Klaus Luger, Christine Haberlander, Joachim Gauck, Franz Gasselsberger

© eric kruegl/Oberbank/Eric Kruegl

Chronik Oberösterreich
01/13/2020

Oberbank: Ringen um die Unabhängigkeit

Neujahrsempfang der Oberbank. Generaldirektor Franz Gasselsberger will der „Sklaverei“ durch die italienische Unicredit entgehen.

von Josef Ertl

Mit mehr als 1500 Gästen ist er der größte Neujahrsempfang des Landes und Generaldirektor Franz Gasselsberger (60) nutzte ihn zu Kritik an der UniCredit Bank Austria, die ein Viertel der Oberbank-Anteile hält.

Kanonade von Angriffen

„Es kann der Frömmste nicht in Frieden bleiben, wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt“, zitierte er Friedrich Schiller (aus Wilhelm Tell). „Während wir und unsere Schwesterbanken 2019 echtes Geschäft gemacht haben, mussten wir uns mit einer Kanonade von juristischen Angriffen der UniCredit Bank Austria auf unsere Unabhängigkeit auseinandersetzen.“

Hintergründig gehe es wohl darum, der Oberbank und ihren Schwesterbanken wohlerworbene und gesetzeskonforme Stimmrechte wegzuklagen. Die UniCredit verlange nun auch eine außerordentliche Hauptversammlung. „Ziel des Klags-Karussels ist es wohl, sich eine bestimmende Mehrheit in den 3Banken vor Gericht zu erstreiten und damit ohne Arbeit ein fettes Plus in die Mailänder Bilanz der UniCredit schreiben zu können ..... Sie will sich einfach die Kontrolle über drei erfolgreiche Regionalbanken erstreiten.“ Aber die Oberbank wolle nicht das tun, „was andere für uns gedacht haben. Das wäre Sklaverei.“ Der Applaus des Publikums bestätigte Gasselsbergers Worte.

Gastredner beim Neujahrsempfang am Mittwochabend im Linzer Oberbank-Donauforum war der ehemalige deutsche Bundespräsident Joachim Gauck (78). „Ich komme aus Deutschland und da gibt es so etwas wie eine gediegene Nationalkultur des Verdrusses“, meinte er eingangs. „Wenn man intelligent sein möchte, darf man sich nicht allzu fröhlich und optimistisch zeigen. Man muss im gediegenen Unbehagen seine Lebenswege schaffen. Insofern war das heute für mich eine wunderbare Kur, denn ich habe selbstbewusste, erfolgreiche Menschen getroffen, die sich auch nicht dafür schämen, erfolgreich zu sein. Herr Generaldirektor, kommen Sie öfter bei uns vorbei! Sie haben sich ja auch nach Sachsen aufgemacht (Filialgründungen, Anm.), das macht auch nicht jeder. Sie finden, dass man Risiken eingehen muss, Sie gründen neue Filialen. Ich kenne sehr, sehr viele, die versuchen Filialen abzustoßen und ihre Kunden los zu werden oder im Internet zu treffen. Das sind alles für mich überraschende Dinge. Sollte ich öfter herkommen?“ Applaus und Lachen im Publikum.