Chronik | Oberösterreich
22.11.2017

Öffentlicher Verkehr: Stadt Linz schwebt Seilbahn vor

Gondeln könnten Arbeiter in Zukunft vom Bahnhof Ebelsberg aus ins Industriegebiet bringen.

Bisher kennen die Österreicher Seilbahnen am ehesten aus Skigebieten. Während in der bolivianischen Hauptstadt La Paz bis 2019 das Öffi-Gondel-Netz 30 Kilometer lang sein soll, ist hierzulande die Idee, das Transportmittel auch im öffentlichen Verkehr einzusetzen, bisher nirgends umgesetzt worden.

In Linz überlegt die Politik nun, den Süden der Stadt und das Industriegebiet mit einer Seilbahn zu verbinden. "Da gibt es derzeit keine attraktive öffentliche Verbindung", meint Verkehrsstadtrat Markus Hein (FPÖ). Am Montag hat sich der Infrastrukturausschuss des Gemeinderats, dessen Vorsitzender Hein ist, mit dem Thema befasst. Dafür wurde eigens einen Experte des Vorarlberger Weltmarktführers Doppelmayr eingeladen.

40 Millionen Euro

Er habe die Möglichkeiten präsentieren lassen, "weil urbane Seilbahnen den Nimbus der Utopie haben", meint Hein. Er könne sich eine Verbindung zwischen dem Bahnhof Ebelsberg mit dem Linzer Hafen samt einer Zwischenstation beim Bahnhof Franckstraße vorstellen, um Arbeiter künftig per Gondel ins Industriegebiet zu bringen. Die Kosten für die laut Hein rund sieben Kilometer lange Strecke vergleicht er mit den Schätzungen, die für das bisher nicht realisierte Seilbahn-Vorhaben auf den Wiener Kahlenberg angestellt wurden: Bis zu 40 Millionen Euro. Hein will das Projekt im kommenden Jahr zunächst einer "Potenzialanalyse" unterziehen und dann weitere Schritte setzen. Eine Umsetzung hält er "in fünf bis zehn Jahren" für realistisch.

Interesse an der Gondel bekundet auch SPÖ-Bürgermeister Klaus Luger. "Das ist derzeit noch im Stadium einer Idee – aber einer, der ich sehr viel abgewinnen kann." Bei den Grünen gibt man sich zurückhaltender. "Ich glaube, dass die Prioritäten derzeit woanders liegen", meint Fraktionsvorsitzende Ursula Roschger unter Verweis auf die geplante zweite Straßenbahn-Schienenachse durch Linz. ÖVP-Klubchef Martin Hajart sieht sich bei Heins Idee an den Vorschlag eines Oppositionspolitikers erinnert. Ihm fehle es an "Konkretem", sagt Hajart, für den der Vorstoß des FPÖ-Politikers "mehr Fragen als Antworten" aufwerfe.

"Wälderbahn" ungewiss

Auch in Vorarlberg wurde schon einmal laut über eine Seilbahn als Teil des öffentlichen Verkehrs nachgedacht. Ende August 2016 stellte die Industriellenvereinigung die "Wälderbahn" vor: Eine Gondelbahn auf elf Kilometern Länge, die den Bahnhof in Dornbirn entlang der Dornbirner Ache über das Hochälpele mit Andelsbuch im Bregenzerwald verbindet. Die Landespolitik kündigte damals eine Machbarkeitsstudie an. Mittlerweile laufe die Erstellung eines Verkehrskonzepts für das gesamte Bundesland, das 2019 fertiggestellt werden soll, heißt es aus dem Büro des ressortzuständigen Landesstatthalters Karlheinz Rüdisser (ÖVP). Darin soll auch die Sinnhaftigkeit einer "Wälderbahn" geklärt werden.

Mega-Projekt wurde begraben

Nun sollen über das Grießenkar die Skigebiete Wagrain und Kleinarl miteinander verbunden werden. Mit der Verbindung kann dann direkt bis zur Talstation in Flauchauwinkl gefahren werden, wo auf der anderen Seite der Autobahn das Skigebiet Zauchensee beginnt.

300 Meter über Grund

Das ursprünglich 2014 vorgestellte Projekt sah eine Verbindung zwischen der Lisaalm im Flachauer Skigebiet bis zum Rosskopf in Zauchensee vor. Auf einer Länge von 7,2 Kilometern hätte die Bahn das Tal überspannt, in dem die Tauernautobahn verläuft. Die Gondeln wären bis zu 310 Meter über dem Boden geschwebt. Die Kosten wurden damals mit 50 bis 60 Millionen Euro beziffert. Bei der Vorstellung der Baupläne wurde eine Inbetriebnahme im Winter 2017/’18 anvisiert. Gegen das Projekt gab es allerdings auch massive Widerstände von Naturschützern.