FERKELZUCHT LANDWIRTSCHAFT DALLINGER

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Schweinezucht
07/13/2013

„Gesundheit ist das Wichtigste“

Der wesentlichste Faktor ist die Gesundheit der Tiere, sagt Bauer Peter Dallinger.

von Josef Ertl

Das Leben einer Zuchtsau ist nicht so schlecht. Sie kann zu jeder Zeit fressen, aber nur eine bestimmte Menge. Zwölf Mal täglich fragt der Computersenor ab, ob frisches Futter im Ursch ist. Aber meistens frisst die Sau ihre Tagesration auf einmal auf. Und legt sich dann an einen bestimmten Platz, um dort dahinzudösen. An bestimmten Stellen ist der Boden geheizt. Heu steht auch jederzeit zur Verfügung. Wenn es heiß ist, rieselt Wasser aus der Ferkeldusche. Interessiert sich die Sau für den Eber, kann sie ihn durch ein Fenster beobachten. Wenn sie täglich 20-mal länger als 20 Sekunden vor ihrem männlichen Pendant steht, gilt sie als bärisch und wird in den Deckstall verlegt.

Halbe Million investiert

Elisabeth und Peter Dallinger haben auf ihrem Hof in Gotthaming 5, Gemeinde Haag am Hausruck, rund 200 Zuchtsauen. Auf 21 Hektar Eigen- und 20 Hektar gepachtetem Grund bauen sie Gerste, Mais, Weizen und Raps an, das sie an die Schweine verfüttern. Der Raps verwertet die anfallende Gülle sehr gut, der Rapskuchen, der nach dem Pressen als Abfall übrig bleibt, geht an die Schweine.

1996 hat der heute 44-jährige Dallinger den Hof von Eltern übernommen. Er hat den damaligen Mischbetrieb 1998 umgebaut und sich als Ferkelbetrieb spezialisiert. Mehr als 500.000 Euro hat er investiert. Technisch ist alles so ziemlich auf dem letzten Stand,die Ställe sind sauber. „Es geht uns ganz gut“, erzählt er, „wir sind im höheren Leistungsbereich angesiedelt.“ Nur ein Drittel der Ferkelproduzenten würden mit Gewinn wirtschaften, ein Drittel arbeite so dahin, ein Drittel produziere Verluste. Entscheidend für den Erfolg sei die Liebe zum Beruf, ein entsprechendes Wissen und Glück. Das Wichtigste sei, dass sich die Tiere wohlfühlten und dass der Bestand gesund sei. Sein Betrieb sei ein konventioneller, auf die Felder werde die Gülle der Schweine ausgebracht, dazu komme noch Mineraldünger. Antibiotikum werde keines verfüttert und nur dann eingesetzt, wenn Tiere krank seien.

Wenn Dallinger Schweine zukauft, kommen sie zuerst für sechs bis acht Wochen in den Quarantänestall. Sie werden vom Tierarzt auf Krankheiten untersucht, außerdem werden sie hier mit den betriebseigenen Keimen konfrontiert. Sie sind ca. acht Monate alt und 120 Kilogramm schwer.

Die durchschnittliche Zuchtsau wiegt 200 kg und wirft in ihrer Lebenszeit sieben bis acht Mal. Der Wurf kann zwischen einem und 23 Ferkel betragen. Nach drei Jahren Nutzungsdauer werden die Zuchtschweine im Alter von vier Jahren geschlachtet, ihr Fleisch wird ausschließlich für die Wurstproduktion verwendet. Die Ferkel wiederum werden nach 12 Wochen mit einem Gewicht von 31 kg an Mastbetriebe verkauft.

Die Kritik von manchen Tierschützern kann Dallinger nur schwer nachvollziehen. Denn die Schweine sind nicht nur friedvolle Tiere. Springt beispielsweise ein Jungferkel in die Nachbarbox, wird es von den sich dort herumtummelnden Ferkeln getötet, wenn es nicht sofort herausgeholt wird. Weil den Jungferkeln die Zähne nach der Geburt nicht mehr geschliffen werden dürfen, verletzen sie sich gegenseitig im Kampf um die besten Zitzen der Muttersau. Dallinger hat auch zwei Eber. „Wenn ich die beiden zusammenlassen würde, bringen sie sich mit Sicherheit um.“ Aber auch sonst fügen sich die Schweine gegenseitig Verletzungen zu. Kratzer und Blutspuren zeugen von den Kämpfen. Dallinger verteidigt auch den Ferkelschutzkorb für die Muttersauen. Wenn es ihn nicht gäbe, würden so manche Ferkel von ihrer Sau erdrückt.

Dallinger glaubt, dass sich die österreichischen Betriebe halten werden können, „wenn man es g’scheit betreibt“. In den Niederlanden gebe es beispielsweise keine Betriebe mehr mit weniger als 400 Zuchtsauen. Er habe dort einen Betrieb mit 630 Zuchtsauen besucht, der überhaupt keinen Eigengrund mehr besitze, sondern alles zukaufe und lediglich produziere. Aber für kleine Betriebe, die kein hohes Leistungsniveau hätten, werde es immer schwieriger.

Mehrmals jährlich lädt die Familie Dallinger Interessierte zum Besuch auf den Hof, „damit die Kinder und die Leute sehen, woher das Schnitzel kommt“. Damit soll das Verständnis für die heutige landwirtschaftliche Produktion geweckt werden

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