Chronik | Oberösterreich
04.12.2016

"Teure Beschneiung, aber ohne geht es nicht"

Wintersport-Dorados im Hinterland (im Bild Höss) sind Bollwerke gegen Landflucht © Bild: honorarfrei/hermann erber

Bergbahnen sind als Stützen des Tourismus und der Arbeitsplätze in den Tälern unersetzlich.

"Würden wir zusperren, wäre die Katastrophe perfekt".

Barbara Kronreif, die Geschäftsführerin der Bergbahnen Dachstein-West, spricht von "Infrastrukturbahnen", wenn sie das kompakte Netz an Liften im Ski-Dorado der Dachstein-Region zwischen Salzburg und Oberösterreich meint. Ohne die von ihrer Gesellschaft und jener der oö. Dachstein Tourismus AG betriebenen 58 Bahnen und Lifte würde es in diesen Regionen des Tennengaus und des Salzkammerguts düster aussehen, sagt sie. Hunderte Betriebe und Tausende Arbeitsplätze seien auf die Bahnen angewiesen.

Auch das Skigebiet Dachstein-West zählte bei der dieser Tage vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) veröffentlichten Studie zu den vielen Ski-Orten in Österreich, die die Liftpreise gegenüber 2015 um rund zwei Prozent erhöht haben. Zum Saisonstart hat Kronreif klare Argumente für das Anheben der Erwachsenen-Tageskarte auf 42,40 Euro parat. "Der Hauptgrund sind die höheren Kosten für die Beschneiung, umgekehrt ist ein Betrieb ohne Maschinenschnee auf diesem Niveau nicht mehr möglich."

Kleine Skigebiete, die trotz Beschneiung unter Klimawandel und Schneemangel leiden, können die Mehrkosten nicht auf Kartenpreise abwälzen. Damit die Anlagen weiterbetrieben werden können, hilft das Land OÖ mit teils beträchtlichen Zuschüssen, wie etwa am Kasberg oder auf der Forsteralm im Grenzgebiet zu NÖ, aus.

Überall gibt es Bemühungen, den Sommerbetrieb rund um die Lifte zu stärken, um die Abhängigkeit vom Winter zu reduzieren. Auch in der Region Dachstein-West, auf der Höss oder auf der Wurzeralm. "Von heute auf morgen geht das nicht", erklärt Kronreif. Wie in vielen anderen Ski-Regionen ist in der Dachstein-West-Region die ökonomische Abhängigkeit von den Bergbahnen enorm.

Die 100 Mitarbeiter im Winter und 35 im Sommer, jeweils beiderseits der Landesgrenze, sind nur ein kleiner Teil jener, die hier im Tourismus ihr Geld verdienen. Allein im Bereich der Abfahrten gibt es zwölf Gastro-Betriebe. Nachgelagert würden 600 Beherberger, vom Hotel bis zur Privatzimmervermieter, auf jeder Seite der Grenze mitprofitieren, so Kronreif. Dazu kämen örtliche Maler, Elektriker und Baumeister. "Industrie werden wir in den Tälern schwer bekommen. Gibt es die Jobs nicht mehr, müssen die Leute auspendeln. Das Verkehrschaos wäre perfekt", schildert die Bergbahnenchefin.

Ähnlich argumentiert Abt Martin Felnhofer vom Stift Schlägl im Mühlviertel. "Wir sind froh, dass das Stift der Region die Lifte bieten kann. An schönen Tagen kommen bis zu 5000 Skifahrer", sagt er. Mit dem Mitbetreiber, der Schröcksnadel-Gruppe, werde man 2017 zehn Mio. Euro in eine neue Gondelbahn investieren, um das Kinderland und den Status als Familien-Skigebiet zu stärken.

Liftpreise

Wie Kroneis nennt der Abt die Produktion von Kompaktschnee als Notwendigkeit, "ob wir wollen oder nicht". Beide argumentieren auch ähnlich gegen die VKI-Kritik, der ständig teurer werdenden Liftkarten anprangert. Sie verweisen auf viele günstige Familien-Arrangements, Kombiangebote und Rabatte für Saisonkarten. "Da gibt es in Oberösterreich wirklich eine Fülle von Möglichkeiten. Man sollte sich vor dem Skitag über Ermäßigungen erkundigen und entscheiden, ob man ganztägig oder nur einige Stunden auf den Skiern steht. Da lässt sich viel sparen", sagt Ulrike Weiß von der AK OÖ, die die neue Studie (ooe.konsumentenschutz.at) über die Liftpreise in OÖ präsentiert hat.