Bereits mehrmals gab es im Nationalpark Luchs-Nachwuchs. Mit einem Jahr suchen sich die Jungtiere ein eigenes Revier

© honorarfrei/Agnes Haymerle

Natur
03/29/2015

Nationalpark-Jungluchse sind nun auch im Gesäuse auf Reviersuche

Raubkatzen aus den Kalkalpen wandern längere Strecken bis in die Steiermark undnach Niederösterreich.

von Christoph Weiermair

Liebe Frau oder Herr Luchs: Herzlich Willkommen": Auf der Facebook-Seite des Nationalparks Gesäuse in der Steiermark wird der Luchs mit offenen Armen empfangen. In den vergangen Wochen wurden in den Gesäuse-Wäldern vermehrt die Fährten einer Raubkatze gesichtet. Es dürfte sich um die Spuren eines Jungluchses aus dem Nationalpark Kalkalpen handeln.

"Das kann leicht sein, die Luchse haben ein klares Revierdenken und müssen sich im Alter von etwa einem Jahr, wenn sie von der Mutter unabhängig sind, ein eigenes Revier suchen. Ein Revier ist bis zu 20.000 Hektar groß", erklärt Erich Mayrhofer, Direktor des Nationalparks Kalkalpen.

Fotofalle

Auch im Wildnisgebiet Dürrenstein in Niederösterreich wurde zu Jahresbeginn ein Luchs von einer Fotofalle geblitzt. Auch dieser Neuankömmling dürfte aus Oberösterreich stammen. Das Jungtier musste eine Distanz von eta 30 Kilometern zurücklegen, um ein neues Revier zu finden.

Während sich viele eine dauerhafte Rückkehr des Luchses ins Wildnisgebiet Dürrenstein wünschen, sind Landwirte und Jäger skeptisch. Auch im Böhmerwald gibt es Widerstand gegen Europas größte Wildkatze. Mancher Waidmann möchte den Luchs sogar wieder auf den Abschussplan setzen.

Im Nationalpark Kalkalpen ist die Population dafür noch nicht groß genug. Im Gegenteil: Die Raubkatzen bräuchten nach dem Verschwinden von Kuder (männlicher Luchs) "Juro" dringend eine Blutauffrischung, weil es sonst zur Inzucht kommt. Obwohl vereinbart, verweigerte die Jägerschaft die Ansiedlung eines neuen Männchens. Bereits heuer dürften sich die Weibchen mit eng verwandten Tieren (Sohn oder Bruder) gepaart haben.

Mayrhofer hofft nun, dass man für 2016 eine Einigung erzielt: Dazu brauche es eine Vernetzung mit der Steiermark und Niederösterreich, Gentests bei den Tieren und ein Signal an die Jäger: Jedes vom Luchs gerissene Reh soll künftig im Abschussplan berücksichtigt werden.