Chronik | Oberösterreich
18.11.2018

„Uni Linz soll Künstliche Intelligenz weiter verstärken“

Margarete Schramböck. 60-Jährige werden in Digital-Cafés kostenlos in der Nutzung des Smart-Phones geschult. OÖ ist Testland.

Margarete Schramböck (48) ist Ministerin für den Wirtschaftsstandort und Digitalisierung. Nachdem der erste Entwurf für eine deutliche Verfahrenskürzung bei Großprojekten wie dem Linzer Westring zurückgezogen worden ist, will Schramböck in den nächsten Wochen einen neuen Entwurf vorlegen.

Die Linzer Universität bekommt zusätzlich 55 Millionen Euro für den Ausbau des Linz Institute of Technology (LIT).

Es ist absolut richtig und wichtig, dass Linz hier stark investiert. Es sind hier ja auch Koryphäen wie Sepp Hochreiter in der Künstlichen Intelligenz tätig. Das ist eine Stärke, die man weiter verstärken muss.

Ist Linz österreichweit bereits das Zentrum für Künstliche Intelligenz, das Standortlandesrat Michael Strugl anstrebt?

Linz soll auf dem Bestehenden aufbauen. Ist das jetzt schon so? Nein. Kann das so werden? Ja. Linz kann hier einen Fokus legen.

Die deutsche Regierung will nun vier Milliarden Euro in die Künstliche Intelligenz investieren. Hier könnte sich doch die österreichische ein Beispiel nehmen?

In Deutschland wünschen wir uns zuerst einmal eine stabile Regierung. Das ist ganz wichtig für Europa. Wir messen sie dann an dem, was sie tun und nicht, was sie ankündigen. Wir arbeiten an einer Strategie für Künstliche Intelligenz.

Unsere Digitalisierungsagentur hat jetzt Innovation Hubs ausgeschrieben. Es soll in jedem Bundesland einen geben. Die drei wichtigsten Themen werden Künstliche Intelligenz, IT-Sicherheit und Blockchain sein.

Was kommt nach Linz?

Die Oberösterreicher bewerben sich erst. Oberösterreich ist bei den Themen Künstliche Intelligenz und IT-Sicherheit ganz weit vorne.

Wir zeigen seit einem Jahr, dass wir umsetzen. Auch in der Digitalisierung. Österreich ist hier sicher das bessere Deutschland.

Oberösterreich ist mit dem Ausbau des Breitbandnetzes unzufrieden. Thomas Stelzler und Michael Strugl kritisieren die bürokratischen Hindernisse. Sie argumentieren, der Bund hätte bei der Ausrollung der Breitbandmilliarde mehr Gas geben können. Und der Breitbandatlas stimmt nicht.

Das stimmt. Die Vorgängerregierungwar nicht schnell genug. Bei den Firmen ist teilweise noch immer kein Geld angekommen. Zuständig ist das In frastrukturministerium. Es wird den Breitbandatlas neu machen, nun digital.

Welche Schwerpunkte setzen Sie bei der Digitalisierung?

Es geht mir um digitale Kompetenzen. Wir haben ein Programm, das Fit4 Internet heisst. Speziell für die Generation 60 plus bieten wir Digital-Cafés. Denn nur die Hälfte der über 60-Jährigen sind im Internet unterwegs. In Dänemark sind es 85 Prozent. In unseren Cafés können Menschen ohne jegliche Vorkenntnisse hingehen. Oberösterreich ist mit zehn Cafés bis Ende des Jahres unser Testland.

Können Sie als Minsterin gegen den von den Firmen beklagten Facharbeitermangel wirklich etwas tun?

Ja. Wir überarbeiten und modernisieren alle 200 Lehrberufe. Die Inhalte und auch die Namen. Sie müssen alle etwas Digitales beinhalten. Auch die Maurer, Fleischer und Tischler. Es braucht auch neue Lehrberufe.

Zum Beispiel?

Coda (Programmieren) oder E-Commerce-Kaufmann. Wir haben sie erst im September eingeführt und bereits 90 Lehrlinge. Davon sind 50 Prozent Frauen.

Wir müssen auch neue Zielgruppen ansprechen. Oberösterreich hat die duale Akademie eingeführt. Es ist absolut richtig, Maturanten anzusprechen und eine verkürzte Lehre zu machen. Neben den Plus-18-Jährigen müssen wir auch auf die Frauen setzen.

Die Industrie hat den Eindruck, dass sie jetzt durch Lohnforderungen der Metallarbeiter die Rechnung für das neue Arbeitszeitgesetz serviert bekommt. Ist dem so?

Wir haben die Arbeitszeitflexibiliserung eingeführt, damit wir uns den modernen Arbeitsweisen anpassen. Wir holen sowohl die Mitarbeiter als auch die Unternehmen aus der Kriminalität raus, denn die Flexibilität war gelebte Praxis. Es war uns wichtig, dass die elfte und zwölfte Arbeitsstunde wirklich freiwillig sind.

Es gibt aber schwarze Schafe bei Tourismusunternehmen.

Die gab es früher genauso. Im vergangenen Jahr gab es 25.000 Beanstandungen bei Arbeitszeitregelungen. Jetzt gibt es einige wenige Fälle, wo man hart vorgehen muss. Dazu stehe ich.

Die oberösterreichische Arbeiterkammer sieht das neue Gesetz im Widerspruch zu EU-Recht.

In den nordischen Staaten, die sehr sozial sind, sind 13 Stunden ganz normal. Dort ist das möglich. Warum soll das dann gegen EU-Recht sein? Ich verstehe auch nicht, wie man gegen die Rechte der einzelnen Mitarbeiter reden kann. Aber vielleicht ist es gegen die Funktionäre, das kann sein.

Die Wirtschaft läuft derzeit noch sehr gut. Das Wachstum beträgt heuer in Oberösterreich 3,4 Prozent, für 2019 sind 1,8 % prognostiziert. Namhafte Ökonomen prognostizieren für die US-Wirtschaft für 2020 oder spätestens 2021 eine Rezession. Sie wird massive Auswirkungen auf Österreich haben. Sind wir darauf vorbereitet?

Man muss jetzt schon etwas tun. Ich unterstütze die Wirtschaft neue Märkte zu erschließen. Da ist China einer der wichtigsten. Im Januar werde ich eine neue Außenwirtschaftspolitik auflegen.

Ich komme gerade aus Korea, China und Singpore, um Türöffner für Unternehmen zu sein. Wir haben beispielsweise eine Partnerschaft mit JD.com abgeschlossen. Es ist ein chinesisches Internetunternehmen, das die gleichnamige Online-Handelsplattform JD.com betreibt. Es ist mit 300 Millionen Kunden nach Alibaba die zweitgrößte Plattform in China. Wir werden dort einen Österreich-Pavillon einrichten, damit unsere Unternehmen dort ihre Produkte leicht verkaufen können. Und ich unterstütze die Unternehmen, die dort bereits vor Ort sind. Wie zum Beispiel Miba, Engel etc. Wir müssen auf diesen Märkten stark sein.

Die amerikanische Nationalbank FED erhöht Schritt für Schritt die Zinsen, die Europäische Zentralbank EZB will im Herbst nächsten Jahres nachziehen. Wie stark werden die Zinsen erhöht werden?

Ich kann das nicht abschätzen. Wir haben schon sehr lange ein Null-Zins-Niveau, länger als ich geglaubt habe.Ich vertraue darauf, dass die EZB weiss, dass sie hier sehr vorsichtig sein muss.

Wir haben in Österreich einen Vorteil. Wir wachsen nicht so schnell, wenn die anderen schnell wachsen, und wir fallen auch nicht so tief, wenn die anderen tief fallen. Die Effekte machen sich in Österreich zeitverzögert bemerkbar. Ich führe das auf unsere große mittelständische Wirtschaft zurück. Länder wie Korea sind von großen Konzernen wie Samsung abhängig. Sie schwanken deshalb auch stärker. Wenn es in Amerika nicht mehr läuft, dann gehen wir gemeinsam nach Asien. Es wird Ende nächsten Jahres sicher eine Veränderung geben. Unsere Aufgabe ist es, so viele Maßnahmen zu setzen, dass der Standort so stark ist, dass das abgefedert wird. Dazu gehören Steuersenkung, Bürokratieabbau und Arbeitszeitflexibiliserung.