Chronik | Oberösterreich
25.11.2018

Neuer Trainer, neues Glück

Bei den Innviertlern vom SV Ried rumort es hartnäckig. Mit dem neuen Coach soll alles besser werden

Die SV Ried ist zum Durchhaus geworden. Seit dem Abgang von Paul Glodovatz im Frühjahr 2012 hat der Klub zwölf Mal den Trainer ausgewechselt. Die Verweildauer auf der Betreuerbank betrug im Durchschnitt etwas mehr als sechs Monate. Soeben hat Thomas Weissenböck entnervt alles hingeworfen, Interimscoach Miran Muslic ist die Nummer 13 in der langen Reihe des Kommens und Gehens. Obendrein wird er in der Winterpause Schluss machen.

Das Karussell auf der Betreuerbank sieht Finanzvorstand Roland Daxl (44) nüchtern: „Im Fußballgeschäft ist es leider normal, dass oft gewechselt wird.“ Dennoch werde jetzt an einer beständigen Lösung gearbeitet. Der Neue soll dieser Tage präsentiert werden. Das Anforderungsprofil: Er sollte die Liga und das Umfeld kennen, Erfahrung mitbringen, wenn möglich Österreicher und „klar zukunftsfähig“ sein. Und, so Daxl: „Sehr gut wäre, wenn er schon einmal Trainer und sportlicher Leiter gewesen hätte.“

Stabilität erwünscht

Die Zusammenführung der beiden Ämter soll Stabilität bringen: eine klare Linie, keine langen Diskussion mehr. Beim Zweitligisten soll wieder Ruhe einkehren. Es läuft nicht rund, weder auf dem Platz noch rundherum. Seit Monaten – von den ersten Spielen im Herbst abgesehen – entlädt sich der Zorn der Fans gleichermaßen auf Mannschaft wie Vorstand. Im Zentrum der Kritik stehen Daxl und Manager Fränky Schiemer, der von sich aus in der Winterpause geht. Er habe jedenfalls nicht vor, sich „aus der Verantwortung davon zu stehlen“, sagt Daxl. Der Unternehmer aus Grieskirchen ist mit kurzer Unterbrechung, seit zehn Jahren dabei und einer der Hauptsponsoren. Ried sei ein „Dorfklub“ mit Umfeld eines Traditionsvereins, analysiert er die Kluft zwischen Anspruch und Realität: „Die Sehnsucht, im Konzert der Großen mitzuspielen, ist sehr groß. Wenn es nicht hundertprozentig läuft, gibt es kritische Stimmen.“ Das sei nachvollziehbar. Ein Problem habe er allerdings damit, wenn es ins Persönliche gehe. Etwa via Social Media oder vom Stehplatz. „Vom Fan auf der Westtribüne gibt es naturgemäß wenig Respekt.“ „Unabhängig davon, dass es nicht hilfreich ist, wenn dauernd von außen Unruhe hereingetragen wird, sind auch Fehler passiert“, räumt Daxl ein: „Sonst wären wir nicht in der zweiten Liga.“ So seien notwendige strukturelle Veränderungen aus Rücksicht auf die handelnden Personen nicht erfolgt. Auch die Ablöse von Coach Lassaad Chabbi sei zu spät erfolgt. „Aber mit der Weisheit des Rückblicks ist man immer klüger.“

Vorstandswechsel

Unter dem Strich sei jedoch gut gearbeitet worden, beharrt Daxl und verweist auf Fakten: In den vergangenen fünf Jahren wurden 6,3 Millionen € in die Infrastruktur (neues Trainingszentrum, Rasenheizung) investiert, ein neuer Stadionsponsor gefunden und die Saison 17/18 positiv bilanziert. Die Kritik, dass Ried in der Vereinsführung unterrepräsentiert sei, kontert er. „Wir haben noch nie zu jemandem nein gesagt.“ Jedoch soll es im Vorstand demnächst zu ein, zwei Veränderungen kommen. Und sportlich soll es mit neuem Trainer auch wieder aufwärts gehen.

Wenn heute das letzte Spiel gegen FC Juniors gewonnen werde, sei im Frühjahr alles möglich, sagt Daxl. Und falls nicht, „ist die Chance zwar kleiner, aber noch nichts vorbei“. Der Aufstieg sei zu Saisonbeginn nicht als Ziel ausgegeben worden und weiterhin „kein Muss“ – auch wenn das Umfeld der SV Ried „ganz klar erstklassig ausgerichtet“ sei.