Das SS-Denkmal in Stillfüssing

© HERMANN WAKOLBINGER

Chronik Oberösterreich
12/01/2020

Passen vor dem SS-Spuk

Peuerbach und Waizenkirchen – zwei Gemeinden mühen sich mit historischer Altlast ab. Von Gerhard Marschall.

Auf der Glastafel zur Erinnerung an die Weltkriegstoten auf dem Friedhof der Stadt Peuerbach (Bez. Grieskirchen) ist seit Kurzem ein Name überklebt – jener von Ferdinand Sammern-Frankenegg. Der KURIER hat darüber berichtet, dass hier auch an einen Nationalsozialisten der ersten Stunde und Kriegsverbrecher erinnert wird. Als hochrangiges Mitglied der Waffen-SS war er Polizeiführer in Warschau, hauptzuständig für die Deportation der jüdischen Bevölkerung in Vernichtungslager. Die Überklebung durch den Kameradschaftsbund hat Peuerbachs Bürgermeister Wolfgang Oberlehner (ÖVP) veranlasst. Überzeugt ist er davon nicht: „Damit ist diese Stelle zwar nicht mehr lesbar, dafür aber auffälliger und zieht wahrscheinlich mehr Aufmerksamkeit auf sich und es entsteht der Verdacht der Vertuschung.“

Zu wenig bekannt

Es lässt sich aber auch anders, positiv sehen: Vielleicht weckt die überklebte Stelle Interesse, welcher Name sich dahinter verbirgt. Vor allem jungen Menschen in Peuerbach ist vermutlich zu wenig oder gar nicht bekannt, wer Sammern-Frankenegg war und welche Rolle in der NS-Vernichtungsmaschinerie er spielte. In diese Richtung argumentiert auch Wilhelm Achleitner, langjähriger Leiter des diözesanen Bildungshauses Puchberg. Er empfiehlt Oberlehner, in der „Stadtinfo“ über die Causa zu berichten. So könne für die Problematik ein Gesamt- und Stadtwissen entstehen. Eines steht für Achleitner fest: „Das Überkleben wird nicht reichen.“ Er schlägt die Entfernung des Namens oder eine künstlerische Intervention vor.

Unweit von Peuerbach, in Waizenkirchen, wird das Gedenken an die Waffen-SS in besonderer Weise hochgehalten. In der Ortschaft Stillfüssing steht ein umstrittenes Denkmal – „Kriegergrab“, betont Bürgermeister Fabian Grüneis (ÖVP). Genau das soll jetzt auf einer Hinweistafel klargestellt werden. Den Auftrag dazu habe das Innenministerium dem Schwarzen Kreuz erteilt. Auch auf der Homepage des Landes Oberösterreich findet sich eine Eintragung. Hier werde „an das Ende des Zweiten Weltkriegs“ erinnert, heißt es etwa. Es geht aber nicht um die Befreiung von der NS-Diktatur durch die Alliierten. Erklärt wird vielmehr, wer hier begraben liegt: „Verstreute SS-Männer wurden aus ihren Verstecken getrieben. 13 Mann wurden von den Amerikanern erschossen, meist handelte es sich dabei um sehr junge Schlesier.“

Pilgerstätte für die Kameradschaft IV

In der Vergangenheit war Stillfüssing Pilgerstätte für die Kameradschaft IV. Der als rechtsextrem eingestufte Traditionsverband hielt hier regelmäßig Gedenkfeiern ab. „De facto passiert dort nichts, es finden keine Kranzniederlegungen statt“, versichert der Bürgermeister. Früher seien „kleinere Gruppen mit ganz alten Männern“ gekommen, „die meisten von ihnen gibt es nicht mehr“. „Wir bestreiten nicht, dass es sich um ein Grab handelt“, sagt Robert Eiter, Sprecher des OÖ. Netzwerks gegen Rassismus und Rechtsextremismus. Allerdings sei die Waffen-SS laut Urteil im Nürnberger Prozess in allen ihren Teilen eine verbrecherische Organisation gewesen. Er fordert, dass darauf auf einer Zusatztafel ausdrücklich hingewiesen wird. „Es gibt genaue Informationen über die Waffen-SS an genug Stellen“, hält dem Bürgermeister Grüneis entgegen. Er plädiert dafür, „nicht zu viel Aufsehen nach Stillfüssing zu lenken“.

Ruhe per Schlussstrich

Auch sein Amtskollege aus Peuerbach möchte Ruhe per Schlussstrich: „So schlimm diese Dinge auch waren und sind, sind es geschichtliche Ereignisse, die wir zur Kenntnis nehmen müssen.“ Zumal es Dringenderes gebe: „Wir sind mit den heutigen Problemen wie Corona, Terror oder Entwicklung unserer Gesellschaft gefordert und haben diese zu meistern.“

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