Verbotszone für Sonnenenergie

Die Altstadtbewohner von Freistadt sind frustriert. Das Bundesdenkmalamt erlaubt auf ihren Dächern keine Solaranlagen.

Seit vier Jahren bemüht sich Hans Käferböck erfolglos um die Erlaubnis, auf dem Flachdach seines Hauses in Freistadt Sonnenkollektoren aufstellen zu dürfen. „Ich möchte von Gas auf eine umweltfreundlichere Energienutzung umsteigen, doch das Bundesdenkmalamt legt sich quer, weil mein Haus in der Altstadt steht.“

Ein Denkmalschutzmitarbeiter habe zwar selbst diagnostiziert, dass etwaige Kollektoren auf Käferböcks Dach aus der näheren Umgebung kaum sichtbar seien. „Weil man sie aber aus einer mehr als 500 Meter entfernten Siedlung der Nachbargemeinde Lasberg sehen könnte, reicht das aus, die Anlage nicht zu genehmigen“, ärgert sich der 64-Jährige. Der pensionierte Lehrer beklagt, dass es für Hausbesitzer in der denkmalgeschützten Altstadt generell kaum Möglichkeiten gebe, Energiekosten zu reduzieren: „Außendämmung ist wegen der geschützten Fassade nicht möglich, Innendämmung nicht nur bauphysikalisch problematisch, sondern auch in nur sehr wenigen Fällen durchführbar. Und für Pellets- oder Hackschnitzel fehlen die Lagerräume.“

Petition

Mit seinem Anliegen steht Käferböck nicht allein da. Vor Kurzem versammelten sich Dutzende Innenstadtbewohner und unterzeichneten eine Petition an das Denkmalamt: „Es gibt eine Richtlinie, in der die Nutzung der Sonnenenergie auf denkmalgeschützten Objekten ausdrücklich untersagt wird. Am Beginn des 21. Jahrhunderts halten wir das nicht nur für ökologisch widersinnig, sondern auch für ökonomisch nicht vertretbar.“ Sie wünschen sich diesbezüglich mehr Flexibilität.

Bürgermeister Christian Jachs (VP) steht hinter den Anliegen der Bevölkerung. „Im 21. Jahrhundert sollte auch das Denkmalamt mit der Zeit gehen und Solaranlagen auf jenen Dächern erlauben, die sich dafür eignen und mit dem Stadtbild harmonieren.“ Es sei schwer nachvollziehbar, warum Photovoltaikanlagen nicht genehmigt werden, die von der Straße aus nicht einsehbar sind. „Man muss den Denkmalschutz wieder ein wenig mehr auf den Boden holen, die Vogelperspektive sollte nicht Maß aller Dinge sein.“

Heute, Freitag, kommt es in Freistadt zu einem Gipfelgespräch zwischen Vertretern der Stadt und des Denkmalamtes: „Das wird ein Lostag für die Sonnendächer – wir sind hoffnungsfroh, dass es vernünftige Lösungen gibt.“

Landeskonservatorin Ulrike Knall-Brskovsky signalisiert Kompromissbereitschaft. „Wir versuchen immer, wo es geht, auch auf die Bedürfnisse der Bewohner einzugehen.“ Sie will sich – auch im Fall Käferböck – persönlich vor Ort ein Bild machen. „Grundsätzlich ist es aber so, dass ein Dach zur Fassade dazugehört. Und die Fassaden werden von uns mit viel Geld gefördert.“

( Kurier ) Erstellt am 16.03.2012