Sicherheitsfirma setzte Türsteher mit Vorstrafe ein

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Foto: ap/Timur Emek Vergangene Woche kam es in Vöcklabruck zu einer Schlägerei zwischen einem Türsteher und drei Gästen.

Ein Wiener Eventmanager soll ohne Gewerbeschein vorbestrafte Sicherheitskräfte beschäftigt haben.

Den Stein hat der 21-jährige Ahmed D. ins Rollen gebracht, als er vergangene Woche bei seinem Probetag als Türsteher drei Gäste in einer Vöcklabrucker Diskothek (OÖ) verprügelt haben soll. Der Tschetschene ist wegen Körperverletzung vorbestraft. Er arbeitet für eine Leasingfirma, die ihn allem Anschein nach gar nicht beschäftigen dürfte.

Laut KURIER-Recherchen hat sein Chef einen Veranstaltungsservice in Wien. Von einem Gewerbeschein für Personalleasing und Sicherheitsdienste weiß weder die Wirtschaftskammer (WKO), noch das Handelsgericht etwas. Die zuständige Behörde am Magistrat Wien ermittelt nun wegen Verstoßes gegen die Gewerbeordnung. Der Firmenchef wollte dazu nicht Stellung nehmen.

Zuverlässigkeit

Für WKO-Fachgruppenobmann Hans-Peter Daume ist der Fall ein großes Fragezeichen – spätestens seit einer der Mitarbeiter des besagten Unternehmens verkündet hat, dass eine Vorbestrafung in der Branche durchaus üblich sein soll. 30 Sicherheitskräfte sollen in Oberösterreich im Einsatz sein. „60 Prozent davon sind vorbestraft“, schätzt er. „Auf dem Leumundszeugnis schauen wir nur nach, wie schwer das Delikt war.“

Dem widerspricht Daume vehement: „Ein Sicherheitsunternehmen ist verpflichtet, seine Mitarbeiter einer Zuverlässigkeitsüberprüfung zu unterziehen. Sie ist weitreichender als das Leumundszeugnis, weil auch die verjährten Urteile angeschaut werden.“ Dass ein Vorbestrafter über das Treiben in einer Diskothek wachen darf, hält er für undenkbar.

Das Opfer der Schlägerei in Vöcklabruck, Albin G., ist fassungslos. Der 20-Jährige hat selbst einige Zeit als Türsteher gearbeitet. Wegen einer späteren Vorbestrafung habe er selbst keine Chance mehr, in der Branche Fuß zu fassen, sagt er. Bei der Auseinandersetzung in Vöcklabruck wurden ihm zwei Zähne ausgeschlagen.

Disco-Besitzer Klaus Reisinger hat seine Konsequenzen gezogen und auf eigene Security-Männer umgestellt. „Es kann nicht sein, dass man sich vor dem Sicherheitspersonal fürchten muss. Ich habe mich auf die Leasingkräfte verlassen. Jetzt weiß ich es besser.“ 

(KURIER) Erstellt am
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