Chronik | Oberösterreich
14.10.2018

„Stolpersteine“ in Linz verlegen

Antifa-Netzwerk. Die 83 Organisationen fordern eine menschenwürdige Asylpolitik

Die 83 Organisationen des Netzwerks gegen Rassismus und Rechtsextremismus appellieren an die Stadt Linz, ihrer NS-Opfer künftig auch durch die Verlegung von sogenannten „ Stolpersteinen“ (Messingplatten mit Erinnerungstext im Gehsteig) zu gedenken. Damit wird die Forderung von der Botschafterin Israels in, Talya Lador Fresher, unterstützt die kritisiert hatte, Linz sei hier unter den deutschsprachigen Städten eine unrühmliche Ausnahme.

Das Netzwerk hat sich am Samstag im Bildungshaus Schloß Puchberg zum Jahrestreffen zusammengefunden. 240 Vertreter von politischen, kirchlichen, kulturellen und humanitären Organisationen diskutierten, es nahmen auch Vertreter aus anderen Bundesländern und sowie aus Bayern teil. Netzwerk-Sprecher Robert Eiter sagte, dass auch heuer wieder mehrere Organisationen – darunter die „Omas gegen rechts“ – beigetreten seien. „Zu unserem Netzwerk gehören jetzt 83 Organisationen. Eine bunte Vielfalt mit über 50.000 Mitgliedern.“

Buchcover Ein deutsches Mädchen - Benneckenstein war zu Gast bei der Antifa in Puchberg

Straftaten zu hoch

Die Teilnehmer forderten, dass Politik und Behörden den Rechtsextremismus wirksam bekämpfen. Oberösterreich weist laut den Verfassungsschutzberichten das dritte Jahr hintereinander die meisten rechtsextremen und rassistischen Straftaten auf. Dass ihre Zahl von 2016 auf 2017 erstmals seit vielen Jahren sowohl bundesweit als auch in Oberösterreich zurückgegangen ist, könne nicht beruhigen, so Eiter. Denn es handle sich um eine Konsolidierung auf sehr hohem Niveau. 2017 wurden in Österreich mehr als fünfmal so viele rechtsextreme Straftaten verübt wie 2005 (von 209 auf 1.063). In Oberösterreich war die Zahl rechtsextremer Straftaten 2017 um 76 Prozent höher als noch 2014 (von 109 auf 192). „Landeshauptmann und Landesregierung dürfen zum traurigen Spitzenplatz Oberösterreichs nicht länger schweigen“, meinte Eiter. Der Verfassungsschutz müsse seine Aufklärungsbilanz deutlich verbessern.

Weiters unterstützt das Netzwerk eine Stellungnahme der katholischen Ordensgemeinschaften, die sich gegen die laufenden Verschärfungen für Flüchtlinge wenden und eine menschenwürdige Asylpolitik fordern.

Heidi Benneckenstein präsentierte ihr Buch „Ein deutsches Mädchen“. Sie wuchs in einer Neonazi-Familie und im dazugehörigen Milieu auf, bis sie als 19-Jährige ausstieg. Weitere Stellungnahmen gab es vom Grünen Landesrat Rudolf Anschober, von Buchautor Hans-Henning Scharsach und von Christa Bauer vom Mauthausen-Komitee. Martin Kranzl-Greinecker und Fritz Käfer-Stelzer informierten über die Vernetzung der Gemeinden an der Todesmarschroute von Mauthaus nach Gunskirchen.