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Chronik Oberösterreich
05/05/2012

„Überflüssiges zeigt Status“

Die Unteren ahmen die Oberen nach. Eduard Brandstätter über die Psychologie, die hinter dem Pool-Erwerb stehen kann.

von Josef Ertl

Es ist in, sich einen eigenen Swimmingpool anzuschaffen. Weil das inzwischen viele Hausbesitzer machen, kommt es  durch die Befüllung mit Wasser teilweise zu Problemen mit der Trinkwasserversorgung. So zum Beispiel am vergangenen heißen Wochenende in Niederwaldkirchen und Wilhering.  Ein Gespräch  mit  Eduard Brandstätter,  Professor  für Psychologie  an der Universität Linz, über die Attraktivität von Swimmingpools.

KURIER: Warum geben Familien  viel Geld für den Kauf von Swimmingpools aus, obwohl diese  nicht so häufig benutzt werden?

Eduard Brandstätter: Hier scheinen mehrere Motive eine Rolle zu spielen, die bei verschiedenen Personen unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Da gibt es den Nutzenaspekt: die sofortige Abkühlung, die Privatsphäre, keine Anfahrtswege, Zeitersparnis. All dies bietet das entfernt liegende Freibad nicht.
Dazu kommt das Flair. Ein  Pool verleiht Urlaubsstimmung. Auch wenn man ihn gerade nicht benutzt, holt man sich den Sommerurlaub in den Garten. Mit dem Pool verbindet man  Assoziationen mit Bildern aus dem Reisekatalog. Menschen wollen am Wasser sein. Dies ist sicher das spekulativste Motiv, aber unsere Vorfahren konnten nur überleben, wenn Wasser in der Nähe war. Viele Städte wie Linz, Wels, Wien oder  Salzburg liegen an Gewässern. Menschen suchen das Wasser, und fühlen sich wohl in dessen Nähe.

Hat die Anschaffung von Pools  mit Status zu tun, unter dem Motto, ich kann zeigen, dass ich mir das leisten kann?

Status ist sicher ein Motiv, das bei gewissen Personen eine mehr oder minder starke Rolle spielt. Mit einem Pool können sich Personen auch mit den „Schönen und Reichen“ identifizieren. Damit sind  sie so wie sie. Die Psychologie spricht von einem „trickle-down“-Prozess.  Das Verhalten der oberen Schichten wird  von den unteren Schichten nachgeahmt.
Dass ein Pool nicht benutzt wird, ist gerade ein Zeichen von Status. Nach Thorstein Veblen und seiner „Theorie der feinen Leute“ repräsentiert alles Überflüssige Status. Zum Beispiel hohe Räume, große Eingangshallen, etc. Die herkömmliche Auffassung lautet, „was gut ist, ist teuer“. Gut bezieht sich hierbei auf Qualität und  Material. Nach Veblen lautet die Devise hingegen „was teuer ist, ist gut“. Gut bezieht sich nun auf Status und  Wert. Ein mundgeblasenes Riedl-Glas ist schiefer, verbogener, weniger gut als ein perfekt maschinell gefertigtes Riedl-Glas. Dennoch ist das erste teurer als das zweite. Das wenig schmeichelhafte, gemalte Porträt ist teurer als die perfekte Fotografie derselben Person.
 Gerade weil ein Swimmingpool teuer ist, zeigen gewisse Personen damit ihren Status. Dabei ist wichtig, dass das Produkt  sozial auffällig ist. Man hat nichts davon, wenn niemanden den Pool sieht. Veblen spricht von auffälligem Konsum. Die Nichtbenutzung des Pools erfüllt somit  sogar das Bedürfnis nach Status, solange er von anderen gesehen wird.

Der Aufwand für die Reinigung ist erheblich. Der Pool  ist also neben den Anschaffungskosten auch mit Arbeit verbunden. Warum tun sich das die Konsumenten an?

Hier gibt es mehrere Ursachen.  Wer wirklich Geld hat, lässt sich den Pool reinigen und zeigt damit wieder Status.  Die Vorteile des Pools  überwiegen die Nachteile der Wartung. Personen unterschätzen den Aufwand, der mit der Wartung des Pools verbunden ist. Die Psychologie spricht von einer  „Planungsfalle“ (planning fallacy). Wenn Personen ein Projekt planen (Diplomarbeit, Dissertation, Hausbau, etc.) unterschätzen sie regelmäßig den dafür benötigten Aufwand an Zeit und/oder die finanziellen Kosten. Häufig wird die Benützung des Pools durch die Kinder als Argument angeführt. Doch die Pools erweisen sich auch  als Falle. Jedes Jahr gibt es  Unfälle mit  Kindern, die in  unbeaufsichtigten Momenten in den Pool fallen,  schwer verletzt werden oder ertrinken. Warum gehen Eltern dieses Risiko ein?
Die Menschen  neigen zu „unrealistischem Optimismus“. Sie  glauben, dass künftige negative Ereignisse wie zum Beispiel  Ehescheidungen, Krebserkrankungen, etc. anderen eher zustoßen als ihnen selbst. Andererseits glauben Personen, dass ihnen selbst künftige positive Ereignisse wie mit  40 Jahren ein eigenes Haus zu besitzen, talentierte Kinder zu haben, etc. eher zustoßen als anderen. Dies lässt sich direkt auf Unfälle in Pools anwenden, nach dem Motto, das wird den anderen passieren, mir aber nicht.

Sind die  Besucher öffentlicher Bäder im Vergleich zu den Swimmingpool-Besitzern unterprivilegiert?

Wenn Status als Besitz definiert wird, dann ja. Wenn Status unter dem Gesichtspunkt des Umweltschutzes definiert wird, nein. Öffentliche Bäder bieten mehr Stimulation („Leute schauen“, „die eigene tolle Figur zeigen“, „Sehen und Gesehen werden“ „Leute kennenlernen“, etc.). Immer am eigenen Pool zu sitzen kann langweilig werden. Personen mit Pool stehen jedoch beide Optionen offen. Jenen ohne Pool nur die des öffentlichen Bades.

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