Sichtlich erschüttert, berichtete das Welser Stadtoberhaupt über den im Vorjahr bekannt gewordenen Kriminalfall, der sich aber in den vergangenen Wochen massiv ausgeweitet hatte und dunkle Schatten auf zwei hochrangige Beamte warf.

Ein anonymes Schreiben an Magistratsdirektorin Renate Kamleithner hatte die Causa ins Rollen gebracht. In dem Brief wurde die Mitarbeiterin beschuldigt, jahrelang im großen Stil Eintrittsgelder der Freizeit- und Erlebnisanlage Welldorado abgezweigt zu haben. Kamleithner informierte am 24. November sofort den Bürgermeister. Dann wurden die Dienstbehörde und die Kontrollstelle damit beauftragt, die Vorwürfe auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen. Die Verdachtslage schien rasch bestätigt. Am nächsten Tag wurde die Staatsanwaltschaft eingeschaltet und die Mitarbeiterin fristlos entlassen.

Seit Mittwoch liegt Koits ein Kontrollbericht vor, der besagt, dass die Kassierin seit 2006 mindestens 270.000 Euro veruntreut haben soll. Die Prüfungen sind jedoch nicht abgeschlossen, mit einem Fehlbetrag von mehr als 300.000 Euro ist zu rechnen. Nur einen kleinen Teil – 22.000 Euro – hat die Frau bisher zurückgezahlt. Allerdings bot sie an, ihre Eigentumswohnung zur Schadensdeckung zu verkaufen. "Sie scheint das Geld nicht für sich selbst verbraucht zu haben. Es dürfte eher ein menschliches Schicksal dahinter stecken: ihr Sohn und Lebensgefährte sind arbeitslos", sagt Ulrich Törek, Leiter der Magistratsdirektion.

Keine Suspendierung

Neben dem strafrechtlichen Part der Causa gibt es gegen zwei Vorgesetzte der Frau auch dienstrechtliche Vorwürfe. Beide sollen seit 21. August von den Veruntreuungen gewusst, diese aber – angeblich um der Verdächtigen eine Chance zur Wiedergutmachung zu geben – nicht gemeldet haben. Bei einem der Männer handelt es sich um einen Verwandten von SPÖ-Vize-Stadtchef Hermann Wimmer, in dessen Ressortbereich das Welldorado fällt. Das Duo wurde bisher weder suspendiert, noch auf Dauer versetzt oder vorübergehend einem anderen Bereich zugeteilt. Koits: "Eine Suspendierung wäre nur dann gerechtfertigt, wenn strafrechtlich gegen sie ermittelt würde." Seiner Ansicht nach handle es sich um eine Verletzung der Dienstpflicht und um keinen Amtsmissbrauch. Beide Beamte erwartet aber ein Disziplinarverfahren.

ÖVP-Vizebürgermeister Peter Lehner fordert rasche dienstrechtliche und auch politische Konsequenzen. FPÖ-Stadtrat Andreas Rabl vermutet ein völliges Versagen der Kontrollinstanzen.

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