Chronik | Oberösterreich
05.12.2011

Regionalität als Kapitalismus-Alternative

Juso-Sommercamp: Die vielen weltweiten Initiativen sollten sich stärker vernetzen und organisieren

Die Analyse des philippinischen Globalisierungskritikers Walden Bello bei der Podiumsdiskussion Freitagabend im Sommercamp der Internationalen Sozialistischen Jugend in Weißenbach am Attersee war einfach. "Wir sind in der zweiten Phase der Wirtschaftskrise." Die erste Phase sei die Finanzkrise gewesen. Die Banken hätten sich erholt, nun würden von den Regierungen alle Bereiche gekürzt, vor allem das Soziale.

Skepsis über Erholung

Südostasien habe sich 2010 gut erholt, so Walden Bello, dank des chinesischen Investitionsprogramms. Die Frage, die sich stelle, sei, ob es den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, China, Indien) gelinge, sich von den Industrieländern abzukoppeln. Er sei skeptisch. Er meine, es handle sich nur um eine kurzfristige Erholung, denn China habe sich noch immer nicht verabschiedet von der Abhängigkeit vom Export. Das Binnenwachstum sei zu schwach.
Beide derzeit gängigen Wirtschaftsmodelle hätten versagt. Einerseits der Neo-Liberalismus mit dem Kapitalismus als permanente Revolution, andererseits der Keynesianismus, der meine, er könne die Exzesse des Kapitalismus abfangen. Walden Bello propagiert ein drittes Modell, in dem der Markt in Solidarität und Gleichheit eingebettet sei. Er beschreibt fünf Kennzeichen dieses neuen sozialdemokratischen Modells: die Demokratisierung der wirtschaftlichen Entscheidungen, die Nationalisierung und Sozialisierung des Finanzsystems, Kooperation statt Wettbewerb, die De-Globalisierung und die Entwicklung grüner Technologien als Wachstumsträger.

De-Globalisierung

Walden Bello stellt der Globalisierung die De-Globalisierung entgegen. Er schlägt vor, Entwicklungsländer sollten wieder vermehrt für ihre jeweiligen lokalen Märkte produzieren und ihren Export einschränken. Dem einheitlichen neoliberalen Denken soll in Form dezentraler wirtschaftlicher Prozesse in lokalen Gemeinschaften Vielfalt entgegengestellt werden.
Saskia Sassen, Professorin an der New Yorker Columbia-Universität, diagnostizierte Krisen in allen Bereichen: die Finanzkrise, die Wirtschaftskrise, die Nahrungsmittelkrise, die Klimakrise etc. Verschiedene Trends kämen jetzt zusammen.
Wenn man das Zusammenbrechen von Unrechtssystemen studiere, komme man zu dem Schluss, dass viele verschiedene Bewegungen und Initiativen die Umstürze verursacht hätten. Überall auf der Welt gebe es Millionen von Initiativen. Es kursierten eine Menge guter Ideen. Diese Initiativen sollten sich weltweit vernetzen und organisieren, es brauche intensivere Kontakte. Ihre Schlussfolgerung: "Wir brauchen keine Revolution, sondern eine Menge radikaler Schritte." Alfred Gusenbauer pflichtete ihr bei: "Wir brauchen viele verschiedene Experimente auf der ganzen Welt."