Chronik | Oberösterreich
28.01.2018

Stromausfall in digitalisiertem Alltag

Vergangenen Sonntag waren wegen beschädigter Leitungen Tausende Haushalte ohne Strom.

Es war ein außergewöhnlicher Sonntag im Mühlviertel. Durch den häufigen Schneefall, der sich mit Tauwetter abgewechselt hat, wurde der liegen gebliebene Schnee so schwer, dass Bäume unter der Last zusammen gebrochen sind und Stromleitungen beschädigt wurden. Die Folge waren mehrere aufeinanderfolgende Stromausfälle. Zwischen neun und 13 Uhr waren mehrere Tausend Haushalte zwischen Lichtenberg, Zwettl an der Rodl und Bad Leonfelden betroffen, teils auch in Vöcklabruck.

Ein bisschen wie früher

Wenn ein Stromausfall auf den modernen, digitalisierten Alltag trifft, wird es spannend. Im Gasthof Sonnenhof in Zwettl wurde der Stromausfall in den Alltag integriert. "Ich habe einen Holzofen in der Küche und große Töpfe, mit denen üblicherweise Gulasch und Wild gekocht wird", sagt der Wirt Wilhelm Kitzmüller dem KURIER. Beim Stromausfall am Sonntag habe er diesen Holzofen eingeheizt: "Über dem Feuer liegt eine Platte, die sich erhitzt. Darauf haben wir gekocht. Das ist ein bisschen wie früher." Die Rechnungen wurden per Hand geschrieben und später im digitalen System nachgetragen. Für den Wirt war der vorübergehende Stromausfall "kein Problem".

Angespannte Situation

Am Sonntag deutet ein Blick aus dem Fenster auf eine angespannte Lage hin. Schon in den Tagen zuvor gab es täglich Neuschnee, wobei sich zwischenzeitlich dezentes Tauwetter eingestellt hat. Wieder tanzen dicke Flocken durch die Luft und decken parkende Autos zu. Das klassische Winterwunderland hat sich verwandelt und bringt einige Probleme mit sich. Bis am frühen Nachmittag wird die neue weiße Pracht zirka 30 bis 40 Zentimeter dick sein und dementsprechend schwer. Durch den Wind fühlt sich die Luft kälter an als sie ist. Die Wolken lassen wenig Licht durch. Alles bleibt fast einheitlich in Weiß und Grau. Alarmierende Sirenen der umliegenden Feuerwehren zu hören.

Ohne Strom funktioniert vieles nicht, wie wir es heute in Österreich gewöhnt sind. Die Wohnräume bleiben dunkel. Ich drücke den Lichtschalter. Nichts passiert. Ich frage mich: Ist die Lampe kaputt? Die digitale Uhr zeigt keine Zeit an. Das Handy funktioniert und ist griffbereit. Der Versuch, an Warmwasser zu gelangen, scheitert. Der Durchlauferhitzer bekommt keine Energie.

Außer Betrieb

Im hauseigenen Schaltkasten ist nichts ungewöhnliches zu entdecken. Wenigstens ist es noch warm in den Wohnräumen. Die Heizung kann noch nicht lange ausgefallen sein. Es tut gut zu wissen, dass der Holzofen im Wohnzimmer einen Teil der Räume gut wärmt. Aber unser Alltag ist erschreckend stark auf ein Leben mit verfügbaren Strom ausgerichtet. Für den Moment will jedes Lüften überlegt sein, weil es danach dauerhaft kälter sein wird. In der Küche funktioniert weder Brotschneidemaschine, noch Geschirrspüler, Mikrowelle, oder der E-Herd zum Kochen. Die Kaffeemaschine bleibt kalt und der Radio stumm. Ist der Smartphone-Akku aufgeladen, werden Informationen via App wieder greifbar. Für die Internetnutzung müssen fehlende WLAN-Hotspots ausgeglichen werden. Waschmaschine, Föhn, Fernseher, Bügeleisen, Computer und Drucker sind außer Betrieb.

Bewusster leben

Viele Handgriffe müssen neu gedacht werden und erinnern plötzlich an vergangene Zeiten. Dafür ist wieder Platz für Holzofen, Brotmesser und Schneidebrett, Zeit für gute Gespräche, Gesellschaftsspiele, Kerzenlicht und für Hausmusik statt digitaler Playlist. Das Schneeschaufeln wird zur Gemeinschaftsaktion. In Österreich haben wir grundsätzlich eine gute Stromversorgung. Ausfälle sind seltener geworden. Liegt das Problem außerhalb der eigenen vier Wände, kann man aber nur abwarten. Der Situation völlig ausgeliefert zu sein, fällt schwer. Anfangs nicht zu wissen, was passiert ist, beunruhigt. Schön, wenn der Strom nach mehreren Stunden wieder da ist. Wäre in dieser Zeit das fließende Wasser auch weg gewesen, wären weitere Umstellungen auf mich zu gekommen. Diese Zeit ohne Strom macht nachdenklich und lässt mich bewusster leben.