Chronik | Oberösterreich
15.10.2017

Palmöl für Kinder bedenklich

Gefährliche Schadstoffe.Gesetzgeber sollte Höchstgrenzen festlegen – derzeit nicht geregelt.

Heute ist Wahltag. Keine Angst, ich werde Ihnen nicht mit politischen Statements Ihr wohlverdientes Frühstück verderben, ich denke, wir sind in den vergangenen Wochen unter dem Deckmantel des Wahlkampfes mit genug Boulevard überflutet worden.

Krebserregend

Nein, heute geht es um eine andere Debatte: das Palmöl. Sie haben sicherlich gehört, dass eine bestimmte Sorte einer berühmten Schokoladenmarke sowie zwei Margarine-Produkte so stark schadstoffbelastet sind, dass sie in einigen Supermarktketten aus dem Sortiment genommen wurden. Zwei dieser Schadstoffe gelten als krebserregend und sogar erbgutverändernd. Diese Stoffe entstehen bei der Raffination von Palmöl.

Palmöl oder Palmfett wird aus dem Fruchtfleisch der Palmfrüchte gewonnen. Palmkernöl entsteht aus den gepressten Kernen der Ölfrüchte. Beide Öle werden in der Nahrungsmittelindustrie zum Beispiel zur Herstellung von Margarine oder Glasuren verwendet, dies stellt ungefähr zwei Drittel des Einsatzes dar. Das restliche Drittel verteilt sich auf die Produktion von Reinigungs- und Waschmitteln sowie die Energiegewinnung. Mit 30 Prozent Marktanteil ist Palmöl vor Sojaöl das meist angebaute und auch das billigste Pflanzenöl der Welt.

Das Öl enthält zu einem sehr hohen Anteil gesättigte Fettsäuren, so auch die Palmitinsäure. Diese findet sich auch in der Muttermilch, weshalb sich Palmöl häufig in Babynahrung findet. Das Problem ist, dass die Schadstoffe nicht mit absoluter Sicherheit entfernt werden können.

Keine Höchstdosis

Ein weiteres Problem ergibt sich daraus, dass für einige dieser Stoffe keine sogenannte tolerierbare tägliche Aufnahmemenge festgelegt ist. Das bedeutet, dass Nahrungsmittel nicht vom Markt genommen werden (können), weil es keine "gefährliche Höchstdosis" gibt.

Es ist allerdings einleuchtend, dass Kinder aufgrund des niedrigeren Körpergewichtes sehr rasch bedenkliche Konzentrationen aufnehmen. Bei der untersuchten Schokolade war das zum Beispiel schon mit zwei Stückchen der Fall. Daher fordern diverse Gesundheits- und Umweltorganisationen, dass Lebensmittel entsprechend gekennzeichnet – und besser noch – anders produziert werden. Weiters verlangen sie umfassendere Tests auf Schadstoffe, damit weitere potenziell gefährliche Produkte entdeckt werden können.

Mit Bedacht wählen

Jetzt muss ich doch zu einem kleinen Seitenhieb auf die Politik ausholen: Hier wäre rasches Handeln gefragt. Solange wir uns im Konjunktiv befinden, appelliere ich an Ihr Wahlrecht. Nehmen Sie sich etwas mehr Zeit beim Einkaufen und lesen Sie sich die Zutaten der Produkte durch, bevor Sie sie in Ihren Einkaufswagen legen.

Wählen Sie mit Bedacht – in der Kabine und im Supermarkt!

Autorin Silke Kranz ist diplomierte Ernährungs- und Sportmedizinerin und Ärztin für Allgemeinmedizin in Bad Zell