Silke Kranz

© Pia Paulinec

Chronik Oberösterreich
04/01/2020

Sehnsucht nach der Normalität

Schaffen Sie sich in diesen Zeiten Routine beim Essen, Arbeiten und Schlafen. Von Silke Kranz.

Vor einigen Tagen hat mich eine Freundin für ihr Magazin interviewt. Sie fragte mich, ob bei mir trainingsfreie Tage manchmal auch sogenannte Cheat Days seien. Diese kommen eigentlich aus dem Kraftsportbereich, wo Athleten in der Ladephase Unmengen an Süßem und Fettreichem essen, wo sie sonst nur mageres Eiweiß gewohnt sind.

Cheat Days

Seit der Low-Carb-Trend als Ernährungsform boomt, haben die Cheat Days auch im Leben der Normalbevölkerung Einzug gehalten. Zur Sinnhaftigkeit gibt es verschiedene Theorien. Eine besagt, dass man mit der plötzlichen Kohlenhydratzufuhr ein stärkeres Muskelwachstum provozieren kann. Eine zweite geht davon aus, dass durch eine Diät der Grundumsatz sinkt, was nach dem Ende zu einer Gewichtszunahme führt – der berühmte Jo-Jo-Effekt. Durch einen Cheat Day würde man den Grundumsatz hoch gehalten und so an den restlichen Tagen mehr abnehmen.

Psychologisch wichtig

Die dritte Theorie ist jene, die auch ich vertrete. Der Cheat Day ist psychologisch wichtig. Darf ich nie Kohlehydrate zu mir nehmen, werden sich mit der Zeit meine Gedanken ausschließlich um Pizza, Spaghetti und Schokolade drehen. Habe ich die Aussicht darauf, das am Wochenende alles essen zu dürfen, dann halte ich erstens die Woche besser durch und zweitens fällt der Sündentag dann meistens nicht so dramatisch aus wie eine Heißhungerattacke. Und so halte auch ich es und freue mich hin und wieder tagelang auf einen Burger oder eine Portion Nachos.

Lebensmittel auf Vorrat

Als die Corona-Infektionen sprunghaft anstiegen, habe ich einen Großeinkauf gemacht, da ich davon ausgegangen bin, dass es für mich als Allgemeinmedizinerin nur eine Frage der Zeit ist, bis ich Kontakt mit einer infizierten Person habe und dann in Quarantäne abgesondert werde. Allein beim Gedanken daran hatte ich das Gefühl, mir für diese schwierige Zeit etwas Gutes tun zu wollen, und so landeten in meinem Einkaufswagen neben Nudeln und Toilettenpapier auch Schokolade und Chips. Üblicherweise ist es keine gute Idee von mir, solche Lebensmittel auf Vorrat zu kaufen, da sie nicht so lange überleben wie geplant, aber diesmal bin ich erstaunlich konsequent. So sehr wir sonst den Alltag hassen, habe ich den Eindruck, dass wir uns im Moment nach nichts mehr als nach Normalität sehnen.

Und das ist auch mein Tipp an Sie, falls Sie noch ein paar Tage zu Hause durchhalten müssen: Schaffen Sie sich Routine, beim Schlafen, Arbeiten und auch beim Essen! Alles Gute weiterhin!

Silke Kranz ist diplomierte Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell.

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