© Harald Dostal

Staus
09/21/2021

Verkehr: Plus 25 Prozent bis 2030

Die Ein- und Ausfahrten nach Linz werden von 311.000 um 75.000 auf knapp 400.000 im Jahr 2030 steigen. Öffentlicher Verkehr und ausgebaute Autobahnen sollen die Lawine auffangen.

von Josef Ertl

Freitag, 13 Uhr (10. 9.). Linz erstickt im Stau. Die Auffahrt auf die Stadtautobahn ist nicht möglich, es staut zurück bis hinein in die Prinz-Eugen-Straße. Ausweichversuch über die Donaulände. Stau. Ausweichversuch über die B1. Die Fahrt nach Wels dauert eineinhalb Stunden. Eine Katastrophe. Der Süden und der Bindermichl sind das neue Nadelöhr von Linz. Bezirksstädte haben mehr Autobahnen- und Auffahrten als die Landeshauptstadt.

Trotz Brückenausbaus noch immer Staus

Die Fertigstellung der neuen Eisenbahnbrücke und der beiden Bypass-Brücken der Stadtautobahn mit Kosten von rund 300 Millionen Euro haben zwar für den Norden, für die Einpendler aus Perg, Freistadt und Urfahr-Umgebung, eine gewisse Entlastung gebracht, aber es kommt selbst dort immer wieder zu Staus.

Grundfehler reichen 20 bis 30 Jahre zurück

Kein Wunder. Der Verkehr wächst und wächst. Die Staus sind das Resultat falscher Verkehrspolitik der vergangenen 20, 30 Jahre. Die Zuwächse wurden unterschätzt, Proteste und Widerstände verhinderten rasches Bauen. „2019 hatten wir 311.000 Pendelbewegungen nach Linz rein und raus. Wie rechnen bis 2030 mit einem Zuwachs von 75.000 Fahrten“, sagt Infrastrukturlandesrat Günther Steinkellner (FPÖ). Das sind dann rund 400.000 Pkw- Ein- und Auspendler. In Oberösterreich waren 2020 1,36 Mio. Fahrzeuge zugelassen, ein neuer Rekord. 70 Prozent sind Pkw. 2019 gab es etwas mehr als 74.000 Kraftfahrzeugneuzulassungen und 201.000 Gebrauchtzulassungen.

Autonome Busse als Zukunftshoffnung

„Wir wollen den Zuwachs auf den öffentlichen Verkehr kanalisieren und das Angebot so attraktivieren, damit die Menschen, die jetzt den Pkw benutzen, umsteigen.“ Als in zehn bis 15 Jahren realisierte Vision plädiert er für den Einsatz von autonom fahrenden Bussen, die die Pendler in ihrer Siedlung abholen und zur nächsten Bahnstation bringen, die sie rasch nach Linz bringt. Eine Reihe von Maßnahmen wie der Bau der Linzer Stadtbahn und die S-Bahnen ins Linzer Umland sind bereits eingeleitet. Steinkellner plädiert für eine raschere Vertaktung und mehr Halte- und Umstiegsstellen. Mit den ÖBB wurde ein umfangreiches Investitionspaket vereinbart. Aber die Realisierungen dauern. Auch das Radwegenetz soll erweitert werden.

Autobahnen dreispurig

Ohne den Ausbau der Straßen wird es nicht gehen. Die Innkreisautobahn – sie ist mit mehr als drei Millionen Lkw die am stärksten befahrende Autobahn Österreichs – soll nach Steinkellners Vorstellung ebenso dreispurig ausgebaut werden wie die A1 nach Salzburg – im ersten Schritt zumindest bis nach Regau. Weiters plädiert er für den Bau der Linzer Ostumfahrung, um den aus Tschechien zu erwartenden Verkehr an Linz vorbeizuführen.

Höhere Förderungen

Der grüne Umweltlandesrat Stefan Kaineder wirft der schwarz-blauen Landesregierung vor, die Verkehrszukunft verschlafen zu haben. Er fordert eine Verkehrswende, die lediglich den Ausbau des öffentlichen Verkehrs und keine Straßenerweiterungen vorsieht. Für den öffentlichen Verkehr sollte es nach Ansicht von Klubobmann Severin Mayr noch günstigere Tickets geben. Das Land sollte attraktive Förderungen für E-Pkw und E-Bikes einführen.

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